Rauer Wind im Meinl-Reich. Nach Kurssturz prüft jetzt die Finanzmarktaufsicht

Rupert-Heinrich Staller zupft beim Fototermin für FORMAT an seinem Kragen herum. „Meine Mutter soll wissen, dass ich wenigstens Krawatten binden kann“, scherzt er. Gleich darauf schenkt der sonst frisch gebackene Sprecher der Immobiliengesellschaft Meinl European Land (MEL) den Anwesenden ein Lächeln. Nur um sicherzustellen, dass das „wenigstens“ ironisch gemeint war. Staller ließ in der Vergangenheit vor allem als sturer Kleinaktionär von sich hören.

Bei AUA-Hauptversammlungen machte er zum Beispiel regelmäßig dem AUA-Finanzchef Thomas Kleibl die Hölle heiß und versammelte mit seinen angriffigen Tönen andere aufmüpfige Anleger hinter sich. Jetzt kann der Mann zeigen, ob er sich auch in der Defensive bewährt. Nach dem überraschenden Abgang des bisherigen MEL-Kommunikators Francis Lustig muss er jetzt aufgebrachte MEL-Anleger kalmieren.
Die haben freilich allen Grund, ernsthaft sauer zu sein. Sie waren mit der Werbung, die Meinl-Aktie sei viel besser als ein Porzellansparschwein, dazu bewogen worden, ihr Geld statt in Sparbücher in eine Gesellschaft für Ostimmobilien zu stecken. Die unterschwellige Botschaft war klar: so sicher wie ein Sparbuch, aber viel gewinnträchtiger. Schließlich stand auch Banker Julius Meinl V. mit seinem Namen gerade.

Doch jetzt ist Feuer am Dach. Innerhalb einer Woche stürzte der MEL-Kurs von 17,00 auf 11,92 Euro ab. Das Mitte Juni erreichte Jahreshoch von 21,35 Euro ist inzwischen in weite Ferne gerückt (siehe Grafik). Der Kursrutsch erwischte vor allem Kleinanleger völlig unvorbereitet: Jahrelang war der Kurs
mit verblüffender Konstanz fast wie mit einer Schnur gezogen gestiegen – und plötzlich sind die Gewinne einiger Jahre dahin.
Fast gleichzeitig stürzten die Kurse zweier weiterer börsennotierten Gesellschaften ab, die in ihrem Namen die Traditionsmarke Meinl tragen: die auf weltweite Flughafen-Investments spezialisierte Meinl Airports International (MAI). Und die erst seit 1. August börsennotierte Meinl International Powers (MIP), bei der Meinl-Freund Karl-Heinz Grasser und Ex-Verbund-General Hans Haider an Bord sind. Kurios: Obwohl die Grasser-Aktie auf 9,30 Euro Cash pro Aktie sitzt, lag der Kurs Mitte dieser Woche bei 7,20 Euro. Nicht gerade ein Vertrauensbeweis für den ehemaligen Finanzminister.
Julius Meinl hat jetzt alle Hände voll zu tun, Schaden für die Marke und vor allem für seine Meinl Bank abzuwehren. Zwar sind MEL, MAI und MIP keine Meinl-Töchter, sondern bloß von der Meinl Bank initiiert und von ihr als Investmentbank begleitet. Die Bank selbst ist bloß mit unbedeutenden drei Millionen Euro an der MEL beteiligt. Sie stellt aber entgeltlich die Marke zur Verfügung und nimmt Honorare für die erbrachten Dienstleistungen. Womit sie auch kein Risiko trägt, außer jenem des Imageverlustes.

Auslöser des Kursgemetzels bei der MEL war ein erst im Nachhinein bekannt gegebener Aktienrückkauf , der nach österreichischen Börsenregeln eigentlich vorher angekündigt hätte werden müssen: Die MEL hat heuer im großen Stil sage und schreibe 88,8 Millionen eigene Papiere gekauft – das sind bei insgesamt 300 Mio. MEL-Papieren fast 30 Prozent. Besonders pikant: Erst im Februar hatte die Gesellschaft in einer Kapitalerhöhung 75 Millionen neue Aktien an die Anleger verkauft – vermeintlich, um es in Einkaufszentren-Projekte in Russland zu investieren. Doch jetzt ist das eingenommene Cash von 1,5 Milliarden Euro plus weiteren 200 Millionen für den Aktienrückkauf ausgegeben worden.

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