Sanierung von Zielpunkt/Plus beginnt: 130 Millionen Euro sollen Handelskette retten

Zielpunkt-Chef Johann Schweiger plante die Übernahme des Diskonters. Er scheiterte an der Finanzierung des Management-Buyouts und will nun sanieren.

Johann Schweiger, seit sieben ­Jah­ren an der Spitze von Zielpunkt, hatte im vergangenen Jahr wenig zu lachen. Die Suche nach einem Käufer für die Diskont­kette er­wies sich als langwierig – und ver­gebens: Nach der Lebensmittelfirma Spar sprang auch ein Konsortium rund um ­Ex-Rewe-Boss Martin Lenz und Thomas Scheiner (Spot AG) ab. „Zu teuer“, waren sich alle Beteiligten einig. Dennoch wollte Tengel­mann, Eigentümer der angeschlagenen Fi­lialkette, keinen Preisnachlass gewäh­ren und pochte auf mindestens siebzig Millionen Euro. Einzig der steirische Fleischhändler Karl Schirnhofer soll sein Angebot noch nicht zurückgezogen haben. Doch ähnlich wie Spar ist auch Schirnhofer nicht bereit, mehr als fünfzig Millionen Euro für die 364 teils defizi­tä­ren Standorte auf den Tisch zu legen.

Für Schweiger geriet die endlose Käufersuche zur Farce. Vor al­lem die damit verbundenen Dis­kussionen mit dem Haub-Clan – dem Eigentümer des 25 Milliarden Euro Jahresumsatz schweren Tengelmann-Konzerns (Obi, KiK) – sollen ihn belastet haben. „Er hat zwar nie gejammert, war aber bedrückt“, ist aus seinem Bekanntenkreis zu hören. Weil sich der 54-Jährige um den Verbleib der mehr als 3.000 Zielpunkt/Plus-Mitarbeiter sorgte, beschloss er, einen Management-Buyout zu wagen. Mit meh­reren Investoren an Bord prüfte er die Vor- und Nachteile einer Übernahme, doch jüngst warf auch Schweiger das Handtuch: Zwar hätte der Kaufpreis aufgebracht werden können, doch wäre die Sanierung, die laut FORMAT-Informationen 130 Millionen Euro kostet, nicht finanzierbar gewesen.

Schweiger hat Zielpunkt aber nicht aufgegeben. Er glaubt an ein Comeback der vormals unter dem Namen Löwa firmierenden Handelskette. Wie FORMAT in Er­fahrung brachte, präsentiert Schweiger dieser Tage sein Sanierungskonzept den Tengelmann-Spitzen. Auf Anfrage wollte Schweiger zu dessen Inhalt nicht Stellung nehmen. Auch die mündliche wie schriftliche Anfrage bei Tengelmann blie­ben unbeantwortet. „Schweiger geht auf Tauchstation. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, weil ihm Tengelmann Redeverbot verordnet hat“, erklärt Handelsexperte Hans Peter Madlberger (Key Account).

In Branchenkreisen sorgen die Sanierungspläne des Burgenländers, die in ei­nem ersten Schritt die Plus-Formate be­treffen, bereits für heftige Diskussionen. Denn wider Erwarten will Schweiger die Umstellung von Zielpunkt auf Plus nicht stoppen oder rückgängig machen – im Gegenteil. Er glaubt an Plus und will die Marke forcieren. Experten schütteln da nur den Kopf: „Plus ist eine Sackgasse. Mit dem Start von Plus kamen erst deutliche Verluste.“ Und die lagen zuletzt bei kolportierten 20 Millionen Euro. Schweigers Pläne scheinen aber gut überlegt: Er will Plus neu definieren und mit Altlasten aufräumen. Bislang verfügt der Hard-Diskonter im Vergleich zum Soft-Diskonter Zielpunkt über ein be­scheidenes Sortiment: Sind bei Zielpunkt rund 4.000 Artikel erhältlich, sind es bei Plus nur halb so viele. Doch nun soll Plus ähnlich wie Hofer zum Vollsortimenter ausgebaut werden.

Neue Maßstäbe könnte auch Schirnhofer setzen. Der Steirer beliefert einen Gutteil der 267 Zielpunkt-Filialen mit seiner Frisch­ware und ist damit ein wichtiger Umsatzbringer. In den 97 Plus-Läden wurde auf seine Dienste bislang verzichtet – was sich aber ändern könnte. So soll sich Schweiger die steirischen Fleischwaren auch bei Plus wünschen. Damit setzt er auf Regionali­tät („echt steirisch“) – und auf den viel beschworenen Heimatsinn der Österreicher. Schirnhofer dürften die neuen Pläne freuen, zumal er seit Jahren um mehr Zusammenarbeit bemüht ist. Innovativ will Schweiger auch in Sachen Eigenmarken sein: Es soll neue Labels geben, um ein starkes Preissignal zu setzen. Hofer ist mit dieser Strategie erfolgreich, bereits 95 Prozent der Hofer-Marken sind Eigenlabels. Bei Plus sind es fünfzig Prozent. Mit neuen Brands will Schweiger einen stärkeren Österreich-Bezug schaffen. Viele Plus-Labels stoßen hierzulande auf Ablehnung, weil sie, wie Branchenkenner meinen, „zu deutsch“ seien.

Ob Schweiger mit seinen Sanierungsplänen Gehör findet, ist jedoch fraglich. Denn um mit Plus durchzustarten, ist mehr Werbung nötig, was teuer werden dürfte. Unternehmerfamilie Haub will für die marode Kette trotz privatem Milliardenvermögen nicht sehr tief in die Tasche greifen. Doch vielleicht ändert sich das, so Edeka die deutschen Plus-Filialen wie geplant übernehmen kann. Der Deal würde den Haubs satte 2,7 Milliarden Euro bringen. Kleingeld für Zielpunkt/Plus wä­re damit also vorhanden.

Von Silvia Jelincic

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