„Renault wird Weltmeister“

Der scheidende Renault-Boss Louis Schweitzer über sein Lebenswerk, seinen Nachfolger Carlos Ghosn und die Zukunft der Automobilindustrie.

Format: Herr Schweitzer, Renault feiert derzeit in der Formel 1 sensationelle Erfolge. Wie sehr freut Sie das?
Schweitzer: Ich habe immer gesagt, dass wir eines Tages in die Formel 1 zurückkommen. Das ist die Königsdisziplin des Motorsports und eine ausgezeichnete Schule für Vorausplanung, rasche Reaktionsfähigkeit und die Beherrschung von Technologien. Ich glaube daran, dass der Renault-Rennstall Weltmeister wird.
Format: In drei Wochen treten Sie als CEO von Renault ab. Wie hat sich der Konzern seit Ihrem Antritt 1992 gewandelt?
Schweitzer: Renault hat sich vom regionalen Hersteller zu einem weltweiten Anbieter entwickelt. Dafür waren vor allem zwei Ereignisse ausschlaggebend: erstens die Allianz mit unserem japanischen Partner Nissan, durch die wir heuer zum viertgrößten Autokonzern der Welt aufgestiegen sind; zweitens durch die Entwicklung unserer Töchter Dacia in Rumänien und Samsung in Südkorea.
Format: Was waren die Höhe- und die Tiefpunkte Ihrer Karriere?
Schweitzer: Der Rückschlag kam gleich zu Beginn – das Scheitern des schon angekündigten Mergers mit Volvo. Das war eine äußerst schwierige Situation. Der positive Höhepunkt war eindeutig das vergangene Jahr mit 3,5 Milliarden Euro Rekordgewinn.
Format: Sie sind also im Rückblick zufrieden?
Schweitzer: Ich bin zufrieden mit dem, was das Unternehmen erreicht hat. Wäre etwas schief gegangen, wäre es meine Verantwortung gewesen. Wenn die Dinge gut laufen, sollte man auch das Lob ernten.
Format: Waren Sie von Anfang an von der gewagten Allianz mit dem angeschlagenen Nissan-Konzern überzeugt?
Schweitzer: Zu neunzig Prozent. Wir haben die Allianz allerdings sicherheitshalber so gestaltet, dass Renault bei einem Scheitern überlebt hätte. Der Erfolg kam dann schneller als erwartet. Er hat alle meine Hoffnungen übertroffen.
Format: Was ist Ihre Vision für die Zukunft von Renault?
Schweitzer: Meine Vision ist, dass der neue CEO eine eigene Vision hat. Als ich diesen Posten antrat, hatte ich eine Vision. Ich wollte aus einem angeschlagenen französischen Staatsbetrieb einen international agierenden Autokonzern machen.
Format: Ihr Nachfolger wird nun der erfolgreiche Nissan-Sanierer Carlos Ghosn.
Schweitzer: Ich habe ihn schon 1996 als solchen bestimmt. Er hat bei Nissan außergewöhnliche Fähigkeiten gezeigt. Carlos Ghosn ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Da wird mir niemand in der Autobranche widersprechen.
Format: Was wird Ghosn anders machen als Sie?
Schweitzer: Carlos und ich kennen uns gut. Es besteht eine Vertrauensbasis. Wir teilen die Auffassung, dass die Basis das Vertrauen in das Können der Mitarbeiter ist. Man darf nicht alles selbst entscheiden. Während ich mehr delegiere, arbeitet Ghosn sehr eng im Team.
Format: Sie selbst widmen sich in Zukunft nur noch Ihren Hobbys?
Schweitzer: Nein. Ich werde Vorsitzender des Verwaltungsrates von Renault, Präsident des Theaterfestivals in Avignon und Leiter der Behörde zum Kampf gegen Diskriminierung in Frankreich. Das allein entspricht schon einer Vollzeitarbeit. Dann gibt es noch einige andere Ämter.

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