Schadensbilanz: Die sündteuren Folgen der Sintflut

Schadensbilanz. Das Jahrhunderthochwasser kostet mehr als sechs Milliarden Euro. Doch die Versicherungskonzerne als große Verlierer der Katastrophe befürchten noch weitaus höhere Schäden.

Als Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer am Montag von Milliardenschaden sprach, entschloß sich Franz Rath spontan zur Hilfe: Der Manager der Baumarkt-gruppe Hornbach ließ in der Filiale in Ansfelden bei Linz die Waren – von Gummistiefeln bis zu zentnerschweren Betonsäcken – an Katastrophenopfer um fünfzehn Prozent billiger verkaufen.
Einen Tag später wurde Rath von den Ereignissen eingeholt: Der Hornbach-Markt in der Traunuferstraße 129 steht seither zwei Meter unter Wasser. Aus Helfern wurden Hilfesuchende. Rath: „Uns ist genau jener Markt abgesoffen, der für die Belieferung der oberösterreichischen Opfer am wichtigsten gewesen wäre.“

Mosaik der Verwüstung
Die oberösterreichische Hornbach-Filiale mit hundert Mitarbeitern ist nur ein Puzzlestück im Mosaik der Verwüstung.Von Salzburg bis ins Mühlviertel und von der Wachau bis Hainburg kämpfen Industriebetriebe, Weinbauern, Hoteliers, kleine Gewerbetreibende, die großen Versicherungskonzerne und Abertausende Privatleute mit den wirtschaftlichen Folgen der Jahrhundertflut. Unternehmen stehen still, Straßen sind zerstört, Brücken von den Fluten weggerissen und etwa achtzig Kilometer Bahntrassen weggespült.

Schaden explodiert
Noch bevor Wasserpegel gesunken und Schlammberge weggeräumt sind, wird der Gesamtschaden an Infrastruktur, Unternehmen und privatem Hab und Gut auf über sechs Milliarden Euro geschätzt – Tendenz: steigend.
Neben der verheerenden Zerstörung durch Wassermassen und Schlamm, die ganze Fabriken lahmgelegt haben, kämpfen die Unternehmen mit den Folgeschäden: Umsatzausfälle, kaputte Maschinen sowie Zusatzkosten durch Produktionsverlagerungen.
Die Folge: wochenlange Betriebsunterbrechungen und zusätzliche Ausgaben in Milliardenhöhe. Zur Kasse gebeten werden auch die heimischen Assekuranzen mit Schadenszahlungen, die bereits innerhalb weniger Tage auf mehr als 350 Millionen Euro explodiert sind.
Besonders schlimm hat es die Nettingsdorfer Papierfabrik südlich von Linz erwischt. Die Produktion muß bis Anfang September stillgelegt bleiben, nachdem das gesamte 38 Hektar große Fabriksgelände überflutet, die Stromleitungen zerstört und das Papierlager zum Großteil vernichtet worden waren. Nettingsdorfer-Sprecher Gerald Heidl: „Wir versuchen, den Produktionsausfall durch Lieferungen von anderen Papierfabriken unserer Unternehmensgruppe halbwegs zu kompensieren.“ Ein großer Teil der 200 Euro Umsatzmillionen, so viel steht bereits fest, wird heuer ausfallen. Bei der in Kremsmünster ansässigen Greiner Holding legten die Fluten am Montag abend Verpackungserzeugung, Schaumstoffproduktion sowie die Verwaltungszentrale lahm. Die Hälfte der 700 Mitarbeiter ist seit Dienstag mit Aufräumarbeiten beschäftigt.
Glück im Unglück: Bei Greiner und Nettingsdorfer decken Versicherungen den Großteil der Schäden ab. Wie viele Betriebe österreichweit betroffen sind, läßt sich zur Zeit nur schwer beziffern. Wiener-Städtische-Chef Franz Lauer: „Die Zahl der Schadensfälle steigt stündlich.“ Allein im Raum Perg (Oberösterreich) sind 65 Unternehmen betroffen – vor allem Klein- und Mittelbetriebe mit insgesamt 4.500 Mitarbeitern.
Unter den prominenten Opfern befindet sich auch der Schwertberger Maschinenbauer Ludwig Engel. Nach einer Sturzflut aus Wasser und Schlamm gleichen die Fabrikshallen einem Schlachtfeld. Generali-Chef Dietrich Karner, bei dem die Firma Engel versichert ist: „Das Unternehmen hat eine sogenannte Extended-Coverage-Versicherung, die auch Schäden durch Naturereignisse miteinschließt.“

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