Rauchverbot in allen Büros? Was EU und Regierung planen: Der letzte Zug im Büro

Den ersten Glimmstängel, Marke Marlboro rot, genießt er, während er sich noch den Schlaf aus den Augen reibt. Der zweite folgt kurz darauf. Wenn der Tag zur Neige gegangen ist, werden es so um die 40 Zigaretten gewesen sein, die Robert Hartlauer inhaliert hat – die meisten davon in seinem Büro.

„Wenn ich in Verhandlungen sitze oder an neuen Konzepten tüftle“, so der Inhaber der gleichnamigen Fotokette, „dann brauche ich eine Zigarette, um mich konzentrieren zu können. Dann bin ich einfach viel kreativer.“ Auch für seine rauchenden Mitarbeiter hat Kettenqualmer Hartlauer Verständnis: „Solange sie sich nach der Rauchpause die Hände waschen und ein Pfefferminzbonbon lutschen, darf jeder rauchen, wann und wie viel er will.“
Die Frage ist nur: Wie lange noch?

Denn geht es nach dem Willen von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, dann hat es sich in Österreichs Büros noch heuer ausgeraucht: Sie will rigoros ein „generelles Rauchverbot in Arbeitsräumen“ durchboxen. Zwar sind die meisten Einschränkungen schon heute Gesetz – nur kontrolliert und exekutiert werden sie nicht.

Zum Jahreswechsel, so der Plan der Ministerin, sollen an Österreichs Schreibtischen daher die Glimmstängel ausgedämpft werden – und zwar endgültig. Rauch-Kallat: „Es ist höchste Zeit, in Österreich ernsthaft gegen den Nikotinkonsum zu kämpfen.“

Ein ehrgeiziges Projekt, schließlich gehören die Österreicher zu den Top-Five in der Raucherrangliste der alten EU: 2,3 Millionen Österreicher greifen hin und wieder zur Zigarette, 800.000 davon sind stark nikotinabhängig, 14.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Tendenzen steigend.

Dass dieser massive Kippenkonsum die Volkswirtschaft schädigt und vor allem die ohnehin finanzmaroden Krankenkassen belastet, ist klar: Zwei Milliarden Euro geben die Kassen laut Schätzungen für die Behandlung von Folgeerkrankungen des Rauchens aus – das sind stolze 20 Prozent der gesamten Versicherungsleistungen aller Versicherungsträger.

Auch die Arbeitgeber zahlen drauf, wie ein Rechenbeispiel des Gesundheitsministeriums zeigt: Pro Arbeitsjahr konsumiert ein Raucher nämlich zwei Krankenstandstage mehr als ein Nichtraucher. Bei einem Betrieb mit 1.000 Mitarbeitern und einer durchschnittlichen Raucherdichte sind das 666 zusätzliche Krankenstandstage. Oder anders herum: In diesem Unternehmen werden drei Mitarbeiter einzig und allein fürs Rauchen bezahlt.

Andererseits wissen nicht nur Raucher selbst, dass die Sache mit dem Aufhören erstens nicht so einfach ist und zweitens schon gar nicht auf Befehl funktioniert. Das zeigen auch Vorbilder wie Irland in der EU oder die USA, wo es schon rigorose Raucher-Bestimmungen gibt.

Wie aber soll Rauch-Kallats Vorstoß in die Realität umgesetzt werden?

Schon jetzt haben die meisten Firmen versucht, dem Gesundheitsbedürfnis der nicht rauchenden Mitarbeiter (527.000 Beschäftigte fühlen sich laut Statistik Austria durch Kollegenrauch belästigt, Passivrauchen kostet 1.412 Tote pro Jahr) entgegenzukommen und gleichzeitig die rauchenden Kollegen zufrieden zu stellen.
Egal, ob IBM oder Magna, Hutchison oder McDonald’s, Opel oder Werbeagenturen wie Ogilvy: Viele haben schon in den vergangenen Jahren eigene Raucherzonen in den Bürogebäuden eingeführt.

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PLUS: Vorbild Amerika: Die rigiden Beschränkungen sollen den Raucheranteil bis 2010 auf unter zwölf Prozent senken
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