Renditestarke Schwellenländer-Anleihenfonds im Test

Renditestarke Schwellenländer-Anleihenfonds im Test

In Europa zahlen Anleihen trotz erhöhtem Risiko nur niedrige Zinsen. In Schwellenländern sinkt dagegen die Gefahr, und die Erträge sind hoch. Emerging-Markets-Anleihenfonds brachten bis zu 22 Prozent im Jahr.

Die Schuldenkrise in Europa hat die Welt der Anleiheninvestoren gehörig auf den Kopf gestellt. Die Zeiten, in denen europäische Staatsanleihen ein sicherer Hafen waren und erkleckliche Erträge abwarfen, sind vorbei. Selbst konservative Anleger schichten deshalb ihr Geld mittlerweile in Anleihen von Schwellenländern um. Dort finden sie teils deutlich höhere Renditen als in Europa und den USA bei vielfach sinkenden Risiken. Der ertragsstärkste Anleihenfonds aus Schwellenländern innerhalb der vergangenen drei Jahre, der Pioneer Emerging Markets Bond, belohnte Anleger jährlich mit 22,2 Prozent.

Staatsanleihen solide wie McDonald’s

„Hochwertige Staatsanleihen aus Schwellenländern stehen bereits auf einer Stufe mit soliden westlichen Firmenbonds wie etwa McDonald’s“, veranschaulicht Nigel Cresswell vom Investmentberater Towers Watson die Situation.

Sogar das sich abschwächende Wachstum in China und anderen Emerging Markets ist für deren Schuldentitel gar nicht schlecht. „Um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden, wird die Kreditvergabe jetzt durch strengere Standards gedrosselt“, erläutert Heinz Bednar, Chef der Erste-Bank-Fondsgesellschaft Sparinvest. Schon jetzt sind die jährlichen Ausfallsraten solcher Hochzinsanleihen, bei einem 25-Jahres-Durchschnitt von 4,2 Prozent, zuletzt auf 1,9 Prozent gesunken. „Zwar könnten die Ausfälle bei hoch verschuldeten chinesischen Firmen kurzfristig zunehmen“, schränkt Bednar ein, aber tendenziell würden die Risiken in zahlreichen Emerging Markets weiter sinken.

Das Vertrauen in diese Investmentkategorie steigt deshalb auch kräftig. Das belegen die hohen Mittelzuflüsse. Insgesamt werden heuer alleine für Unternehmensanleihen in diesen Ländern Investitionen von 100 Milliarden Dollar erwartet. Fundamental sehen die meisten Schwellenländer vielfach sogar besser aus als die Industrieländer. China, Mexiko und Brasilien gelang es, ihre Bonitätseinschätzung in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich zu verbessern. „Schwellenländer haben zudem die Schuldenkrise mehrheitlich besser überstanden und ihre Bonitätseinstufung sogar erhöhen können“, ergänzt Sparinvest-Boss Bednar.

Wenig Schulden, hohes Wachstum

Hauptargument der Ratingagenturen für die gestiegenen Bonitätsnoten ist neben einem starken Wirtschaftswachstum ein deutlich gesunkener Schuldenstand in den vergangenen Jahren. Die durchschnittliche Verschuldungsquote asiatischer Länder liegt bei 50 Prozent. Auch zahlreiche Länder in Lateinamerika zählen mittlerweile zu den verlässlichen Schuldnern. So befinden sich die Devisenreserven in Mexiko mit 130 Milliarden Dollar auf einem Rekordniveau, das Haushaltsdefizit ist gering, die Inflation ist niedrig. Zehnjährige Staatsanleihen bringen in lokaler Währung stattliche 6,6 Prozent und gelten mittlerweile trotzdem schon als „sicherer Hafen“.

Fondsguru setzt auf Lokalwährungen

Fondsmanager vertrauen in dieser Anlagekategorie jedoch überwiegend auf Anleihen in Dollar, ihr Anteil macht in fast allen Portfolios zwischen 85 und 100 Prozent der Gesamtanlagen aus. Dementsprechend orientieren sich die Manager auch am JPMorgan-EMBI-Global-Index, einem reinen Hartwährungsindex, der die Performance von Anleihen führender Staaten aus Asien, Afrika, Osteuropa und Südamerika misst. Hier dominieren Mexiko, Brasilien, Russland und die Türkei, die sich dementsprechend in fast allen Depots an vorderster Stelle finden.

Mit seinem Templeton Emerging Markets Bond Fund weicht ausgerechnet der wohl bekannteste Manager dieser Kategorie, Michael Hasenstab, von dieser Linie am stärksten ab. Er ist momentan nur zur Hälfte in Dollar-Anleihen investiert. Dafür hält er lieber hohe Positionen im asiatischen Währungsraum, unter anderem in indonesischer Rupiah, südkoreanischem Won und malaysischem Ringgit. Eugen Löffler, Chefinvestor von Allianz Global Investor, glaubt sogar, „dass die Lokalwährungskomponente langfristig wichtiger für den Gesamtertrag sein wird als der aktuelle Zinsunterschied“. So sind nach Berechnungen der Fondsgesellschaft die Währungen in China, Mexiko und Russland um zirka 40 Prozent unterbewertet. Denn die hohen Wachstumsaussichten erhöhen den Aufwertungsdruck der lokalen Währungen – wovon wiederum Anleger profitieren.

Firmenanleihen: „Ungehobener Schatz“

Sparinvest-Chef Bednar sieht vor allem in Firmenanleihen von Emerging Markets „einen ungehobenen Schatz“. Diese Titel würden ein erstklassiges Rendite-Risiko-Verhältnis bieten. Unternehmensanleihen aus Schwellenländern werfen bei besseren Bonitäten eine um bis zu zwei Prozentpunkte höhere Rendite ab als vergleichbare Unternehmen in Industriestaaten. Im Schnitt liegt die Rendite bei 5,8 Prozent. Die Rechnung des Managements des Espa Bond Emerging Markets Corporate ist bisher jedenfalls aufgegangen. 17 Prozent Rendite jährlich in den vergangenen drei Jahren schaffen nur wenige Aktienfonds, und wenn, dann nur bei wesentlich höherem Risiko.

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