Run auf Böhler-Uddeholm: Billa-Boss & Co. wollen 25%

Die Sensation bei der Privatisierung von Böhler-Uddeholm: Der Billa-Boss kauft ein! Die österreichische Investoren-Gruppe um Veit Schalle hat am Freitag über ihre Beteiligungsfirma Austria Industrie Management (AIM) ein Kaufangebot an die ÖIAG für deren 25%-Anteil abgegeben. Das Nachrichtenmagazin FORMAT vermeldete die Sensation bereits in einer Aussendung am Donnerstag.

An der Börse ist das von der Staatsholding gehaltene Aktienpaket, das insgesamt 2,75 Millionen Stück umfasst, aktuell 136,5 Mio. Euro wert. Kurz vor 14.00 Uhr lag der Aktienkurs von Böhler-Uddeholm bei 49,64 Euro (plus 1,83 Euro).

Über die Inhalte des Offerts wurde zwischen der ÖIAG und AIM bis zur ÖIAG-Aufsichtsratssitzung am 4. November Stillschweigen vereinbart, teilte die AIM in einer Presseinformation mit.

Die AIM wurde im April 2003 gegründet - mit dem Ziel, langfristige Engagements bei heimischen Firmen einzugehen. Dem Gesellschafter-Quintett der AIM gehören neben Schalle der ehemalige Mayr-Melnhof-Vorstand Alfred Fogarassy, Ex-Raiffeisen-Manager Karl-Heinz Strauss, der Finanzexperte Ulrich Schröder und Wirtschaftstreuhänder Bernhard Vanas an. Sie halten jeweils 20 Prozent an der in Wien ansässigen Beteiligungsgesellschaft.

FORMAT: Billa-Boss & Co. wollen 25%
Eine Gruppe prominenter österreichischer Privatinvestoren wollen der ÖIAG ein Angebot für deren 25-prozentiges Böhler-Paket machen. Den klingendsten Name in dieser Partie trägt Veit Schalle, der Billa-Boss. Schalle gründete im April 2003 mit dem früheren Mayr-Melnhof-Vorstand Alfred Fogarassy, dem Wirtschaftstreuhänder Bernhard Vanas, dem Finanzexperten Ulrich Schröder und dem Ex-Raiffeisen-Manager Karl-Heinz Strauss die AIM Industrie Management. Ziel: Langfristige Beteiligungen an größeren heimischen Unternehmen zu erwerben.

Mittwoch abends trafen die Gesellschafter am AIM-Sitz in der Wiener Johannesgasse zusammen, "um im Detail über den Deal zu reden", wie Ulrich Schröder FORMAT gegenüber bestätigt. Schröder: "Wir haben bei der ÖIAG unser Interesse bekundet und sind überzeugt, dass Böhler ein gutes Investment wäre."

Neben eigenen Mitteln haben Schalle & Kollegen weitere finanzstarke Privatinvestoren an der Hand. Im Beirat der AIM sitzen unter anderem Porsche-Mitbesitzer Hans Michael Piech, Andritz-Chef Wolfgang Leitner oder Ex-OMV-General Richard Schenz.

Bookbuilding-Verfahren oder "Block trade"
Die ÖIAG hat auf das Auftauchen der Gruppe schon reagiert. War ursprünglich nur vom Börsegang die Rede, finden sich in den FORMAT vorliegenden Aufsichtsratsunterlagen für den 4. November jetzt zwei Varianten, die sich die ÖIAG-Vorstände Rainer Wieltsch und Peter Michaelis genehmigen lassen wollen, um flexibel zu bleiben: Einerseits der Verkauf über die Börse in einem Bookbuilding-Verfahren, bei dem gezielt institutionelle Investoren angesprochen werden.

Zweite Variante ist ein so genannter "Block trade" außerhalb der Börse an einen oder mehrere Finanzinvestoren, der auf die AIM abzielt. In diesem Fall will die ÖIAG einen Paketzuschlag lukrieren und nennt laut FORMAT ein Kursziel von 55 Euro pro Aktie (aktuell: 47,50 Euro), was einem Gesamtpreis für den ÖIAG-Anteil von knapp über 150 Millionen Euro entspricht.

Privatisierung noch im November
Welche der Alternativen Wieltsch und Michaelis umsetzen, hängt davon ab, ob das Schalle-Konsortium einen akzeptablen Aufpreis zahlt. Jedenfalls geht die Privatisierung noch im November über die Bühne. Ein Unterausschuss des ÖIAG-Aufsichtsrates mit nur sechs Mitgliedern soll während des Prozesses schnell entscheiden können. Veit Schalle, der auch Mitglied im ÖIAG-Aufsichtsrat ist, muss Vorkehrungen treffen, um nicht in einen kassischen Interessenskonflikt zu geraten.

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