Schwarzgeld: Steuer-Oase Österreich

Ab 1. April verschärft die deutsche Steuerfahndung ihre Methoden. Jetzt bringen deutsche Bürger Milliarden Euro nach Österreich. Hier droht Steuersündern, auch Inländern, wenig Gefahr.

Was bewegt wohl einen Deutschen, alle paar Wochen sein anonymes Wertkartenhandy an den nächsten Obdachlosen zu verschenken? Die richtige Antwort: Er will die Gespräche mit seiner Privatbank in Wien auf keinen Fall auffliegen lassen. Falls die deutsche Steuerfahndung doch einmal ein Telefonat auffängt und das Gerät ortet, findet sie nur noch einen Sandler im Park.

Das ist keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme. Der deutsche Fiskus schreckt bei der Suche nach Schwarzgeld nämlich vor fast nichts zurück. Die neueste Waffe: der gläserne Bürger. Ab 1. April haben deutsche Steuerbeamte Zugriff auf eine zentrale Datenbank mit allen Konten in Deutschland. Dann kann ein Finanzer selbst ohne konkreten Verdacht nachschauen, wo irgendein Bürger sein Geld bunkert.

400 Milliarden Euro Schwarzgeld wird der Fiskus trotzdem nicht finden – sie sind längst ins Ausland geschafft worden. Dieter Ondracek, Vorsitzender der deutschen Steuergewerkschaft und Präsident der Europäischen Steuerbeamten: „Nach unseren Schätzungen liegen davon 50 Milliarden bei österreichischen Banken. Und jährlich fließen weitere vier bis fünf Milliarden dorthin.“ Österreich ist damit nicht nur die drittbeliebteste Schwarzgeldoase, sondern baut seinen Marktanteil weiter aus, weil die Konkurrenten ins Visier der bundesdeutschen Finanzbehörden geraten sind.

So hat die deutsche Steuerfahndung bereits Tausende Luxemburger Konten auffliegen lassen und filzt an der Schengen-Außengrenze zur Schweiz Durchreisende mit entsprechenden Limousinen. Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Capital Bank: „Ein Schweizer Banker hat mir erzählt, dass er bei einer Fahrt nach Deutschland dem Zoll sämtliche Visitenkarten zum Kopieren übergeben musste. Anschließend blieb ihm nichts anderes übrig, als jeden deutschen Kunden anzurufen und zur Selbstanzeige zu raten.“

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