Start vor 80 Jahren mit Oberösterreich-Anleihe

Pioneer-Fonds ist auch heute noch besser als der Index.

Eigentlich ist es gar nicht so schwer, Multimillionär zu werden. Man hätte nur vor 80 Jahren clevere Großeltern gebraucht, die 10.000 Dollar in den damals neu aufgelegten Pioneer-Fonds investier­ten. Die künftigen Generationen hätten allen Grund zur Dankbarkeit: Heute wären aus dem Start­kapital bereits 117 Millionen Dollar geworden.

Dabei hatte der Fondsgründer, der frühere Journalist Philip Carret, ziemliches Anfangspech. Er startete den Fonds am 13. Februar 1928, als das Aktienfieber kurz vor dem Höhepunkt stand. Anderthalb Jahre später, im Oktober 1929, führte der Schwarze Freitag zu einem Kursgemetzel und löste letztlich die Weltwirtschaftskrise aus. Der Pioneer-Fonds, der drittälteste Fonds Amerikas, konnte sich dem Crash nicht völlig entziehen, überlebte aber dank einer breiten Streuung des Kapitals auf solide Titel. So war schon im Ursprungsdepot Honeywell enthalten, ein späterer Pionier der Computer-Ära. Der Fonds hatte übrigens auch europäische Werte im Depot, darunter Karstadt und Pirelli. Sogar Österreich war vertreten, genauer gesagt eine sechsprozentige Oberösterreich-Anleihe mit Fälligkeit 1930.

Heute zählt der Fonds immer noch zu den Flaggschiffen für US-Aktien. Fondsmanager John Carey, der sein Handwerk einst noch beim Gründer Carret gelernt hat, kauft nach wie vor ganz konservativ Aktien, die nicht gleich beim ersten Börsensturm um­knicken. Dazu gehören aktuell Titel
wie der Rohstoffkonzern Rio Tinto, der Landmaschinenerzeuger Deere und der Ölgigant Exxon Mobile (dessen Vorgängeraktie Standard Oil schon 1928 im Fonds lag). Und wie damals gibt es auch einige europäische Beimischungen wie Nokia oder das niederländische Medienhaus Reed Elsevier. Auch wenn in Österreich aus rechtlichen Gründen nicht mehr der Ursprungs­-fonds, sondern der gleichartig konstruierte „Pioneer Fund – US Pioneer Fund“ (ISIN LU0133643469) verkauft wird, hat sich an der Qualität des Produkts nichts geändert. In den vergangenen drei Jahren erzielte der Fonds auf Eurobasis einen Durchschnittsertrag von 5,2 Prozent, was immerhin vier Prozent besser ist als der US-Vergleichsindex S & P 500.

Diese 5,2 Prozent liegen nicht zuletzt wegen des letztlich schwachen Dollars deutlich unter den Renditen von Europa-Aktien. Und die US-Hypotheken­krise ist nicht gerade eine Einladung, gerade jetzt in den USA zu investieren. Trotzdem gibt es gute Argumente, dies gerade jetzt zu tun. Erstens dürfte der Dollar-Fall vorerst ausgestanden sein. Zweitens beweist die Wall Street gerade in Krisenzeiten Stabilität: In den vergangenen 12 Monaten fiel der Dow Jones 2,2 Prozent, das europäische Gegenstück, der Stoxx 50, dagegen 15,7 Prozent. Und drittens will man sich später nicht von den Enkeln eine verpasste Chance vorhalten lassen.

Peter Pelinka

Nationalratswahl 2017

SPÖ: Vorwärts zu den nächsten Fehlern?

Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller: "Diesel-Skandal, ein Weckruf"

Wirtschaft

VW-Konzernchef Müller: "Der Diesel-Skandal war ein Weckruf"

Stil

Sterben war gestern: Ist Altern besiegbar wie die Pest?