Stürzt AUA ohne Partner ab?

Die AUA machte per März doppelt so viel Verlust wie 2007. Gegen den Einstieg des Scheichs regt sich Widerstand. Hat der Airline-Chef den „nachhaltigen Turnaround“ wirklich geschafft?

Alfred Ötsch, der Chef der AUA, ließ vor sechs Wochen in einem FORMAT-Interview mit der Aussage aufhorchen: „Das Jahr 2008 hat schon sehr schwierig begonnen.“ Auf einen guten Gang der Geschäfte deutete das nicht hin. Aber dass es so schlimm kommen würde, haben wohl die wenigsten erwartet. Die Zahlen für das erste Quartal sind mehr als ernüchternd: 40 Millionen Euro Miese werden als Betriebsergebnis ausgewiesen. Zwar läuft das Airline-Business im Zeitraum zwischen Jänner und März traditionell am schwächs­ten. Aber der Verlust ist doppelt so hoch wie im ersten Quartal des Vorjahres – und das lässt vielerorts die Alarmglocken schrillen. Denn per Jahresende schaffte die AUA 2007 – trotz Sonder­erlösen etwa aus Flugzeugverkäufen – gerade einmal drei Millionen Euro Gewinn.

Hauptversammlung wird zu einer Zitterpartie. Ötsch muss sich sein Jahressalär von zuletzt 532.200 Euro derzeit wirklich hart verdienen. Die AUA-Aktie hat sich im Vorfeld der Quartalszahlen Penny-Stock-Niveau genähert und notiert nur noch knapp über vier Euro. Die Zweifel an der oft wiederholten Aussage des Airline-Chefs, wonach ein nachhaltiger Turnaround geschafft worden sei, werden wieder ­lauter. Auch die Skepsis über die von ihm strikt verfolgte Stand-alone-Strategie der AUA steigt. Die für 7. Mai anberaumte Hauptversammlung, bei der eine Kapital­erhöhung beschlossen und der Einstieg von Scheich Al Jaber fixiert werden soll, wird zu einer Zitterpartie. Mit zwei Faktoren begründet Ötsch das schlechte Ergebnis: erstens mit dem hohen Kerosinpreis, der sich innerhalb von zwölf Monaten auf 1.200 Dollar pro Tonne verdoppelt hat. Zweitens mit der extrem starken Billigfliegerkonkurrenz in Wien. Die AUA muss auf allen Strecken, die NIKI oder SkyEurope anbieten, ebenfalls mit günstigen Preisen kontern, um ihre Position zu halten. Das kostet viele Millionen. „Wenn erst SkyEurope vom Markt verschwindet, geht es uns gleich besser“, erklärt ein AUA-Manager. Doch ob und wann sich diese Hoffnung erfüllt, ist trotz der gravierenden Finanzprobleme des Billig-Carriers nicht absehbar. Und auch Kerosin wird wohl nicht so rasch billiger. Weil von der letzten Kapitalerhöhung noch Geld in den Kassen liegt, kann die AUA die Turbulenzen noch eine Zeit lang überstehen. Ötsch sieht daher keine Veranlassung für einen Kurswechsel und will weiter – ohne Partner – in Richtung Osten expandieren.

Kein interessantes Angebot für die Altaktionäre. Demnächst soll nochmals die Kasse klingeln. Rund 150 Millionen Euro ist Scheich Al Jaber bereit, für 20 Prozent an der AUA hinzulegen. Mehr wird auch nicht hereinkommen. Denn die darüber hinausgehende Kapitalerhöhung, die Altaktionäre berechtigt, für 4,89 Euro junge Aktien zu zeichnen, ist nur das Papier wert, auf dem sie steht. Niemand wird nach dem jüngsten Absturz des AUA-Kurses davon Gebrauch machen. „Für Altaktionäre ist es nicht sehr interessant, dieses Angebot wahrzunehmen“, prophezeit Erste-Bank-Analystin Martina Valenta. Auch für Al Jaber ist die Entwicklung bitter. Er hat sich zu einem Preis von 7,10 Euro pro Aktie verpflichtet. Mit seinen 150 Millionen könnte er mittlerweile an der Börse schon fast die halbe AUA kaufen. Der einzig positive Aspekt für Ötsch: Zumindest die Kritik, dass zu billig an den Scheich verkauft wird, dürfte jetzt vom Tisch sein. Aber etliche Aktionäre geben sich im Vorfeld der Hauptversammlung trotzdem äußerst streitbar – so der schon öfters unbequeme Rupert-Heinrich Staller: „Es wird eine heitere, lange Veranstaltung werden. Es ist eine Grundvoraussetzung, dass Aktionären, die einer Kapitalerhöhung zustimmen sollen, vom Management Antworten gegeben werden.“ Und diese fordert er insbesondere zu etwaigen Zusatzklauseln, die der AUA-Hauptgesellschafter ÖIAG mit Al Jaber vereinbart hat.

Die Brisanz für die Airline: Ficht nur ein einziger Aktionär den Hauptversammlungsbeschluss an, könnte er den Einstieg Al Jabers gefährden: „Eine Anfechtungsklage würde alles lahmlegen“, erläutert Christopher Schrank, Anwalt in der Kanzlei Brandl & Talos. Der Scheich ließ bereits durchblicken, dass er sich bei zu langen Verzögerungen aus dem Geschäft zurückzieht. Bei der AUA ist man nervös. „Wir werden alles tun, um die Bedenken der Kleinaktionäre zu zerstreuen“, meint eine AUA-Sprecherin.
Alfred Ötsch betont zwar immer wieder, dass die 150 Millionen nicht lebenswichtig für die AUA sind. Viele sehen das aber anders. Airliner Niki Lauda: „Strategischer Partner ist der Scheich keiner. Wichtig ist, dass er das Geld einzahlt.“

Bezüglich der Spritkosten darf sich das Management der Nationalairline keine Entlastung erwarten. Einer Analyse von JBC Energy zufolge wird der Kerosin­preis den Höhenflug noch auf Jahre hinaus ­fortsetzen. Der deutsche Luftfahrtexperte Sven Maertens von der Universität Müns­ter folgert daraus: „Das Luftfahrtbusiness ist extrem konjunkturabhängig – vor allem kleinere, nur mäßig profitable Fluglinien werden bald wieder ins Minus rutschen.“ Auch die internationale Luftfahrtorganisation IATA hat für 2008 die Profiterwartungen für die europäischen Fluglinien nach unten revidiert. Nach den jüngsten Zahlen steigen auch im AUA-Aufsichtsrat die Zweifel, ob der Weg der Eigenständigkeit wirklich zum Erfolg führt.

Im Aufsichtsrat steigen die Zweifel an der Strategie. „Wir müssen jetzt sicher nicht panisch reagieren, aber die ein­geschlagene Strategie noch akribischer beobachten und, wenn nötig, korrigieren“, meint ein Kontrollor. ÖIAG-Chef Peter Michaelis, der Aufsichtsratspräsident, hat ja schon in den Verhandlungen mit Al Jaber auf eine Vereinbarung bestanden, dass der Investor wieder aussteigen muss, sollte die Staatsholding die AUA an eine andere Airline verkaufen. Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Ra­singer übt offene Kritik: „Immer nur die Eigenständigkeit betonen und weiterwurschteln wie bisher, das wird nicht funktionieren. Eigenständigkeit kann ich mir nur aus einer Position der Stärke heraus leisten.“ Fachleute wie Maertens argumentieren ebenfalls in diese Richtung: „In Zeiten, in denen die Märkte zunehmend liberalisiert werden und jede Airline fast überall starten und landen kann, werden nur die Großen überleben.“ Die kleineren Player werden nur mit einem starken Partner überleben, lautet der Tenor. Ein Blick in die Schweiz scheint das zu bestätigen. Die Swiss, einst pleite, ist seit drei Jahren Teil der Lufthansa und konnte zuletzt ihr Betriebs­ergebnis auf plus 362 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Von solchen Zahlen kann die AUA nicht einmal träumen.

Konsolidierung ist auch in den USA angesagt, wo die verlustträchtigen Air­lines Delta und Northwest zum größten Luftfahrtunternehmen der Welt fusionieren wollen. Vier kleinere US-Billiglinien flogen im letzten Monat in die Pleite. „Auch die AUA sollte den ständigen Dialog mit Kaufinteressenten suchen“, empfiehlt Maertens, „sonst könnte sie mittelfristig den Weg der Alitalia gehen.“ Eine Sichtweise, die Wilhelm Rasinger teilt: „Die AUA ist Richtung Süden unterwegs. So weit ist Italien nicht von Österreich entfernt.“ Auch Niki Lauda glaubt nicht, dass die Stand-alone-Variante funktionieren kann: „Auf jeden Fall dauert der rot-weiß-rote Weg länger und kostet viel mehr Geld. Der springende Punkt ist, wie lange ich mir mit der Sanierung Zeit lassen kann.“ Alfred Ötsch will den Kritikern trotzdem beweisen, dass die AUA ohne Partner überleben kann. Er hat sogar sein eigenes Schicksal als Manager damit verknüpft. Noch hat er die Rückendeckung der Regierung, vor allem von Finanz­minister Molterer und Kanzler Gusenbauer. Aber die politische Wetterlage kann auch schnell kippen, wie man weiß.

Von A. Kramer, A. Müller, A. Lampl

Kommentar
Ein nimmermüder Jubilar: trend-Autor Bernhard Ecker über Hannes Androsch, der eben 80 Jahre alt wurde.

Standpunkte

Hannes Androsch - Der Feind des Mittelmaßes

kika/Leiner-Mutter Steinhoff kämpft ums Überleben

Wirtschaft

kika/Leiner-Mutter Steinhoff kämpft ums Überleben

Lufthansa-Tochter Eurowings kündigt Koop mit Laudamotion

Wirtschaft

Lufthansa-Tochter Eurowings kündigt Koop mit Laudamotion