Soziale Problematik umfassender diskutieren!

Vor Beginn der Koalitionsverhandlungen: Die SPÖ will die 2000 eingeführten Studiengebühren rückgängig machen, die ÖVP ist dagegen.

Den Universitäten geht es bei der Gebührenfrage zunächst darum, einen allfälligen Einnahmenentfall durch Abschaffung der Gebühren ersetzt zu erhalten. Konkret wäre der einzelnen Universität das bisherige Aufkommen an Gebühren zu ersetzen. Eine bloß pauschale Erhöhung des Universitätsbudgets würde wichtige Lenkungsaspekte bei der Hochschulfinanzierung außer Acht lassen.

Bildungspolitisch sind bei der Gebührenfrage Effizienzeffekte und soziale Gesichtspunkte zu bedenken. Zweifellos dienen Gebühren dem Effizienzziel, indem sie zum Beispiel Anreize zu kürzerem, mehr ernsthaftem Studium setzen, „Scheinstudierende“ werden abgeschreckt etc.

Dagegen sind soziale Aspekte abzuwägen. Gebühren könnten sozial Schwächere vom Studium abhalten. Diese Gefahr ist im Alltagsleben nicht von der Hand zu weisen, wenngleich die empirische Evidenz zeigt, dass sich die soziale Schichtung der Studierenden in Österreich mit und ohne Gebühren langfristig kaum verändert hat. Und auch das Wachstum der Studierendenzahlen wurde durch die Einführung der Gebühren nicht nachhaltig gebremst.

Doch das soziale Argument sollte nicht allzu rasch vom Tisch gewischt werden. Die Abschaffung der Gebühren wäre ein Signal für das Bemühen, einkommensschwächere Schichten an die Unis zu bringen. Für einen solchen Plan gibt es allerdings stärker wirkende Hebel: An erster Stelle behindert der selektive Charakter des Sekundarschulsystems den Zugang so genannter bildungsferner Schichten zu den Unis. Weiters sind die Lebenshaltungskosten eines/r Studierenden weit größer als die Studiengebühren.

Eine Ausweitung der Stipendien, die Anerkennung eines Teilzeitstatus beim Studium oder ähnliche Maßnahmen wären daher sozial treffsicherer als eine pauschale Abschaffung der Gebühren. Statt sich an der Gebührenfrage isoliert festzubeißen, sollten vielmehr die sozialen Aspekte des Hochschulzugangs insgesamt diskutiert werden.

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