Stillstand in der Telekom

Nach dem gescheiterten Swisscom-Deal stehen der Finanzminister und die ÖIAG-Vorstände unter Dauerbeschuss. Die Opposition überlegt eine Ministerklage. Die Telekom Austria wird durch die geplante Ablöse ihres Chefs gelähmt.

Einen gewissen Sarkasmus konnte sich Heinz Sundt bei der Aufsichtsratssitzung der Telekom Austria vergangenen Montag nicht verkneifen. Viel könne er den Investoren bei den laufenden Roadshows nicht erzählen, weil er nicht wisse, ob er noch lange an Bord sei.

Während der Aufruhr nach dem gescheiterten Swisscom-Deal auf einen Höhepunkt bei der Nationalratssondersitzung am 31. August zusteuert, bringt die ÖIAG die Telekom Austria (TA) durch die ungelöste Vorstandsfrage in noch größere Schwierigkeiten. Der Konzern bleibt gelähmt.

Die Staatsholding verließ sich darauf, dass TA-General Sundt, 56, und Finanzvorstand Stefano Colombo, 43, nach Zusammenschluss mit den Schweizern wie abgemacht gehen müssen. Ein Alternativszenario fehlt offenbar. Sundt fordert nun „eine rasche Klärung. Eine solche Diskussion ist für ein Unternehmen schwer verdaubar.“ Die Verträge des vierköpfigen TA-Vorstands laufen im April 2005 aus. „In zivilisierten Gesellschaften wird so was ein Jahr zuvor entschieden“ (Sundt).

Diese Entscheidungsstärke hat die ÖIAG allerdings noch nicht bewiesen. In der Telekom ist die Verunsicherung am Höhepunkt. Aufsichtsratspräsident und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis kündigt für Ende September ein Meeting zum Thema TA-Führung an. Betriebsratschef Michael Kolek ätzt: „Er muss sich erst beim ÖIAG-Aufsichtsrat am 17. September seine Direktiven holen.“

Der Finanzminister will Heinz Sundt abgelöst sehen. Sowohl die ÖIAG-Chefs Michaelis und Rainer Wieltsch als auch Finanzminister Karl-Heinz Grasser wollen die Verträge von Sundt und Colombo nicht mehr verlängern. Die Signale aus dem Umfeld des Ministers sind glasklar. Das heiße Eisen anzupacken wurde aber bis dato gescheut.

Hinter den Kulissen geht es hoch her. Sundt hatte für seine Zustimmung zum Verkauf an die Swisscom im Gegenzug für seinen freiwilligen Rückzug drei Millionen Euro Abfindung verlangt. Der TA-Boss hätte bei den Schweizern nur noch einen Beraterjob bekommen (siehe Interview). Die noch nicht fix vereinbarte Summe ist zwar sehr üppig: runde vier Jahresgehälter (inklusive Bonus). Dass dieser Punkt aber nun als einer der Dealbreaker kolportiert wird, ist ein gezielter Schuss gegen Heinz Sundt. Schon Jörg Haider hatte angedroht, die Prämie politisch groß ausschlachten zu wollen.

Außerdem droht Sundt der Vorwurf, er hätte beim Abbruch der Swisscom-Verhandlungen die Börse vorab informieren und den Absturz der Aktie verhindern müssen, was sehr fragwürdig ist.

Aber Grasser, der vom „Neuanfang in der Telekom“ spricht, will den bürgerlichen Topmanager nach Möglichkeit vorzeitig ablösen lassen, noch bevor die ÖIAG weitere 17 Prozent TA-Anteil an der Börse platziert. Deshalb soll Sundt weichgeklopft werden. Ein Nachfolger ist allerdings nicht in Sicht.

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