Schule macht Wirtschaft: Schüler als Chef

Schule macht Wirtschaft: Schüler als Chef
Schule macht Wirtschaft: Schüler als Chef

Jürgen Roth, Vizepräsident der WKÖ (r.), überzeugt sich beim Besuch in der Tischlerei von den Produkten der Junior Company Bauerful.

Bei SCHULE MACHT WIRTSCHAFT gründen Schüler echte Unternehmen, Experten agieren als Mentoren. trend unterstützt die Initiative.

Noch während der Schulzeit rasch ein Unternehmen gründen? Was vielen Erwachsenen als zu riskant erscheint, das haben heuer 2.400 Schüler österreichweit in die Tat umgesetzt: Im Rahmen des Projekts "Schule macht Wirtschaft", das von trend unterstützt wird, gründen sie 200 sogenannte Junior Unternehmen - reale Betriebe, in denen die Schüler die Chefs sind und alles vom Erstellen des Businessplans über Produktion und Buchhaltung bis zum Vertrieb organisieren. Dabei werden sie von 210 Lehrern ebenso wie von Vertretern aus der Wirtschaft beraten.

So besuchte Jürgen Roth, Vizepräsident der Wirtschaftskammer, die LFS Grottenhof-Hardt und nahm dort das von Schülern der dritten Klasse gegründete Unternehmen Bauerful unter die Lupe. Bei Bauerful stehen landwirtschaftliche und gärtnerische Produkte im Vordergrund, zum Angebot gehören Jausenbretter ebenso wie Insektenhäuser und Hochbeete für Hobbygärtner. Zudem verkauft das Team saisonal angepasste Produkte, etwa Herzen aus Holz zum Valentinstag - gefertigt in der Werkstatt der Schule.

Begeistert zeigt sich Roth vor allem von den Hochbeeten und betont die guten Verkaufschancen -immerhin ist Urban Gardening, also der Anbau von Gemüse auf dem eigenen Großstadt-Balkon, seit Jahren im Trend. Als Tipp gibt Roth den Gründern mit, die Themen "Bio" und "Regional" noch stärker zu besetzen.

Ponchos aus Osttiroler Schafwolle

Zu Besuch bei der HBLA Kematen war indes WKÖ-Vizepräsidentin Martha Schultz, die dort auf gleich vier Junior Unternehmen stieß: Kitch 'n'Roll hat ein Kochbuch mit Hamburger-Rezepten kreiert, das Team von BreadSpread hat ein Rezeptbuch für Aufstriche geschrieben, DeFriseurs bietet ein Buch mit Anleitungen zum Zopffl echten, und Sheep Unique produziert Ponchos aus Osttiroler Schafwolle. "Die Ponchos sind ein trendiges und gleichzeitig ökologisches Produkt", sagen die Gründerinnen. Nichts wird bei der Fertigung verschwendet: Die Überreste aus dem Hauptprodukt dienen als Rohstoff für Weinmanschetten, mit denen heuer erstmals alle Weinflaschen auf dem Maturaessen verziert werden.

WKÖ-Vizepräsidentin Martha Schultz ist begeistert von der Motivation der Schülerinnen an der HBLA Kematen.

Schultz ist begeistert von der Motivation der Schülerinnen, die in einem Jahr zur Matura antreten werden: "Manche haben mir schon vor meinem Besuch auf Facebook eine Freundschaftsanfrage geschickt", sagt sie mit einem Lächeln. Freilich werben die Gründerinnen auch auf Social Networks und eigenen Websites für ihre Produkte, parallel dazu müssen die Start-ups ihre Finanzen im Griff haben: Den Break-even haben sie allesamt erreicht, finanziert wurden die Unternehmen über den Verkauf von Anteilsscheinen, weitere Unterstützung kam von diversen Sponsoren

Auf der HTL Mödling, der größten Schule Österreichs mit 3.400 Schülern und 400 Lehrern, wurden Junior Unternehmen gegründet und der Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich, Sonja Zwazl, im Rahmen eines Schulbesuchs präsentiert. Upcycling, also das Umfunktionieren von Abfall, ist hier das dominierende Thema: reBQ funktioniert alte Metallfässer in Grillöfen um, Greenew fertigt Accessoires aus alten Schallplatten, Büchern und Champagnerkorken, und Wi-Wood verwandelt Holzabfälle in hochwertige Laptophalter.

Fragerunde mit den Experten

Im Anschluss an ihre Präsentationen hatten die Schülerinnen und Schüler etliche Fragen an die Experten und diskutierten mit ihnen auch über kritische Themen. So hat Roth zum Beispiel die Bedeutung des Freihandelsabkommens TTIP erklärt und Bedenken rund um die Registrierkasse ausgeräumt. Schultz und Zwazl wurden von den Schülerinnen und Schülern unter anderem gefragt, wie sie die Themen Familie und Arbeit unter einen Hut gebracht haben. "Es kommt nicht auf die Unterschiede zwischen Frauen und Männern an", sagt Zwazl, "sondern darauf, wo die persönlichen Qualifikationen liegen."

Außerdem ist Schultz mit den Gründerinnen näher auf das Thema Selbständigkeit eingegangen und hat ihnen Institutionen wie die Junge Wirtschaft oder das Gründerservice der WKÖ empfohlen. Bei manchen Schülerinnen hat sie den Eindruck, dass diese auch später unternehmerisch tätig sein werden: "Es wird jetzt trendig, sich selbständig zu machen." Auch WKÖ-Vizepräsident Roth glaubt, dass "bei vielen Schülern der Funke übergesprungen ist."

Auf jeden Fall haben die Schüler während des Projekts gelernt, was es heißt, Höhen und Tiefen zu durchlaufen und an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. "Dadurch lernen sie Dinge, die in keinem Schulbuch stehen", betont Roth.

Lesen Sie Details zu allen Junior Unternehmen auf der Website www.schulemachtwirtschaft.at

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