"Schuld an Insolvenz ist deutsche Mutter":
Quelle-Österreich-Chef im FORMAT-Gespräch

Der Quelle-Österreich-Chef über die Altlasten, die das deutsche Versandhaus in die Pleite führten.

FORMAT: Herr Binder, Quelle wird vorgeworfen, sich zu wenig auf den Internet-Handel konzentriert zu haben. Ist das die Hauptursache für die Insolvenz?
Binder: Quelle Österreich hat diesen Fehler sicher nicht begangen. Im Gegenteil. Wir hatten insgesamt betrachtet tadellose Betriebsergebnisse. Dass wir in die Insolvenz geschlittert sind, liegt am fehlenden Geschäftsmodell der deutschen Muttergesellschaft. In Österreich sind wir nach Amazon der zweitgrößte Internet-Händler. In Österreich ist die Strategie sogar sehr gut aufgegangen.

"Schwere Sünden in weiter Vergangenheit"
FORMAT: Kritiker meinen aber, man hätte mehr auf den Internet-Handel setzen müssen …
Binder: Wir hatten im E-Commerce enorme Wachstumsraten, in den vergangenen Jahren zwischen zwanzig und dreißig Prozent. Der Internet-Handel hatte zuletzt mehr als dreißig Prozent des Gesamtumsatzes ausgemacht. Uns jetzt vorzuwerfen, in diesem Bereich zu wenig gemacht zu haben, ist Unfug.
FORMAT: Welche Ursachen führten also zur Pleite?
Binder: Wie Sie wissen, bin ich seit Anfang April 2009 als Geschäftsführer der Quelle GmbH Deutschland auch für die internationalen Geschäfte des Unternehmens zuständig. Ich habe mir in der Zeit seit meinem Amtsantritt natürlich Zugang zu allen Büchern verschafft. Da habe ich festgestellt, dass schon in weiter Vergangenheit schwere Sünden begangen wurden. Ich will keine Namen nennen oder nach Schuldigen suchen, aber es sind Dinge passiert, die das Unternehmen nachhaltig belastet haben. Zum Beispiel fehlende Strukturanpassungen. Die Kunden wurden auch auf bestimmte Neuerungen nicht vorbereitet. Die Marktverarbeitung hat nicht funktioniert. Es gab auch andere Gründe.

"Insolvenz ist für mich ein herber Rückschlag"
FORMAT: Wie geht es nun weiter?
Binder: Wenn ich das nur wüsste. Ich werde mir genauso wie alle anderen Quelle-Mitarbeiter einen neuen Job suchen müssen. Lustig ist die Sache für niemanden. Keine Frage, für mich persönlich ist die Quelle-Insolvenz ein herber Rückschlag.
FORMAT: Wie ist die Stimmung unter den Quelle-Mitarbeitern?
Binder: Es gibt einen Quelle-Spirit, so nennen wir es intern, und der ist nach wie vor ungebrochen. Die Mitarbeiter sind natürlich bedrückt und verunsichert. Viele wissen nicht, wie es weitergehen soll. Aber sie werden es schaffen und neue Wege finden.
FORMAT: Wie fühlen Sie sich?
Binder: Das können Sie sich denken. Hinzu kommt, dass ich die Schweinegrippe habe. Das weiß ich seit Ende der Vorwoche. Ich liege mit hohem Fieber im Bett, aber die Krankheit ist nicht so schlimm. Ich sehe das als normale Grippe, viel anders fühlt es sich für mich nicht an. Ich gehe also davon aus, dass es mir schon bald bessergehen wird.

Interview: Silvia Jelincic

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