Stromausfälle: Wie sicher ist Österreich?

Blackouts in Nordamerika und Europa: In Geisterstädten ohne Energie bricht das öffentliche Leben zusammen. Auch Österreichs Versorgung kann jederzeit zusammenbrechen.

Für die echten Pizzabäcker war es kein Problem, dass ganz Italien nach dem größten Blackout in der Landesgeschichte vergangenen Sonntag ohne Strom war. Im Gegenteil: Einheimische und Touristen drängten in die Lokale mit den traditionellen Holzöfen. In anderen Restaurants war ohne Strom der Ofen aus – gar nicht zu reden von Bahnhöfen und Flughäfen, wo Zehntausende festsaßen, von Krankenhäusern, wo Notstromaggregate auf höchsten Touren liefen, oder den Tiefkühlvitrinen, wo die Waren langsam auftauten.

Szenen wie in Italien sind mittlerweile vertraut. Eine unheimliche Serie von Mega-Stromausfällen versetzte Mitte August zuerst 50 Millionen Menschen in Nordamerika in Terrorpanik, ließ zwei Wochen später Hunderttausende Pendler in der Londoner U-Bahn festsitzen und legte erst am 23. September den Verkehr in Dänemark und Südschweden lahm. Dass die schwarze Serie geografisch immer näher an Österreich heranrückt, mag ebenso Zufall sein wie die Häufung der Ereignisse in den letzten Wochen – ein flächendeckender Zusammenbruch der Stromversorgung kann laut Experten aber auch hierzulande passieren.

Österreich im Sommer 2003 knapp vor Blackout. Tatsächlich ist Österreich in diesem Sommer nur um Haaresbreite einem möglicherweise fatalen Blackout entgangen. „Das System stand knapp vor dem Zusammenbruch und konnte nur durch eine radikale Trennung vom ungarischen und slowakischen Netz gerettet werden“, analysiert TU-Professor Günther Brauner die Aufzeichnungen des Vorfalls. Auslöser war ein Leitungsausfall zwischen Heviz (Ungarn) und Tumbri (Kroatien). Dadurch floss zusätzlich Strom in das österreichische Netz und führte zu einer akuten Überlastung. Obwohl die Versorgung in Österreich sehr zuverlässig ist und Stromausfälle eher selten vorkommen, gibt es nämlich im hochrangigen Leitungsnetz, den überregionalen Stromautobahnen, eine entscheidende Schwachstelle: Während in Ost-West-Richtung eine leistungsfähige 380-kV-Leitung ausreichende Kapazitäten sicherstellt, ruht die Nord-Süd-Verbindung auf drei alten 220-kV-Leitungen, die schon im Normalbetrieb chronisch überlastet sind.

„Fällt eine dieser Leitungen aus, brechen die anderen, völlig überlastet, wahrscheinlich auch weg“, warnt Heinz Kaupa, Vorstand der für das Hochspannungsnetz verantwortlichen Verbund Austrian Power Grid (APG). „Bei einem solchen Spannungszusammenbruch werden dann auch die Kraftwerke aus Sicherheitsgründen vom Netz getrennt“, beschreibt Brauner jenen „Kaskadeneffekt“, den etwa die Steuerungszentralen in den USA und Italien nicht in den Griff bekamen. Ob eine solche prekäre Situation stabilisiert werden kann oder zum großflächigen Blackout führt, hängt von vielen Faktoren ab – wie schnell Überkapazitäten umgeleitet werden, ob regionale Kraftwerke rasch ans Netz gehen können oder einfach davon, ob der Mann in der Steuerzentrale rechtzeitig beherzt einer kleineren Region den Saft abdreht, um das flächendeckende Netz zu retten. „Im konkreten Fall hätte es zu einem Ausfall in Kärnten und der Steiermark, aber auch zu einem Übergreifen auf das EVN-Netz in Niederösterreich kommen können“, so APG-Chef Kaupa.

Die Leitungsmisere ist auch deshalb so gravierend, weil sich die größten Erzeugungskapazitäten durch die Donaukraftwerke und modernen thermischen Kraftwerke im Norden befinden, der Verbrauch im Süden aber stärker wächst – etwa durch erfolgreiche Industrieansiedlungen wie den steirischen Automobilcluster. „Die Kapazität wurde nach dem Krieg für den damaligen Bedarf der obersteirischen Industrie ausgelegt“, weiß Thomas Krautzer von der steirischen Industriellenvereinigung, „die Region Graz und die Südsteiermark wurden ausgelassen.“ Doch während der Energieverbrauch in der Mur-Mürz-Furche in den 90er Jahren nicht zunahm, stieg er in dieser Zeit im Raum Graz um immerhin 34 Prozent an.

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PLUS: Schwachstellen im Netz: Wo die Blackout-Gefahr lauert
PLUS: Überlastung: Die Leitungen glühen schon längst

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