Rockfestivals. 'Hupf in Gatsch'

Lagerfeuerromantik, Bierlaune und Mückenstiche – Musikfestivals gehören zum Sommer wie das Amen zum Gebet. Der Markt wächst kontinuierlich. Wie das Festivalbiz zusammenhängt und wer heuer wo gastiert.

Sonnenbrand oder Schlammschlacht? Wahrscheinlich die am häufigsten gestellte Frage, die sich ein Ticketkäufer im Vorfeld eines Sommerfestivalbesuchs zu be­ant­worten versucht. Die mu­sikalische Um­rahmung, ansonsten nicht gerade ein un­wichtiger Faktor, wird dabei meist zur wichtig­sten Nebensache eines Wochenendes de­gradiert. Denn der Kernzielgruppe der 14- bis 39-Jährigen, die üblicherweise zwei Drittel der Festival­besucher stellen, scheint es, zu­mindest bei den großen Almauftrieben im Pop­zirkus, vorwiegend ums Feiern und ums kurz­fristige autarke Campinggefühl zu gehen. Nicht selten reist man einfach nur als Zaungast an und quartiert sich für die Dauer des Events auf dem Zeltplatz ein; Stimmungs­tourismus am Rock-Ballermann, dessen Sinn sich nicht jedem auf Anhieb erschließt. Vielleicht ist auch dies gerade der Grund, warum heuer in den Sommermonaten mehr Klein- und Kleinstfestivals denn je vor heimischen Wiesen, Burgruinen, Seeufern oder Fel­sen­kulissen über die Bühne gehen.

Monopolstellung. An die 50 Festivals buhlen heuer um Besucher und Sponsoren. Der kleine Festivalmarkt Österreich wird dabei aber hauptsächlich von einem Firmengeflecht beherrscht, das sich um die beiden eng verbandelten Musikver­anstalter Nova Music und Musicnet ge­bildet hat. Ewald Tatar, Geschäftsführer von Nova Music, und Harry Jenner, sein Pendant bei Musicnet, richten mit Sub­firmen so die größten und besucherstärks­ten Events aus und halten am heimischen Markt für Rock/Pop-Festivals ein Quasi-Monopol. Jenner sieht in dieser Vormachtstellung vor allem Versäumnisse bei der Kon­kur­renz: „Es war nie unser Ziel, zu Mono­polisten zu werden, aber wir haben Syn­ergien und gemeinsame Ressourcen ge­nutzt. Dafür, dass mancher Konkurrent un­wirtschaftlich gearbeitet hat, können wir nichts.“ Unterstützung erfuhren sie da­bei bis vor kurzem noch vom Ham­burger Groß­veranstalter FKP Scorpio, der bei Nova Music und Musicnet jeweils ein Drittel der Firmenanteile hielt. Ende des Vorjahres wurden diese Anteile zu­rück­gekauft und die Deutschen verabschiedeten sich offiziell vom heimischen Markt. „Punktuell wird es auch in Zu­kunft noch Kooperationen mit der FKP geben, wir haben ja sehr gut zu­sammengearbeitet“, so Jenner zum Ab­schied des strategischen Partners.

Mehr geht nicht. „Der Markt in Westeuropa ist abgegrast, und auch in Österreich wäre es schwer, ein weiteres zugkräftiges Festival zu etablieren“, meint Harry Jenner, dessen Firmenkomplex auch in Kroatien und der Slowakei Fuß fassen möchte. Nach Versuchen, in den letzten Jahren gleich meh­rere Riesenevents im som­merlichen Festivalplan zu verankern, hat sich nun alles auf drei große Fes­tivals zugespitzt: Nova Rock in Nickelsdorf (30.000 Besucher/Tag), Nuke in Sankt Pölten (10.000 Besucher/Tag) und Frequency am Salzburg­ring (50.000 Besucher/Tag). Zudem beginnt sich der Markt im Segment der Groß­festivals langsam zu konsolidieren. So wurde etwa das auf Rocknostalgiker zugeschnittene Lovely Days – nachdem lange Zeit nicht einmal klar war, ob dieses Festival heuer überhaupt stattfinden würde – nach Wiesen und somit an eine deutlich kleinere Spielstätte als in den Jahren zuvor verlegt. Der Intensivmix aus Rockdinos und Legenden konnte in dieser Form sichtlich nicht reüssieren.

Back to the roots. Insgesamt aber hat der Konzert-Ort mitten im burgenländischen Erdbeerland seinen Konkurs 2006 halbwegs überstanden. Man vermietet nun die Traditionslocation an Fremdveranstalter, plant aber in Eigenverantwortung auch wieder selbst Festivals. Freilich etwas kleiner dimensioniert, mit Schwerpunkt auf Beständigkeit. Die Rückkehr zu den Wurzeln trägt bereits Früchte. 35.000 Besucher waren es insgesamt im Vorjahr, „die Tendenz ist eindeutig steigend“, konstatiert Marketingchefin und Tochter des Wiesen-Festival-Gründers Juliane Bogner erfreut. Im Vergleich mit Europas größtem Open-Air-Event, dem Wiener Donauinselfest, nehmen sich aber alle Zahlen nahezu bescheiden aus. Der Euro 2008 we­gen verlegte man die Mega­sause heuer in den September. Erwartet werden, wenn das Wetter mitspielt, trotzdem rund eine Mil­lion Besucher pro Tag, die bei freiem Eintritt über die Insel schlendern und dabei kräf­tig konsumieren sollen. Kostenpunkt der Veranstaltung: etwa sechs Millionen Euro, von denen ein Drittel Spon­­soren übernehmen und 1,5 Millionen Euro von der Stadt Wien subventioniert werden. Ein Aufwand, der mit ge­schätzten 40 Millionen Euro an Umwegrentabilität im Einzugsgebiet Wien durchaus seinen Reiz hat. Einen Reiz, der für Sponsoren künftig wohl auch die zahlreichen kleineren Veranstaltungen mit intensiveren Publikums­kontakten interessant macht.

Von Manfred Gram

Auto & Mobilität

Steuern auf Autos erhöhen sich ab September 2018 deutlich

Flughafen Wien

Wirtschaft

Standortentwicklung: Scharfe Kritik an geplantem Gesetz

Wirtschaft

Saisonal bedingte Kündigungen: Unternehmen in die Pflicht?