Selbstvermarktung endet, wo Verunsicherung beginnt

Zwei Topmediziner sorgten mit ihrem medialen Werbefeldzug für ein „Wundermittel“ gegen Krebs für Aufregung. Einer von ihnen, Johannes Huber, stellt sich Kritikern.

Österreich hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt und gerade bei der Behandlung von Krebspatienten Vorbildfunktion für viele andere Länder Europas. Unabhängig von Alter, sozialer Stellung und Einkommen stehen allen ÖsterreicherInnen dieselben erstklassigen medizinischen Leistungen zur Verfügung. Eine offene Kommunikation über Innovationen, Information für Patienten und universitäre Kooperationen mit der Privatwirtschaft sind wichtige Faktoren, um die F&E-Quote im medizinischen Bereich weiter auszubauen.

Als Ärztin endet für mich die Selbstvermarktung der Medizin jedoch da, wo die Verunsicherung kranker Menschen und deren Angehöriger beginnt. Gerade die Expertendiskussion der letzten Tage über die Stammzellentherapie wurde oft nicht mit der notwendigen Seriosität geführt und hat damit der wissenschaftlichen Grundlagenforschung auf diesem Gebiet keinen Dienst erwiesen. Vielmehr wurden Krebspatienten falsche Hoffnungen auf eine Heilung gemacht, sie bekamen den Eindruck, ihnen würde eine wirksame Therapie, ein „Wundermittel“, vorenthalten.

Tatsächlich kommt die Stammzellentherapie derzeit im Bereich klinischer Studien nur für eine sehr kleine Patientengruppe infrage. Keinesfalls handelt es sich also um eine ausgereifte Therapie, die dementsprechend „evidence based“ ist. Erste Teilerfolge zeigen aber, wie wichtig die Forschung in diesem Bereich ist, und ich bin sehr stolz, auch hier Österreich in einer führenden Position zu sehen.

Dennoch dürfen die Krebsforschung und die Hoffungen Tausender Menschen nicht von Partikularinteressen beeinflusst werden. Das geltende Ärztegesetz gibt ganz klar Werbeeinschränkungen für Mediziner vor, deren Nichteinhaltung mit Disziplinarmaßnahmen geahndet wird. Ebenfalls zwingend notwendig ist eine journalistische Aufarbeitung komplexer Themen in verständlicher und dennoch seriöser Weise – vereinfachend, aber nicht verfälschend. Nur so ist sichergestellt, dass Patienten informiert und nicht verunsichert werden.

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