Schärfere Strafen verhindern keine Sexualdelikte

„Eine Verschärfung des Sexualstrafrechts wäre die im doppelten Sinn billigste Lösung.“

Die Stimmung, die derzeit in unserem Land herrscht, scheint geeignet zu sein, nach einer Strafverschärfung für Sexualtäter zu rufen. Unüberhörbar laut sind Stimmen, die im Gefolge eines spektakulären Verbrechens einfordern, dass Sexualdelikte härter bestraft werden und die Täter länger – bis hin zu lebenslang – eingesperrt und überwacht werden müssen. Diese simple Idee wird als Lösung, Sexualstraftaten in Zukunft zu verhindern oder hintanzuhalten, präsentiert. Es wundert, wie wenig wissenschaftliche forensisch-psychiatrische Erkenntnisse in die gegenwärtige Diskussion einfließen. Sämtliche Studien zum Thema Sexual­delinquenz zeigen, dass schärfere Strafen Sexualdelikte weder verhindern noch die Rückfallsquote senken können, sondern dass Prävention, Therapien und Resozialisation die vorrangigen Maßnahmen zur Verhinderung von Sexualstraftaten sind und somit die einzig verlässliche Grundlage für den Schutz der Gesellschaft. Bei Sexualstraftaten handelt es sich um triebgesteuerte, primär an der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung ausgerichtete Handlungen, bei deren Durchführung die zu er­wartenden strafrechtlichen Konsequenzen vom Täter aus­geblendet werden.

Will sich eine Gesellschaft nachhaltig vor Sexualstraftaten schützen, so wird dies nicht gelingen, indem sie einem Rache­bedürfnis nachgibt, sondern es wird zunächst erforderlich sein, sich differenziert und kritisch hinterfragend mit den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sexuelle Gewalt entsteht, auseinanderzusetzen, um dann Strategien zur Prävention und Rückfallprophylaxe zu erarbeiten. Eine Verschärfung des Sexualstrafrechtes wäre die im doppelten Sinn billigste Lösung, die aber möglicherweise – schenkt man den jüngsten Meinungsumfragen Glauben – weite Teile der österreichischen Bevölkerung zunächst einmal beruhigen würde. Alternative Lösungsansätze, die u. a. den Ausbau von Therapieeinrichtungen und Resozialisierungsprojekten, Personalaufstockungen in Schulen und Jugendwohlfahrtsbehörden beinhalten, würden zwar unmittelbar teuer kommen, aber – wie wissenschaftlich erwiesen – auf Dauer unvergleichbar wirksamer sein.

Wirtschaft

Zweifel an Lithium-Abbau in Kärnten

Wirtschaft

Umbau bei Casinos Austria, Suche nach neuem Vorstand läuft

Auto & Mobilität

BMW schockt Anleger mit Gewinnwarnung