Preis für Flugtickets sollen weiter steigen

Hoher Vertriebsaufwand und hoher Ölpreis treiben die Fluglinien zu ­verstärktem Cost-Cutting. Folge für die Passagiere: Tickets werden teurer.

Der Präsident des Österreichischen Vereins für Tourismus (ÖVT), Jo­seph Reitinger-Laska, ist erzürnt: „Ich verstehe nicht, dass sich eine Million Österreicher, die regelmäßig fliegen, an­dauernde Preiserhöhungen gefallen lassen.“ Interessenvertretungen wie jene von Laska und die Wirtschaftskammer laufen Sturm gegen eine geplante Ticketpreis­erhöhung der Lufthansa (LH). Um ganze 30 Euro soll ein Flug mit Lufthansa oder deren Tochter Swiss ab 1. Oktober teurer werden – für alle, die Tickets im Reisebüro kaufen. Die neue Gebühr soll den Reisebüros aufgebrummt werden, die sie ihren Kunden weiterverrechnen müssen. Buchungen im Internet oder bei der Lufthansa direkt sind laut dem Vorhaben von der Teuerung nicht betroffen.
Als „marktwirtschaftlichen Tabubruch und stark wettbewerbsverzerrend“ be­zeichnet die Touristikbranche die von der Kranich-Airline als „Vorzugspreis-Modell“ verkaufte Zusatzgebühr. „Die Österreicher werden über den Tisch ge­zogen. So kann das nicht weitergehen“, wettert Reitinger-Laska. Über Reisebüros laufen trotz Konkurrenz aus dem Internet immer noch 80 Prozent des Ticketverkaufs. Auch Norbert Draskovits, Vorstand des Verkehrsbüros und Vizepräsident des Österreichischen Reisebüroverbandes (ÖRV), hält wenig von der Lufthansa-Aktion, hofft jedoch auf ein Einlenken der Deutschen. „Der Druck liegt bei ihnen – Österreich ist nicht ihr Heimatmarkt, hier gelten andere Marktkräfte.“

Der Kostendruck wird stärker. Mit der Preiserhöhung will die Lufthansa ihre Kosten von jährlich 200 Millionen Euro für Computerreservierungssysteme in den Griff bekommen. Karsten Benz, LH-Vizepräsident Sales und Services, peilt eine Halbierung des Aufwandes an. Der Druck auf den Vertrieb der Lufthansa kommt vor allem vonseiten der Low-Cost-Carrier. Die zweitgrößte Fluglinie Europas sieht sich im Wettbewerbs­nachteil gegenüber den vorwiegend im Eigenvertrieb und via Internet funktionierenden Billigfliegern.
Die teuren Reservierungssysteme lasten auch auf dem Budget der AUA.
Für Area Manager Robert Biegler hat die Kos­tensenkung „oberste Priorität“. Dennoch ist man in der Zentrale des Nationalcarriers vorsichtig mit Äußerungen zu einer möglichen Reisebürogebühr. Denn sollte die AUA dem Beispiel der Lufthanseaten folgen, droht der ÖVT mit Klagen. „Unsere Anwälte sehen am Beispiel des LH-Plans mehrere Möglichkeiten, notfalls rechtliche Schritte einzuleiten“, sagt Rei­tinger-Laska. Die AUA gibt sich deshalb kooperativ. Es würden „Maßnahmen überlegt“, es solle jedoch „ein gemeinsamer Weg mit den Vertriebspartnern sein“, betont Sprecher Michael Braun.

Erste Gespräche zwischen AUA und den In­teressenvertretungen sind für Ende April geplant. Dann wird sich Andreas Bierwirth als neuer AUA-Vorstand für Marketing und Vertrieb eingearbeitet haben. Bierwirth wechselte mit 1. April von der Lufthansa zur AUA; er war dort maßgeblich an der Entwicklung des umstrittenen Preismodells beteiligt. Nicht abzusehen ist außerdem, in welche Höhen der ständig steigende Ölpreis die Ticketpreise noch treibt. Zuletzt sind die Treibstoffzuschläge bei AUA und Lufthansa Mitte März auf Kurz- und ­Mittelstrecken um drei Euro auf 17 Euro erhöht worden. Auf Langstrecken beträgt der Zuschlag pro Flugstrecke weiterhin 77 Euro. Seit der Einführung des Zu­schlags 2004 hat sich der Ölpreis ungefähr verdreifacht, der Zuschlag bei Lang­streckentickets ist aber mittlerweile elf­mal so hoch wie zu Beginn (sieben Euro). Inner­europäisch stieg er um mehr als das Achtfache. Selbst ein erfolgreiches Hedging (Ab­sicherungsgeschäfte bei steigenden Öl­preisen) kann die Mehrkosten für die Airlines nicht zur Gänze auffangen. Die AUA hat für 2008 laut General Alfred Ötsch Hedging-Positionen für 20 Prozent ihres Verbrauchs aufgebaut (zum Vergleich: 85 Prozent bei Lufthansa). Ein AUA-Spre­cher: „Wir betreiben kein spekulatives Hedging, sondern versuchen, die Preisspitzen zu glätten und das Risiko besser zu streuen.“

Emissionshandel und Open-Sky. Eine weitere Anhebung der Flugpreise könnte das Thema Emissionshandel bringen. Zertifikate für den Ausstoß von CO2 ­sol­len laut Vorstellungen der EU Fluglinien künftig stärker belasten. Auch wenn genaue Zahlen noch fehlen, betont AUA-Chef Ötsch bereits: „Wir werden jedenfalls die Kosten weitergeben müssen.“ Einziger Lichtblick für Flugreisende ist das Open-Sky-Abkommen zwischen den USA und der EU. Mit der Übereinkunft kann seit dem 30. März jede Airline von jedem Flughafen in Europa Flüge in die USA anbieten und von dort aus in Drittländer bedienen. Die Rechenmodelle der EU sagen voraus, dass Transatlantik­tickets dadurch um 25 bis 43 Euro güns­tiger werden. Luftfahrtexperten gehen jedoch davon aus, dass der Kerosinpreis die Verbilligung auffressen wird.

Von Romana Kanzian

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