Russische Planspiele

Österreichs Wirtschaftskapitäne streuen ihm Rosen, in den USA gilt er als Sicherheitsrisiko. Porträt des Magna- und Strabag-Miteigentümers Oleg Deripaska.

Er machte mit dem Oligarchen Oleg Deripaska schon Geschäfte, lange bevor Strabag-Boss Hans Peter Haselsteiner und Magna-Gründer Frank Stronach auf die Idee kamen, dem Russen Anteile an ihren Firmen zu überlassen: Alfred Heinzel, Papierindustrieller und vormaliger Aufsichtsratschef der Staatsholding ÖIAG, verkaufte dem Oligarchen bereits 2004 sein 12,5-Prozent-Aktienpaket an der tausend Kilometer nördlich von Moskau gelegenen Zellstoff- und Papierfabrik Archangelsk.

Alles sei verblüffend schnell gegangen, erinnert sich Heinzel. Er habe auf eine schriftliche Interessenbekundung von Deripaskas Firmengruppe Basic Element reagiert und sei dem Konzernchef selbst zweimal von Angesicht zu Angesicht gegenübergesessen. Er habe dafür einen Spießrutenlauf durch Sicherheitsvorkehrungen absolvieren müssen, aber das sei eben so in Russland. Am Ende landete er jeweils in einem stilvollen Loft, Deripaskas Firmenzentrale. Heinzel: „Es gibt eine Menge Gerüchte über den Mann, aber es wurde alles höchst professionell abgewickelt. Das sage ich, weil es so war.“

In Heinzels Lob für Deripaska stimmen inzwischen auch Österreichs führende Wirtschaftskapitäne ein. Magna-Vorstand Siegfried Wolf nennt ihn einen „geraden Michel“. Raiffeisen-General Christian Konrad meint: „Er ist sehr sachlich. Ich wünsche mir mehr Gesprächspartner dieser Art.“ Der sonst eher schmallippige Deripaska gibt die Komplimente vollmundig zurück. „So weit wir die Österreicher kennen gelernt haben, sind sie sehr sympathisch, verlässlich und geradlinig“, richtet sein Pressesprecher Konstantin Plantin FORMAT aus. „Sie stehen hinter dem, was sie tun. Es ist sehr angenehm, mit ihnen zu arbeiten.“

Seit kurzem ist Deripaska emotional besonders eng an Österreich gebunden. Jüngst erteilte der 40-Jährige, der laut dem russischen Wirtschaftsmagazin „Finans“ noch vor dem schillernden
Öl-Milliardär und FC- Chelsea-Eigentümer Roman Abramowitsch der reichste Russe ist, der rund um den Eurofighter-Kauf bekannt gewordenen Lobbyistin Erika Rumpold einen privaten Auftrag. Sie ließ für ihn in Laa an der Thaya eine Gedenkstätte für Deripaskas dort im Krieg gefallenen Großvater errichten.

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