Porsche: Volkswagen wird rotweißrot

Mit dem Einstieg von Porsche bei Volkswagen übernimmt die in Österreich fest verwurzelte Autodynastie der Porsches und Piëchs das Steuer bei Europas größtem Automobilkonzern.

Es ist der Coup des Jahres in der Autoindustrie: Der höchst erfolgreiche Sportwagenhersteller Porsche wird 3,3 Milliarden Euro in die Hand nehmen und sich mit 20 Prozent an VW beteiligen. Damit sichert der kleine, hochprofitable schwäbische Autobauer den mit Problemen kämpfenden – gemessen am Jahresumsatz mehr als 13-mal so großen – Volkswagen-Konzern gegen eine feindliche Übernahme ab. Porsche wird, so das Hamburger Magazin „Der Spiegel“, für VW zum „weißen Ritter“. Doch eigentlich reitet der Ritter Porsche unter rotweißroter Flagge: Alle Stammaktien der Porsche AG befinden sich im Besitz der Familien Porsche und Piëch, Nachfahren des legendären österreichischen Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche. Sie alle sind österreichische Staatsbürger und die meisten von ihnen nach wie vor aufs engste verbunden mit den familieneigenen Liegenschaften im salzburgischen Zell am See, wo die dritte Generation der Porsches und Piëchs nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Anwesen Schüttgut aufwuchs.

Eingefädelt hat den Deal einer von ihnen: Ferdinand Piëch, 68, der von 1993 bis 2002 den VW-Konzern lenkte und als Aufsichtsratschef des von ihm engagierten Nachfolgers Bernd Pischetsrieder dort bis heute der eigentliche starke Mann ist. Er hatte VW aus einer tiefen Krise herausgeführt, die Autoindustrie mit der Plattformstrategie revolutioniert und die VW-Markenfamilie mit Audi, Seat und Skoda strategisch exzellent aufgestellt. Seine kostspieligen Ambitionen, den Konzern auch in die Oberklasse zu führen – Piëch stieg bei Bentley, Bugatti und Lamborghini ein und ließ den Zwölfzylinder Phaeton entwickeln –, wurden zuletzt aber immer häufiger für die aktuelle Krise bei VW verantwortlich gemacht.

Familie des Käfer-Erfinders übernimmt VW-Führung. Indem Piëch die rotweißrote Autodynastie nun zum größten VW-Aktionär macht, schließt er den Kreis zu seinem Großvater Ferdinand, der nicht nur den Käfer entworfen, sondern als Geschäftsführer für Technik und Planung auch schon den Aufbau des Volkswagenwerks im Dritten Reich geleitet hatte.

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