Salzburg: Traditionshüter und Trendsetter

„Zeitgemäß sein war und ist jedenfalls nicht sinnstiftend für die Festspiele.“

Eine befremdende Frage ist das, die mir nach diesem künstlerisch und ökonomisch so erfolgreichen Sommer gestellt wird. Was bedeutet „zeitgemäߓ für ein internationales Top-Festival? Ist Bayreuth zeitgemäß? Oder eher Donaueschingen? Ist „Freischütz“ zeitgemäß oder „Eugen Onegin“? Oder allgemein: Ist man zeitgemäß, wenn man mit dem Zeitgeist geht oder wenn man gegen diesen auftritt? Zeitgemäß sein war und ist jedenfalls nicht sinnstiftend für die Salzburger Festspiele.

„Ein Friedenswerk, zu dem Kunstfreunde aus allen Kulturländern zusammenfinden“ wollten Max Reinhardt und Hugo von Hofmannsthal 1918 gründen, ziemlich unzeitgemäß damals. Genauso unzeitgemäß wie 2007 Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra. Während auf politischer Ebene die Aussichten auf Frieden im Nahen Osten schlechter denn je stehen, hat Barenboim mit 120 jungen Musikern aus miteinander verfeindeten Nationen gezeigt, dass es möglich ist, einen gemeinsamen Klang zu erzeugen.

Für mich wäre es die schönste Erfüllung unseres einzigartigen Gründungsauftrages, wenn die Schule des Hörens, ausgehend von den Salzburger Festspielen 2007, in die ganze Welt wirkte. Oder ist es zeitgemäß, das lärm- und eventgewöhnte Publikum auf den „Kontinent Scelsi“ mitzunehmen in die Ehrfurcht und Konzentration gebietende Kollegienkirche? Zeitgemäß nicht, aber eines jener Ereignisse, die die Festspiele zu einem Gesamtkunstwerk machen, dessen Eindrücke weit in den Alltag hinein nachhallen. Unsere Programmmischung war in diesem Sommer besonders mutig und vielleicht gerade deshalb so erfolgreich.
Wir zeigten in der Felsenreitschule mit „Armida“ eine Rarität, und im Mozarteum gab es für die „Schumann-Szenen“ mit Christine Schäfer und Hélène Grimaud Standing Ovations. Es gelang uns wieder einmal, Traditionshüter und Trendsetter zu sein. Ist das Ihrer Meinung nach für ein internationales Top-Festival zeitgemäß?

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