Robert Liska sammelt fein-stoffliche Literatur

Robert Liska, 55, ist schwer zu greifen. Der in Wien ansässige Kürschner mit Niederlassungen in Ungarn, Tschechien und der Slowakei ist ständig unterwegs. Beruflich sowieso, in der Hauptsaison von September bis Februar sei er von einer 40-Stunden-Woche weit entfernt.

Aber auch privat ist Liska viel auf Achse, seine Familie ist über die ganze Welt verstreut: Sohn Aron studiert in London, Sohn David arbeitet als Arzt in New York, ebenso die Tochter Gila, eine Juristin, und Liskas Schwester Vivian wohnt in Belgien. Ein bisschen drückt es den Familienvater schon, dass seine Kinder und auch die Enkelkinder nicht in Österreich leben. Aber wenigstens exis­tiert die Hoffnung, dass Aron zurückkehrt und die Firma übernimmt. Das Unternehmen blickt auf eine lange Tradition zurück. Vater Michael startete nach dem Krieg in Prag mit dem ersten Geschäft, bis er 1948 von den Kommunis­ten enteignet wurde. Er emigrierte nach Wien, wo er gemeinsam mit der Familie Weinstein den Liska-&-Weinstein-Pelzhandel gründete. Erst nach der Trennung von Weinstein startete Liska im Jahre 1965 mit dem Pelz-Detailhandel.

Das Geschäft lief gut. „In den 60er-und 70er-Jahren haben sich die Leute um unsere Ware geprügelt“, erzählt Liska. Seine Mutter agierte damals visionär, kaufte von den Pariser Couturiers Schnitte und baute die internationalen Designer-Modelle in Wien nach. Am gefragtesten waren sie in den 80er-Jahren. Damals gab es noch Tausende Kürschner in Wien, heute sind es gerade mal zwei- bis dreihundert.

Pelz-Produktion muss nicht unbedingt konservativ sein. Das bewies Robert Liska schon vor 25 Jahren, als er mit Helmut Lang Bikerjacken entwarf, die mit Affenfell verbrämt waren. Wie Liska mit den Tierschützern umgeht? Gar nicht. „Das ist übertriebene ‚political correctness‘, die Konsumenten sind mündig und informieren sich sehr genau, woher die Ware kommt, die sie tragen. Aber gegen Mythen kommt man nur schwer an.“ Robert Liska wurde in den USA ausgebildet. Mit 16 Jahren zog er nach New York, wo er die Talmud-Thora-Schule be­suchte. Im Sommer kam er immer nach Österreich zurück, um im Schotten­gymnasium parallel seine Prüfungen abzu­legen. Sein Jusstudium absolvierte der Kürschner ebenfalls in den USA, dort lernte er auch seine Frau Sylvie ­kennen.

„Als ich in den USA gelebt habe, habe ich mich viel mit Exilliteratur Wiener jü­discher Schriftsteller beschäftigt“, erzählt Liska. „Dazu zählt etwa Arthur Schnitzler, der gemeinsam mit seinen Freunden Hugo von Hofmannsthal und Richard Beer-Hofmann als einer der Hauptvertreter des Jungen Wien und der literarischen Wiener Moderne galt, aber auch Stefan Zweig und viele andere.“

Liskas große Leidenschaft heute ist das Sammeln von Judaica, handschriftliche oder gedruckte Literatur, die sich mit Kultur und Religion des Judentums beschäftigt. Einer seiner Lieblingsbände ist die lateinisch-hebräische „Physica Hebraea“ aus dem Jahr 1555 oder „eine wunderbar illustrierte mehrbändige großformatige Anthologie religiöser Sitten und Bräuche von Bernard Picart aus dem Jahr 1722“, so Liska. Und allgemeiner: „Mich fasziniert insgesamt geschichtliche und geografische Literatur.“

Zum Lesen kommt er meist abends oder auf seinen diversen Reisen. „Das
ist für mich Entspannung, aber auch ­stän­dige Weiterbildung.“ Stolz ist der Kürsch­ner vor allem auf eine Sammlung hebräischer Eulogien und Gedichte im Angedenken an Feldmarschall Radetzky, gedruckt in Wien 1858. Der gläubige Jude besitzt auch eine stattliche Sammlung an illustrierten Büchern, Exlibris von E. M. Lilien aus der Jahrhundertwende sowie die von Nahum Goldmann herausgegebene „Encyclopaedia Judaica“ (1928–1934), eine Kulturenzyklopädie, die versucht, das gesamte Wissen über das Judentum darzustellen. Zu seinem Leidwesen wurde jedoch nach nur zehn von 15 deutschsprachigen und zwei hebräischen Bänden die Produktion der Enzyklopädie eingestellt – die Machtergreifung der Nationalsozialisten kam dem ehrgeizigen Vorhaben dazwischen.

Allzu viele Bücher darf Liska nicht mehr nachhause bringen. „Ich mag alte Bücher, meine Frau weniger, die hält sie für Staubfänger“, plaudert er aus der Schule. Mit ihr teilt er aber seine zweite Leidenschaft, das Reisen, genau genommen Kunstreisen, die das Ehepaar gemeinsam unternimmt. Im Zuge ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Präsidentin der Freunde der Secession stellt Sylvie Liska Reisen über den ganzen Erdball zusammen – vor allem für Liebhaber der zeitgenössischen Kunst. „In diesem Punkt bin ich ein biss­chen ein Prinzgemahl. Da partizipiere ich vom Know-how meiner Frau. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.“ Wohl auch für die damit verbundene Gelegenheit zum Studium weiterer Bücher.

Von Gabriela Schnabel

Peter Pelinka

Nationalratswahl 2017

SPÖ: Vorwärts zu den nächsten Fehlern?

Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller: "Diesel-Skandal, ein Weckruf"

Wirtschaft

VW-Konzernchef Müller: "Der Diesel-Skandal war ein Weckruf"

Stil

Sterben war gestern: Ist Altern besiegbar wie die Pest?