Studiengebühren zementieren die soziale Ungleichheit

Vor Beginn der Koalitionsverhandlungen: Die SPÖ will die 2000 eingeführten Studiengebühren rückgängig machen, die ÖVP ist dagegen.

Ein gesellschaftspolitisch höchst problematisches Kennzeichen des österreichischen Bildungswesens ist die starke soziale Selektion. Eine Hauptursache dafür liegt im Schulsystem (Stichworte: frühe Trennung in Hauptschule und AHS-Unterstufe, unzureichende Förderung). Die soziale Schieflage setzt sich auch im Universitätssektor fort: Kinder aus einkommensschwächeren und/oder bildungsfernen Schichten, zum Beispiel aus Arbeiterfamilien, sind deutlich unterrepräsentiert. Dazu beigetragen hat sicher auch die überfallsartige Einführung der Studiengebühren. Sie wurde unter anderem mit den Argumenten „mehr Verteilungsgerechtigkeit“ und „bessere Studienbedingungen“ verkauft.

Die Realität sieht freilich anders aus: Der versprochene Ausgleich über Stipendien ist nur in einem ungenügenden Ausmaß erfolgt. Unter den herrschenden Rahmenbedingungen sind Studiengebühren nicht nur eine finanzielle Belastung für einkommensschwache Studierende, sondern ein klares Abschreckungssignal. Mehr Verteilungsgerechtigkeit konnte bislang nicht erzielt werden.

Hinzu kommt, dass bei einer Arbeiterkammer-Umfrage aus dem Jahr 2004 mehr als ein Drittel der Befragten angibt, die Studiensituation sei schlechter als vor einem Jahr und drei Viertel Studiengebühren unter diesen Bedingungen ablehnen. Dies gilt vor allem für die so genannten Teilzeitstudierenden, die mehrheitlich aus weniger begüterten Schichten stammen und mit großen Problemen bei der Vereinbarkeit von Studium und Erwerbstätigkeit konfrontiert sind. Außerdem benachteiligen die Pauschalgebühren besonders berufstätige Studierende. Aufgrund des langsameren Studientempos infolge der Berufstätigkeit müssen sie bis zum akademischen Abschluss weit mehr zahlen als jene, die nur in den Sommerferien jobben.

Die Gebühren führten jedenfalls zu einer Ausweitung der studentischen Erwerbstätigkeit und erhöhtem finanziellem Druck.

Fazit: Studiengebühren fungieren derzeit lediglich als Instrument zur Zementierung sozialer Ungleichheiten.

Geld

Mieten wieder deutlich gestiegen

Uber droht Lizenzentzug in London

Wirtschaft

Uber droht Lizenzentzug in London

Antonella Mei-Pochtler

Wirtschaft

Wolford: Ex-Aufsichtsrätin Mei-Pochtler will übernehmen