Sonntagsöffnung ja – aber nur an Orten mit Bedarf

Der Streit um die Sonntagsöffnung ist mehr als ein Ladenhüter: In den Nachbarstaaten im Osten ist der Shopping-Sonntag längst Realität.

In Österreich gibt es weit mehr als hundert verschiedene Regelungen auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene, die sich mit der Ladenöffnung befassen. Skurriles wird hier geregelt: Die Erlaubnis für Süßwarengeschäfte in der Steiermark, 84,5 Wochenstunden aufzusperren, beziehungsweise die Öffnungserlaubnis für Geschäfte während des Weinfestes in Gumpoldskirchen mögen hier nur als Beispiel dienen.

Ein wesentliches Element der Begegnung, der Kommunikation zwischen Händler und Kunde ist das geöffnete Geschäft. Nicht umsonst ist ja die Rede von „den Laden dicht machen“. Der Handelsverband fordert daher vom Gesetzgeber die Einrichtung einer Rahmenöffnungszeit von 96 Stunden. Die Sozialpartner sind aufgerufen, lohn- und gehaltsrechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein nachhaltiges Wirtschaften im Einzelhandel ermöglichen.

Die Alternativen sind ein massiver Abfluss der Kaufkraft in die Nachbarländer: Deutschland hat wesent-lich liberalere Ladenschlussgesetze, Tschechien, Ungarn und die Slowakei haben gar keine. Auch die österreichischen Händler wollen „die Läden nicht dicht machen“!

Die Debatte um die Sonntagsöffnung dient Befürwortern und Gegnern nur als Vernebelungsstrategie: Ist sie für die einen der „Gottseibeiuns“ eines (angeblich) erstarkenden Neoliberalismus – siehe dazu die zum x-ten Mal beschworene Ablehnung der Sonntagsöffnung durch die Sozialpartner anlässlich des Kollektivvertragsabschlusses Handel –, so ist sie für die anderen der allein selig machende Umsatzwachstumspfad.
Sonntagsöffnung ja – aber angesichts der kulturellen Bedeutung nur an touristisch bedeutsamen Plätzen und solchen des begründbaren, erhöhten Bedarfs. Viel wichtiger sind die den Bedürfnissen des modernen Menschen angepassten, wesentlich erweiterten Wochenöffnungszeiten.

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