Rabattschlacht in der Automobilbranche: Mit
Diskontpreisen gegen den Absatzeinbruch

Die Branche kämpft gegen einen Absatzeinbruch. Mit Rabatten bis zu 46 Prozent soll das Geschäft angekurbelt werden. Format zeigt Modelle zu Diskontpreisen.

Die Autobranche strotzt derzeit nur so vor Superlativen. Allerdings nicht was Absatzzahlen oder PS-starke Modelle betrifft, sondern bei Vergünstigungen. „So viele und so hohe Rabatte wie jetzt hat es noch nie gegeben“, erklärt etwa Burkhard Ernst, Gremialobmann des Wiener Autohandels. Opel begann vor kurzem mit einer bisher beispiellosen Neuwagen-Verkaufsaktion. Mercedes startet diesen Freitag die größte Vorführwagen Abverkaufsaktion der letzten Jahre. Auch fast jedes andere Autohaus lockt die Kunden mit massiven Diskonts. Die drastischen Maßnahmen zeigen, wie stark die Händler derzeit unter Druck sind. So sind Marken wie Opel, Mercedes und Mazda 2008 mit ihren Absatzzahlen kräftig ins Minus gerutscht.

Insgesamt ging der Markt mit 293.697 verkauften Autos im Vergleich zum Jahr davor um 1,5 Prozent zurück. Doch diese Zahl zeigt nur die halbe Wahrheit. Denn richtig ins Schleudern geraten ist die Branche erst im November. Seither ist die Nachfrage im Monatsrhythmus in zweistelliger Höhe eingebrochen. Für die Händler besonders bitter: Die Hallen sind gesteckt voll mit Autos. Hat doch niemand mit einem derartigen Käuferstreik gerechnet. Was für die Händler zum Teil zur Existenzbedrohung wird, entpuppt sich für die Kunden immer mehr als paradiesischer Zustand. Musste man bisher froh sein, wenn man für einen Neuwagen acht bis zehn Prozent Rabatt bekam, sind heute selbst bei aktuellen Modellen 20 Prozent keine Seltenheit.

Um die Autos günstig an die Lenker zu bringen, arbeiten die Autohändler mit allen Tricks. Ein besonders beliebtes Instrument sind Tageszulassungen. Dabei wird ein Fahrzeug für einen einzigen Tag zugelassen, um dieses so mit einem Rabatt zu verkaufen. Diese Praktik ist zwar nicht neu, aber noch nie waren die Autohändler mit einer derart hohen Anzahl dieser jungfräulichen Gebrauchtwagen bestückt. Besonders hoch waren die Zuwächse bei Tageszulassungen im Juni mit plus 67,9 Prozent und im April mit 57,9 Prozent. Die Auswirkungen
sind Rabatte im großen Stil: Einen Mazda RX-6 etwa gibt es etwa bei der Firma Lietz in Waidhofen um gleich 28 Prozent billiger. Auch Premiumhersteller pressen ihre Modelle so zu günstigen Preisen in den Markt. Ein Porsche Cayenne mit null Kilometern am Tacho wird um 17 Prozent billiger angeboten, ein Audi A6 um 18 Prozent. Auch Jaguar und Ferrari drehen bei einzelnen Modellen kräftig an der Preisschraube.

Bis zu 46 Prozent auf Vorführwagen
Wen ein paar gefahrene Kilometer nicht stören, der kann mit Vorführwagen noch mehr sparen – und die Auswahl ist bei vielen Herstellern riesig. Im Fall des Vorgängermodells des neuen Renault Scénic winken sogar bis zu 46 Prozent. „Bei der Mercedes-Vorführwagen-Aberverkaufsaktion sind die Modelle maximal ein Jahr alt und bis zu 25 Prozent reduziert“, erklärt Thomas Schlosser von Mercedes Wiesenthal. Die Aktion wird in ganz Österreich durchgeführt, auch von Mercedes Pappas, der im Gegensatz zu Wiesenthal stark in Westösterreich vertreten ist. Die Modelle sind etwa unter www.wiesenthal.at/sterne abrufbar.

Eine stattliche Zahl an günstigen Autos bietet auch BMW Wien. Besonders gut bestückt ist die Abteilung Gebrauchte Autos mit rund 40 Geländewagen unterschiedlicher Größe. Sie sind oft gerade einmal 15.000 Kilometer gefahren und bis zu 30 Prozent billiger. Viele dieser jungen Gebrauchtwagen sind von BMW-Mitarbeitern gefahrene Modelle, die sie nach einem Jahr wieder verkaufen müssen.

Auch Volvo ist mit Dumpingpreisen nicht länger zurückhaltend. Die Händler haben meist eine ganze Liste von Autos, die sie um 20 Prozent billiger hergeben. Eine echte Okkasion ist der Volvo S 60, der gerade einmal 6.000 Kilometer bewegt wurde und jetzt um 28 Prozent weniger kostet. Zusätzlich bietet der Händler im Wiener Autohaus Taferner sogar von sich aus an, die Winterreifen gratis dazuzugeben.

Doch nicht alle Hersteller verfolgen diese Tiefpreispolitik. Bei Kia, Suzuki, Toyota oder Dacia sind beispielsweise wesentlich weniger Schnäppchen in den Schauräumen zu finden als bei anderen Herstellern. Und wenn, gibt es Vergünstigungen nur in bescheidenem Umfang. „Bei uns gibt es maximal drei Prozent Rabatt“, erklärt der Wiener Kia-Händler Karl Bruckner.

Rabattitis neigt sich dem Ende zu
Der Höhepunkt der Ausverkäufe dürfte nach Ansicht des deutschen Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer spätestens im Frühjahr erreicht sein. Auch Gerhard Pils, stellvertretender Sprecher des Kreises der Automobilimporteure, glaubt, dass es Rabatte von 20 Prozent und mehr nicht mehr allzu lange geben wird. „Die Unterstützung der Hersteller für diese Aktionen wird weniger, da die Hersteller die Produktion bereits zurückfahren und es so bald keine vollen Lagerhallen mehr geben wird“, so Pils.

Auch finanziell würden die Händler die Superrabatte nicht länger verkraften. Pils: „Die Margen der Händler liegen im Schnitt bei 17 Prozent. Bei einem Diskont von 20 Prozent ist nicht einmal der Einkaufspreis, geschweige denn die Fixkosten herinnen. Das macht die Situation bedrohlich.“ Als Gebot der Stunde sieht er daher, die nun in Deutschland durchgesetzte Ökoprämie in Höhe von 2.500 Euro auch in Österreich einzuführen. Derzeit gibt es aber noch keine Zustimmung aus der Politik.

Wie lange die Rabattschlacht tatsächlich noch anhalten wird, hängt aber nicht nur vom Lagerdruck ab, sondern auch von der Entwicklung des kommenden Jahres. Konzernbosse wie Ford-Chef Alan Mulally geben sich zwar optimistisch: „2009 ist das Jahr der neuen Chancen. Wir sind schon richtig aufgeregt.“ Ob die Aufregung nicht doch in Panik umschlägt, hängt davon ab, ob die Kunden wenigstens auf extreme Rabatte ansprechen.

Von Anneliese Proissl, Ingrid Krawarik und Rainer Grünwald

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