Problem ist nicht die Wirtschaft, sondern das Politsystem

In Österreich die Eurofighter-Causa, in Deutschland der Siemens-Skandal: Vier Experten über Korruption, Bestechung und Schmiergeld.

Das Ziel eines Betriebes ist, seine Produkte und Dienstleistungen bestmöglich zu verkaufen. Dabei spielt in vielen Branchen die öffentliche Hand eine wichtige Rolle, weil sie ein bedeutender Abnehmer ist. Was passiert aber, wenn die Kriterien für eine Auftragsvergabe nicht Qualität und Preis sind? Wollen sie den Auftrag nicht verlieren, dann müssen sich die Betriebe überlegen, wie intensiv sie sich auf Grauzonen oder illegale Wege einlassen. Das Problem ist also zuerst nicht die Wirtschaft, sondern das politische System.

Welche Transparenz wird von diesem zugelassen, und was versteht es als unanständig? Diese beiden zentralen Fragen wären zu beantworten. Das brächte auch für Betriebe eine klare Orientierung, aber gerade damit tun wir uns in Österreich sehr schwer. Ein Finanzminister, der die Grenzen zwischen privat und öffentlich nicht sauber trennen kann, ein führender Offizier, der nichts dabei findet, über die Produkte einer Firma mitzuentscheiden, für die sein Trauzeuge gerade arbeitet, oder eine schleichende Vermischung von Anzeigengeschäft und Berichterstattung in den Medien bilden ein österreichisches Biotop, in dem vieles möglich und weniges als unanständig empfunden wird.

Dies paart sich mit einer anderen, internationaleren Entwicklung: der Kommerzialisierung aller Lebensbereiche. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gaukeln wir den jungen Menschen vor, dass sie in kurzer Zeit durch das Nachsingen von Durchschnittsliedern zu Megastars werden können. Ein ähnliches Anbot liefert das Glücksspiel: Reichtum übers Wochenende. Wenn das also möglich ist, wozu dann noch den beschwerlichen Weg gehen? Die logische Konsequenz sind dann Manager, die sich trotz Jobabbaus enorme Prämien holen, Personalvertreter, die sich individuelle Geldvorteile in ihrem Betrieb verschaffen, oder Beamte und Politiker, die auch am Gewinnkuchen der Unternehmen „mitnaschen“ wollen.

Die Wirtschaft ist kein eigenes System, sie funktioniert auf Basis jener zentralen Werte, die sich unsere Gesellschaften geben. Eben ein Spiegelbild für das, was abseits der Sonntagspredigten wirklich ist.

Brigitte Ederer

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