Staatsbildungen auf ethnischer Grundlage

„Es wäre eine reine Illusion, wenn sich mit der Un­­ab­hängigkeit auch alle Probleme auflösten.“

Ja, es kann eine Vorbildwirkung geben – zumindest als Argumentationshilfe für separatistische Tendenzen, auch wenn diese (von den Basken über Transnistrien bis zu Tschetschenien) nur bedingt vergleichbar sind. Im Fall Kosovo handelt es sich im Grunde um den letzten Akt des Zerfalls Jugoslawiens – nach Vertreibungen und Krieg 1998/1999 ohne realistische Alternative. Eine Rückkehr des Kosovo unter serbische Hoheit wäre zudem für Serbien sowohl international wie auch innenpolitisch und wirtschaftlich-sozial so gut wie un­­bewältigbar; und ohne jede Aussicht auf Befriedung des ­ethnischen Konflikts. Es wäre überdies eine reine Illusion,
mit der Unabhängigkeit würden sich alle Probleme auflösen. Sie werden bestenfalls eingefroren.

Während immer klarer wird, dass die drängendsten wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Probleme nicht mehr nationalstaatlich, sondern bestenfalls „übernational“ ange­gangen werden können, sind wir mit neuen „Nationalstaats“-Tendenzen konfrontiert, zumeist auf Basis ethnischer Konflikte, ohne diese zu lösen. Der Kosovo ist das beste Beispiel: Der serbisch besiedelte Norden droht sich abzuspalten, das Über­leben der serbischen Enklaven im Süden ist alles andere als gesichert. Ganz abgesehen von der drohenden „toten“ Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo mit allen politischen und wirtschaftlichen Langzeitfolgen.

Es bleibt also auch aus dem Beispiel Kosovo nur folgende Konsequenz zu ziehen: Staatsbildungen nach strikt ethnischer Grenzziehung lösen nichts. Das normale Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Ethnien innerhalb gemeinsamer staat­licher Grenzen auf demokratisch-grundrechtlicher Basis bleibt einzige sinnvolle Perspektive: Kosovos Eigenständigkeit mag eine unvermeid­liche politische Notwendigkeit sein. Letztlich kann die Zukunft von Serben und Albanern nur im Abbau nationaler Vorurteile und der Überwindung nationalstaatlicher Hürden liegen, also in einer Normalisierung des Zusammen­lebens im Rahmen eines gemeinsamen Weges nach Europa. Diese Perspektive gilt es zu verfolgen. Was übrigens für alle Staaten Europas gilt, ob neu oder alt.

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