Schon in den 30ern dachte Keynes an Transaktionssteuern

„Die blinde Förderung des kurzfristigen Handels mit Finanztiteln ist das Gegenteil von Keynes’ Empfehlung.“

Langfristig sind wir alle tot“, sprach ausgerechnet der, dessen Ideen 62 Jahre nach seinem Tod brandaktuell sind. Da wäre zum einen Keynes’ Vorschlag eines Währungskorbes als künstlicher Weltwährung. Hätte er sich 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods damit durchgesetzt, gäbe es heute keine Leitwährung namens US-Dollar, sondern den „Bancor“. In dieser Kunstwährung, die nationale Währungen gegeneinander verrechnet, würden Rohstoffe wie Öl notieren und internationale Schuldtitel ausgegeben. Keynes hatte zudem vorgeschlagen, dass alle Staaten eine ausgewogene Handelsbilanz anstreben und diese mit finanziellen Sanktionen durchgesetzt werden sollten – ein Megadefizit wie das der USA hätte ebenso wenig entstehen können wie der „weltmeisterliche“ Exportüberschuss Deutschlands auf Kosten anderer.

Die EU muss die Kernlektion von Keynes noch lernen: Sie darf auch mit dem neuen Lissabon-Vertrag keine „antizyklische Wirtschaftspolitik“ betreiben und Kredite aufnehmen, um Konjunkturflauten gegenzusteuern. Ironie der Geschichte ist, dass die Europäische Zentralbank Milton Friedman zum stillen Schutzpatron auserkoren hat, während die vermeintlich monetaristische US Federal Reserve keynesianische Rezepte anwendet. Der Erfolg gibt der Fed, und damit Keynes, Recht. Allerdings kann die Notenbank nicht alle Fehler korrigieren, die die US-Regierung anrichtet. Die blinde Förderung des kurzfristigen Handels mit Finanztiteln ist das Gegenteil der Empfehlung von Keynes, der es als ökonomische Tugend sah „to marry investors to their assets“. Aus diesem Grund dachte er schon in den Dreißigerjahren an die Besteuerung von Finanztransaktionen. Sein Gedanke wurde in den Siebzigerjahren von James Tobin mit der Tobinsteuer materialisiert, nachdem das Bretton-Woods-System an seinem Konstruktionsfehler, dem US-Dollar als Leitwährung, zusammengebrochen war. Keynes hatte die Krisenanfälligkeit globalisierter Finanzmärkte vorausgesehen: „Vor allem Finanzen sollten weitgehend im nationalen Kontext verbleiben.“

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