Steigende Preise sind kein Glücksfall für die Bauern

„Die Ärmsten der Armen drohen bei steigenden Lebensmittelpreisen dem Hunger zu verfallen.“

Steigende Nahrungsmittelpreise treffen die Ärmsten der Armen besonders hart – sie drohen dem Hunger zu verfallen. Die ärmsten Menschen mussten bereits in der Vergangenheit bis zu 75 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Insbesondere Arme in den Städten, kleine Viehzüchter und Kleinbauern verfügen deshalb kaum über Ressourcen, auf die sie bei rasant steigenden Preisen zurückgreifen können. Einige haben argumentiert, dass die steigenden Lebensmittelpreise ein Glücksfall für die Bauern seien und die Produk­tion ankurbeln würden. Dies könnte sich langfristig bewahr­heiten, was ich sehr hoffe. Aber kurzfristig ist kaum ersichtlich, dass gerade die Kleinbauern in Entwicklungsländern von den Preissteigerungen profitieren. Stattdessen stehen sie zusätz­lichen Herausforderungen gegenüber: Sie produzieren nicht genug, um ihre Ernte nicht nur zu essen, sondern auch ver­kaufen zu können. Und ihre Kosten, beispielsweise für Düngemittel, sind auf mehr als das Dreifache gestiegen.

Gerade jetzt, wo die Zahl der Bedürftigen steigt, kann aber auch das UN World Food Programme (WFP) mit den gleichen finanziellen Mitteln erheblich weniger Nahrungsmittel kaufen als noch vor sechs Monaten. Die Kosten, die WFP heute am stärks­ten belasten, sind die stark steigenden Ausgaben für Lebensmittel und für Kraftstoffe. Wir versuchen, die Preissteigerungen auf vielen Wegen auszugleichen, indem wir beispielsweise achtzig Prozent unserer Einkäufe auf lokalen Märkten in Entwicklungsländern tätigen und lokale Transportunternehmen beauftragen. Trotzdem sind unsere Einkaufskosten für die entscheidenden Nahrungsmittel aber seit 2002 um siebzig Prozent und seit letztem Juni allein um vierzig Prozent gestiegen. Laut ersten Analysen fehlen uns deshalb aufgrund der Preissteigerungen für unsere Hilfsoperationen allein in diesem Jahr 500 Millionen Dollar. Daher werden wir spätestens im Juni gezwungen sein, Essensrationen dras­tisch zu kürzen – falls keine neuen Zuwendungen und Spenden für die Hungernden auf der Welt eintreffen.

Telekom Austria COO Alejandro Plater (li.) und CEO Thomas Arnoldner

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