Siemens-General Hochleitner schießt jetzt gegen die ÖIAG.

Format: Eine Woche ist seit dem Scheitern des VA-Tech-Deals vergangen. Wie sehr beschäftigt Sie das Thema noch? Hochleitner: Wir hatten wenig später eine sehr schöne 125-Jahr-Jubiläumsfeier. Die hat das Vergessen erleichtert. Natürlich denke ich noch daran, weil wir viel Arbeit in dieses Projekt steckten.

Format: Warum ist Siemens bei der VA Tech wirklich gescheitert?
Hochleitner: Begonnen hat es mit dem Interesse von Siemens Österreich an der Elin, das ist bekannt. Dann stellte sich heraus, dass unser Stammhaus am Bereich T&D und auch am Industrieanlagenbau interessiert ist. Stellt man in Rechnung, dass wir mit einem Umsatzvolumen von fast vier Milliarden Euro 80 Prozent der VA Tech mit 3,3 Milliarden Umsatz zu integrieren gehabt hätten, wird klar, dass eine solche Übernahme komplex ist. Die österreichischen Rahmenbedingungen boten dafür zu wenig Zeit.
Format: Sie mussten auch mit Großaktionär Mirko Kovats reden?
Hochleitner: Er war unser potenzieller Partner.
Format: Können Sie gut mit ihm?
Hochleitner: Ich kenne ihn als verlässlich und halte vieles, was über ihn gesagt wird, für Dämonisierung.
Format: Wann ging die Sache hoch?
Hochleitner: Am 6. August berichtete FORMAT über Pläne von Siemens bei der VA Tech. Seitdem saß uns die Übernahmekommission im Nacken, und wir gerieten unter Zeitdruck. Ein so komplexer Deal wäre aber nicht schneller zu machen gewesen.
Format: Die ÖIAG spricht von mangelnder Vorbereitung seitens Siemens.
Hochleitner: Der ÖIAG-Vorstand soll uns nicht sagen, was wir falsch gemacht haben, sondern sich das selbst fragen.
Format: Ihr Vorwurf an die ÖIAG?
Hochleitner: Sie hätte sagen können: Warten wir, ob ein Angebot von Siemens kommt und wie es aussieht. Stattdessen ließen sie Vorstand und Betriebsrat der VA Tech blindwütig gegen uns agieren.
Format: Die ÖIAG meint, sie hätte österreichische Interessen verteidigt.
Hochleitner: Eine knieweiche Formulierung. Was sind denn österreichische Interessen? Ein starker internationaler Partner? Ein österreichischer Kernaktionär? Gar nicht verkaufen?
Format: Wieso haben Sie nicht versucht, den VA-Tech-Vorstand einzubinden?
Hochleitner: Erstens hätten wir auch das sofort der Übernahmekommission melden müssen. Zweitens hat der Vorstand andere Interessen, es wäre auf jeden Fall Gegenwind gekommen. So naiv kann die ÖIAG nicht sein. Es wäre doch schwierig gewesen, mit einem VA-Tech-Chef Klaus Sernetz zu reden, der nach einem Deal diese Position nicht mehr gehabt hätte. Das hat im Übrigen nichts mit dessen Qualität zu tun.
Format: Mit niemandem zu reden war auch nicht zielführend.
Hochleitner: Die ÖIAG war über unser Interesse bestens informiert. Wir wurden ständig angegriffen, durften aber nicht widersprechen oder Details nennen, weil sonst der Deal endgültig an der Übernahmekommission gescheitert wäre. Es ging mir in dieser Situation ziemlich übel.
Format: Siemens gilt als politisch exzellent verankert. Hat Sie die glatte Ablehnung aus der Politik geärgert?
Hochleitner: Das waren politische Reflexe, die ich verstehe. Politiker haben andere Zugänge, wenn laut über Tausende verlorene Jobs polemisiert wird. Aber die ÖIAG hätte moderieren können, dann hätte auch die Politik anders reagiert.
Format: Der Finanzminister wollte die VA Tech gegen Siemens schützen?
Hochleitner: Es gab ein paar unnötige Reaktionen. Auch der Herr Dr. Gusenbauer wird mir noch erklären müssen, warum ihm bei Siemens kalte Schauer über den Rücken laufen.
Format: Könnte der politische Widerstand mit der Schadenersatzklage gegen die Republik wegen des gestoppten Adonis-Funkprojekts zusammenhängen?
Hochleitner: Das glaube ich nicht. Dass ein Schaden von 180 Millionen Euro nicht widerspruchslos hingenommen werden kann, wird jeder verstehen.
Format: Wie beurteilen Sie denn generell die aktuelle Privatisierungspolitik?
Hochleitner: Dass es schlecht läuft, ist ja evident. Die Dinge sind nicht klar strukturiert. Man muss vorher überlegen, was man genau will, und danach handeln. Verkaufen ja, aber keinen Einfluss verlieren, das funktioniert nicht. Im Fall der VA Tech hält die ÖIAG 15 Prozent: Da wedelt der Schwanz mit dem Hund.
Format: Und die sonstige Wirtschaftspolitik der Regierung?
Hochleitner: Für den Wirtschaftsstandort wichtig ist die Förderung von Forschung und Entwicklung, die Senkung der KöSt und die Regeln für die Gruppenbesteuerung. Da läuft es in die richtige Richtung.
Format: Wie stark ist Siemens noch von Staatsaufträgen abhängig?
Hochleitner: Der Anteil der staatlichen Aufträge an unserem Umsatz liegt im einstelligen Prozentbereich.
Format: Im Nachhinein gefragt: Wie wäre denn das mit der Zerschlagung der VA Tech gewesen?
Hochleitner: Was heißt Zerschlagung? Die VA Tech ist kein gewachsenes Unternehmen. Die wurde vor zwölf Jahren „zusammengeschustert“, ist ein „Sammelsurium“ von Aktivitäten. Die Interaktion zwischen den vier Sparten ist sehr gering. Die Teile wären an natürlichen Nähten getrennt worden.
Format: Das war Ihre Absicht?
Hochleitner: Selbstverständlich wollten wir die VA Tech nicht in ihrer derzeitigen Form weiterführen. Das regionale Geschäft der Elin wollten wir von Österreich aus führen. T&D wäre ins Stammhaus integriert worden. Aber jeder Bereich hätte eine gute Zukunft gehabt. Arbeitsplätze wären mittelfristig nicht über notwendige Produktivitätsanpassungen hinaus verloren gegangen.

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