Staat soll nur im Bedarfsfall unterstützen

„Würde der Staat Banken retten, wäre das die idea­le Voraus­setz­ung für die nächste Krise.“

Eine zentrale Aufgabe von Banken ist es, die Wirtschaft mit Liquidität zu versorgen. Gerät eine große Bank oder der gesamte Sektor in finanzielle Schwierigkeiten, so wird diese Aufgabe nicht mehr adäquat erfüllt. Unternehmen und Private erhalten schlechteren oder gar keinen Zugang zu Kreditfinanzierungen, und das Vertrauen der Anleger in die Stabilität des Bankensystems nimmt ab. Diese „negativen Externalitäten“ sind das wichtigste wirtschaftswissenschaftliche Argument für ein staatliches Eingreifen bei einer Bankenkrise. Würde die Politik tatsächlich in vorhersehbarer Weise Banken aus der Misere retten, dann wäre das allerdings die ideale Voraussetzung für die nächste Krise. Das wichtigste Regulativ, das Banken daran hindert, überhöhte Risiken einzugehen, ist nämlich die Disziplinierung durch die Marktteilnehmer, mit denen die Bank in Geschäftsbeziehungen steht. Banken werden ihre Risiken mit Bedacht wählen und begrenzen, wenn sie ­wissen, dass sie für höhere Risiken über erhöhte Kapitalkosten bezahlen müssen. Das ist dann der Fall, wenn die Marktteilnehmer wissen, dass ihnen bei einem Bankenausfall Kosten entstehen.

Zugegeben, die beste aller Welten wäre es, wenn die Politik ex ante glaubhaft allen Marktteilnehmern versichern ­könnte: „Wir werden niemals eine Bankenkrise mit Steuer­geldern lösen“, um dann, wenn es doch zu einer Krise
kommt, das Gegenteil zu tun. Leider ist davon auszugehen, dass die pro­fessionellen Marktteilnehmer nicht hinrei­chend naiv sind, um eine solche Politik nicht zu durchschauen. Sie würden ihr Handeln darauf einstellen, dass Banken mit Steuergeldern gerettet werden. Sie wären bereit, Kapital für riskante Investitionen billig zur Verfügung zu stellen, da Gewinne privatisiert, die Verluste aber sozialisiert würden. In einer solchen Situation ist es wesentlich besser, die kathartische Wirkung einer Bankenkrise zuzulassen, auch wenn dadurch temporär Illiquiditäts­kosten entstehen.

Peter Pelinka

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