Sicher vor Einbrechern. Pro Tag gibt es 50 Einbrüche – Tendenz: stark steigend

Die Idylle der Familie Schell war perfekt. In einer noblen Gegend des 19. Wiener Gemeindebezirks kaufte Vater Günther Schell vor 15 Jahren eine Villa mit großem Garten. Ein schönes Refugium – auch für die beiden Töchter. Doch seit einiger Zeit wird das Familienleben durch eine Einbruchsserie getrübt. Bereits dreimal wurde in den vergangenen zwei Jahren in das Haus eingebrochen.

Einmal wurde das 190 Quadratmeter große Haus sogar ausgeräumt, als die beiden Töchter allein zuhause waren. „Sie spielten gerade im oberen Stock, als der Einbrecher ins Haus eindrang“, erzählt Vater Schell. Den Mädchen ist zum Glück nichts passiert – Täter und Einbruchsopfer bemerkten einander gar nicht.

Seither ist das Haus ein Hochsicherheitstrakt: Neben einer hochtechnischen Alarmanlage wurden auch verstärkte Türen, unüberwindbare Schlösser, Bewegungsmelder, Fensterschutz, Gitter und Videoapparate zugekauft. Zudem gibt es auch ein direktes Meldesystem zur Polizei. Insgesamt betrugen die Kosten knapp 14.000 Euro. Schell: „Es ist zwar viel Geld, aber ich will nicht ständig an einen Einbrecher denken, wenn ich die Tür aufsperre.“

70 Millionen Euro Schaden durch Einbrüche. Die wirtschaftlichen Schäden durch Wohnungsknacker sind verheerend: Im Vorjahr gab es allein 17.461 Wohnungs- und Hauseinbrüche. Das entspricht einer Steigerung von 69 Prozent gegenüber 2003. In Wien sind die Einbrüche im Vergleich zu 2002 sogar um 150 Prozent angestiegen. Und die Täter werden immer professioneller. In den 70er Jahren lag der Aufwand pro Einbruchsfall für die Versicherungen bei knapp 600 Euro. Jetzt liegt er bei 5.000 Euro. Der durch Wohnungsaufbrüche verursachte Schaden beträgt mehr als 70 Millionen Euro. Gerhard Bernard, Chef der Abteilung Schaden bei der Allianz Versicherung: „Die Situation ist für uns Versicherungen ein heißes Thema. Allein bei der Allianz ist die Schadenshöhe durch Einbruchsfälle im Vorjahr auf 7,3 Millionen Euro angestiegen.“ Zwar haben die Zahlen des ersten Quartals 2005 in der Kriminalstatistik leichte Rückgänge verzeichnet, was aber den Betroffenen wenig hilft.
Wie wichtig Sicherheit für den Einzelnen ist, hängt auch vom Wohnort ab. Die meisten strafbaren Handlungen finden in den Ballungsräumen statt. Wien steht dabei mit 13.121 Vermögensdelikten pro hunderttausend Einwohner am unrühmlichen Platz eins – mit anderen Worten: Jeder achte Wiener wurde Opfer von Einbruch, Autoaufbruch oder Diebstahl. Ebenfalls unsichere Gebiete sind die Stadt Salzburg, Innsbruck und der Bereich von Wien-Umgebung und Mödling in Niederösterreich. In Wien passieren die meisten Vergehen in der Inneren Stadt – dort erwarten Ganoven die dicksten Fänge. Dicht dahinter liegen die Bezirke Favoriten und Donaustadt. Die beliebtesten Ziele der Langfinger sind Büro- und Geschäftsräumlichkeiten. Darauf folgen Einbrüche in Wohnungen und Einfamilienhäuser. Ebenso gefragt sind Sommerresidenzen und lange leerstehende Zweithäuser.
Angesichts der steigenden Kriminalität ist die Polizei alarmiert. Herwig Haidinger, Chef des Bundeskriminalamts (BKA): „Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen in Wohnungen und Einfamilienhäusern machen es Einbrechern einfach zu leicht. Wir müssen dringend raten, mehr in den persönlichen Schutz zu investieren.“ Denn schon von außen klar erkennbare Abwehrmaßnahmen reduzieren das Risiko beträchtlich.
Laut einer Studie von der Uni Graz lassen sich 70 Prozent der potenziellen Einbrecher von Alarmanlagen einschüchtern – egal ob mit lauten Alarmsirenen oder einer Direktverbindung zur Polizei. Die Täter haben es nämlich immer eiliger. Uniqa-Experte Werner Mayer: „Eine besonders starke Zunahme sehen wir bei Blitzeinbrüchen, bei denen die Täter schon nach ein bis zwei Minuten wieder weg sind. Nach dem Türaufbruch wird nur das auf den ersten Blick Wertvollste mitgenommen.“ Das gilt auch für Unternehmen. Waren es früher vor allem Trafiken und Elektrohändler, trifft es heute alle Branchen. Die wichtigste Abwehrstrategie potenzieller Opfer: Jede Zeitverzögerung hilft, die Gauner abzuschrecken oder wenigstens die Suche nach wertvollen Stücken zu erschweren.

Sicherheitstüren, Alarmanlagen und Co. Dementsprechend sind die Anfragen nach Sicherheitstüren, Alarmsystemen und Safes sprunghaft angestiegen. Willibald Paschen, Geschäftsführer des Wiener Alarmanlagenspezialisten Elektro-Gorgo: „Vor zwei Jahren hatten wir drei Anfragen pro Woche. Jetzt sind es mehr als zehn.“ Oft allerdings erst, wenn bereits etwas passiert ist.
Durch ein paar kleine Investitionen in die Sicherheit kann einiges erreicht werden. „Die erste Waffe gegen Einbrecher ist die Tür“, erklärt Ewald Kronawitter vom bundespolizeilichen Beratungsdienst. „Die Täter wollen nicht viel Energie verschwenden und drehen deshalb rasch ab, wenn das Öffnen der Tür mehr als fünf Minuten benötigt.“ Doch nur allzu oft sind diese Einrichtungen mehr als mangelhaft. Nur zehn Prozent aller Österreicher besitzen Sicherheitstüren. Die Hälfte hat Schlösser, die herausragen und von außen leicht aufzuhebeln sind.
Das Ergebnis eines vor kurzem in Wien durchgeführten Tests zeigt ein ähnliches Ergebnis: Das Institut für technische Sicherheit (ITS) hat 201 Wohnungstüren in Wien auf ihre einbruchshemmende Wirkung getestet. Das Ergebnis: Bei 20 Prozent war die Tür binnen kürzester Zeit und ohne Aufwand zu öffnen. ITS-Chef Bernhard Noll: „Das ist nahezu eine Aufforderung zum Einbruch.“

Die ganze Story finden Sie im neuen FORMAT

Wirtschaft

Die 6 Fakten zum Ölpreis nach dem OPEC-Treffen

Digital

IT-Sicherheit: Österreichs Unternehmen hinken hinterher

Kommentar
trend Chefredakteur Andreas Lampl

Standpunkte

Andreas Lampl: Der Lockruf des Geldes