Sensationsjournalismus in der Wissenschaft

Zwei Topmediziner sorgten mit ihrem medialen Werbefeldzug für ein „Wundermittel“ gegen Krebs für Aufregung. Einer von ihnen, Johannes Huber, stellt sich Kritikern.

In der Diskussion rund um die „Wunderwaffe gegen Krebs“ spielt ein ganz wesentlicher Aspekt eine Rolle: Es entspricht – ungeachtet individueller Wechselbeziehungen zwischen Medien und der Medizin – guter wissenschaftlicher Praxis, nur solche Informationen nach außen zu geben, die dem tatsächlichen Stand des Wissens entsprechen. Wissen in der medizinischen Forschung resultiert aber schon lange nicht mehr aus anekdotischen Beobachtungen, sondern aus der statistisch gesicherten, d. h. aus großen Patientenkollektiven gewonnenen Erkenntnis. Man spricht in diesem Sinne von „evidenzbasierter“ Medizin.
Die ärztliche Kunst liegt darin, für jeden Patienten den richtigen Weg zu finden zwischen evidenzbasierter Medizin und der Behandlung des Individuums „Patient“, d. h., das Ziel jedes Arztes muss die Heilung von Kranken – und keinesfalls von Krankheiten – bleiben.

Evidenzbasierte Medizin wiederum ist nur möglich, wenn aufgrund der Deklaration von Helsinki – und der auf ihr aufbauenden Folgedeklarationen – klinische Studien vor ihrer Durchführung einer genauen ethischen Prüfung durch an jeder großen Krankenanstalt eingerichtete Ethikkommissionen unterliegen. Denn der zu erwartende wissenschaftliche Neuwert einer Studie muss in angemessener Relation zur Sicherheit und Würde der Patienten stehen, die freiwillig, nach schriftlicher Aufklärung und persönlicher Einwilligung, sich bereit erklären, an klinischen Studien teilzunehmen.

Wenn solche unter Einhaltung medizinischer, wissenschaftlicher und ethischer Standards gewonnenen Erkenntnisse in Medien aller Art gefeiert werden, so freut uns das alle sehr, denn ohne diese Partnerschaft könnten beide – Medien und Medizin – nicht die Information, die es zu berichten gilt, an die Menschen heranbringen. Die auf solcher Basis einer breiten Öffentlichkeit mitgeteilten Erkenntnisse definieren aber letztlich auch deren Stellenwert innerhalb der Gesellschaft. Wer sich außerhalb dieses Regelwerks bewegt, kann der Wissenschaft und der Medizin kaum größeren Schaden zufügen.

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