Preistreiber Erdöl: Teurer Winter

Der nächste Winter kommt bestimmt und wird kostspielig: Denn der Ölpreis macht neben Benzin und Diesel auch Heizöl, Gas und Kohle teurer. Die Energiekosten steigen um 13 Prozent.

Familie Stepschitz aus dem südlichen Burgenland rechnet bereits. Ob es sich ausgeht mit dem familiären Budget. Denn das ist knapp bemessen.
Ein wenig danebenkalkuliert, schon ist das Konto im roten Bereich. Der kinderreiche Klan, vier Buben und zwei Mädchen, hat einen hohen Kostenfaktor im Haushalt: Energie. Und Energie wird heuer teuer. Hausherr Peter Stepschitz: „Wir werden in diesem Winter um 1.000 Euro mehr für energiebezogene Kosten ausgeben müssen als noch 2003. Als traurige Konsequenz werden wir den Skiurlaub streichen.“
Nicht jeder wird aufgrund der hohen Energiekosten gleich den wohlverdienten Urlaub canceln müssen, doch spüren werden die Preissteigerung alle. Maßgeblich für die hohen Energiekosten ist das Rohöl, dessen Preis auf eine Rekordhöhe schnellte. Vor zwei Wochen notierte das schwarze Gold auf einem absoluten All-time-High. Und diese Woche wurde die Marke noch einmal durchbrochen (über 51 Dollar).

Experten vermuten, dass Öl auch weiterhin auf einem schmerzhaften Pegel verweilen wird. Bei hohen Ölpreisen werden Benzin, Diesel, Heizöl, Erdgas und auch Strom kostspieliger. Und die Energie- und Treibstoffausgaben machen sieben Prozent des gesamten Haushaltsgeldes aus. Im Vorjahr brachten die Österreicher dafür 7,7 Milliarden Euro auf. Davon entfielen 28 Prozent auf Strom, 37 Prozent auf Heizen und der Rest auf Fahrzeuge. Für heuer rechnet die Energieverwertungsagentur (EVA) mit 8,7 Milliarden Euro, was einer Steigerung von knapp 13 Prozent entspricht. Fritz Unterpertinger, EVA-Chef: „Es steht uns ein teurer Winter bevor“.

Kein Ende des Ölhöhenflugs in Sicht. Wie lange der Höhenflug des Rohöls noch an-dauern wird, ist ungewiss. Öl-experte Johannes Benigni, Geschäftsführer von PVM Oil Associates, erklärt: „Es gibt viele Faktoren. Aber ich kalkuliere, dass wir bis Februar nächsten Jahres noch mit hohen Preisen rechnen müssen. Wird es ein harter Winter, kann es noch länger dauern.“

Die damit verbundenen hohen Energiepreise haben sogar schon spürbar die Inflation angeheizt. Energieexperte Ditmar Wenty von der Arbeiterkammer: „In den derzeitigen 2,4 Prozent Inflation sind 0,4 Prozentpunkte auf die höheren Energiekosten zurückzuführen.“ Steigt der Ölpreis noch einmal, ist auch das Wirtschaftswachstum für 2005 in Gefahr. Stefan Bruckbauer, Ökonom der Bank Austria Creditanstalt: „Wenn der Ölpreis für die Marke Brent auf 50 Dollar klettert und dort auch länger bleibt, müssen wir unsere Wachstumsprognose von 2 Prozent auf 1,8 Prozent revidieren. Das entspricht einem volkswirtschaftlichen Einbruch von 464 Millionen Euro.“

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