Rodamco wird Alleineigentümer der SCS: Unternehmerfamilie Breiteneder springt ab

Das Rennen um die SCS ist entschieden: Die Breiteneders sind draußen. Der Immobilienriese Rodamco wird Alleineigentümer, Nils-Christian Hakert avanciert zum Chef der Shopping City.

Eines muss man allen Beteiligten lassen: Sie waren diskret. Bis zuletzt deutete nichts auf einen Machtkampf hinter den Kulissen, die Sache schien still und sauber in die Wege geleitet: Am 21. Dezember vergangenen Jahres verkündete der holländische Immobilienriese Unibail-Rodamco, neunzig Prozent an der Shopping City Süd (SCS), Europas größtem Einkaufszentrum, zu erwerben. Der Rest der im Besitz der Hans Dujsik Privatstiftung stehenden Immobilie würde laut Aussendung an die Wiener Unternehmerfamilie Breiteneder gehen – im gegenseitigen Einvernehmen, versteht sich. Doch daraus wird nun nichts. Wie FORMAT aus Eigentümerkreisen erfuhr, sind die Niederländer seit Mittwoch die alleinigen Ei­gen­tümer der begehrten Vösendorfer Immobilie. Die Österreicher gehen leer aus. Bet­tina Breiteneders Traum, zur neuen SCS-Chefin aufzusteigen, hat somit ein jähes Ende gefunden. Den Platz des noch amtierenden Vorstandsvorsitzenden Maurizio Totta wird Rodamco-Österreich-Chef Nils-Christian Hakert einnehmen. Die beiden SCS-Vorstände Christian Höfer und Christoph Adamek sollen ebenfalls abge­löst werden, allerdings erst 2009.

Zähes Ringen hinter den Kulissen. Noch vor kurzem galt eine Zehn-Prozent-Beteiligung der Breiteneders als gewiss. Doch der Druck auf die Unternehmer­familie ist immer größer geworden. Unibail-Rodamco soll zunehmend auf eine Totalübernahme gepocht haben. Darüber hinaus gab es seitens der Familie Be­denken hinsichtlich der Finanzierung des Deals. Die SCS dürfte die neuen Eigen­tümer in Summe etwas über 600 Millionen Euro kosten, die Österreicher hätten somit zumindest 60 Millionen beisteuern müssen. Hinzu kommt, dass die SCS um ein Drittel vergrößert werden soll, wofür ein weiterer dreistelliger Millionenbetrag nötig ist. Zwar hat Johann Breiteneder, der Vater von Bettina, mit der Errichtung von Garagen und Einkaufszentren ein an­sehnliches Vermögen angehäuft, doch steckt der Großteil davon in diversen Immobilienbeteiligungen. Für Einstieg und Ausbau müsste daher ein Bankkredit aufgenommen werden. „Niemand zahlt in Zeiten wie diesen gerne einen Kredit zurück. Auch wohlhabende Leute wie die Breiteneders haben nicht Geld wie Heu“, heißt es dazu aus dem Umfeld der ­Familie. Demnach wollen die Wiener ihr Kapital lieber in den Ausbau bestehender Projekte investieren. Gemunkelt wird aber auch, dass Bettina Breiteneder mit Partnern den Bau eines neuen, bedeutend kleineren Einkaufszentrums in Wien plant. Die ehemalige Geschäftsführerin des Donauzentrums wird bei der SCS aber dennoch ein Wörtchen mitreden. Denn die 37-Jährige wird als Beraterin weiter zur Verfügung stehen, Rodamco-Österreich-Chef Nils-Chris­tian Hakert hat dafür persönlich Sorge getragen. Der gebürtige Deutsche soll von den Managementqualitäten Breiten­eders überzeugt sein und sie als Handelsexpertin über die Maßen schätzen.

Eisernes Schweigen. Offiziell will keiner der Beteiligten zum gekippten Deal ein Statement abgeben. Bettina Breiten­eder, Nils-Christian Hakert und Herbert Schimetschek lassen ein trockenes „no comment“ ausrichten. Auch Maurizio Tottas langjähriger Sprecher Manfred Buchacher meint, dass es „nach all den vielen Medienberichten nicht gut ist, Auskünfte zu erteilen, um so für un­nö­tigen Wirbel zu sorgen“. Während Totta seinen Chefsessel bald räumen muss, dürfen seine Kovorstände Christian Höfer und Christoph Adamek nun doch bleiben. Sie sollen die Vorstandsetage dem Vernehmen nach erst Anfang 2009 verlassen. Wie es heißt, dürften sie vorerst nur bleiben, um internen Aufruhr zu vermeiden. „Betrachten Sie es als eine Art Gnadenfrist“, heißt es dazu lapidar. Unter Kollegen gilt keiner der drei – untereinander zerstrittenen – Vorstände als Koryphäe. Vor allem Totta und Höfer, die seit 1998 die Geschicke der SCS ­lenken, wären nur durch ihre guten Kontakte an die Spitze des Einkaufstempels gekommen, ätzen Branchenexperten. Tatsächlich gehören sie im weitesten Sinne zur Familie des 2002 verstorbenen SCS-Gründers Hans Dujsik: Totta ist der Neffe von Dujsiks zweiter Ehefrau ­Helga. Höfer ist mit einer Dujsik-Tochter (aus erster Ehe) verheiratet. Ihnen wird nun vorgeworfen, die Zeichen der Zeit verschlafen und unzureichend in den dreißig Jahre alten Einkaufstempel investiert zu haben. Die Shopping City Süd gilt zwar als gut gehendes, wenngleich optisch wenig an­sprechendes graues Mauerwerk. Ein Facelifting ist längst überfällig. Auch wird dem Vorstandstrio Misswirtschaft in Sachen Sale City, dem Abverkaufszentrum der SCS, nachgesagt. So sind die Mieter der neben der SCS platzierten Shoppingmall infolge schwacher Kundenfrequenz in Scharen davongelaufen. Vielen Öster­reichern ist die Sale City wegen unzu­reichender Werbung nicht einmal ein Begriff.

Neuer Hoffnungsträger Hakert. Auf den neuen SCS-Chef kommt viel Arbeit zu. Der 41-jährige Deutsche muss das in die Jahre gekommene Center in ein ­neues Zeitalter führen und unter anderem eine Lösung für das Problem Sale City finden. Pläne für die Erweiterung der derzeitigen SCS-Fläche um ein Drittel gibt es bereits lange. Vorgesehen ist die Erweiterung von 131.000 Quadratmeter Bruttoverkaufsfläche auf 171.000. Doch die Umsetzung des Vorhabens dürfte sich ziehen: Ein Teil der Ge­schäftsflächen ist verkauft, groß angelegte Investitionen müssen somit mit Ko­eigentümern wie Ikea abgestimmt werden, was in vielen Fällen nicht leicht ist. Hakert soll aber bereits Gespräche mit allen Eignern aufgenommen haben und dort auf Sympathie stoßen. Der gebür­tige Mülheimer gilt als erfahrener, um­gänglicher Handelsmann und leitet auch das Donauzentrum in Wien, an dem Unibail-Rodamco neunzig Prozent hält. Hakert soll dem beliebten Shopping­center jedenfalls lange vor­stehen, vielleicht wird er sogar die zehnjährige Regentschaft seines Vorgängers Totta übertreffen. In einem seiner seltenen Interviews gestand der Pferdelieb­haber im Vorjahr, nie mehr wieder aus Wien weggehen zu wollen.

SCS wird Teil eines internationalen Immobilienriesen. Unibail-Ro­damco mit Sitz in Rotterdam hat erst im Mai des Vorjahres fünfzig Prozent am Klagenfurter Einkaufszentrum Südpark erworben. Seit der Fusion von Rodamco und Unibail in der ersten Jahreshälfte 2007 ist der ­Konzern zur größten Immobiliengruppe Europas aufgerückt. Das Unternehmen notiert an den Börsen in Amsterdam, Paris, Frankfurt und Brüssel und legt seit Jahren einen international rasanten Expansionskurs hin. Unibail-Rodamco soll auch in Österreich weitere Zukäufe planen. Allein in Frankreich gehören dem Immobilienriesen dreißig Einkaufszentren, darunter Les Halles in Paris.

Von Silvia Jelincic

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