Politik gegen Spekulanten

Das neue Feindbild in der Kapitalismusdebatte sind die Hedgefonds: Wie Gerhard Schröder und Wolfgang Schüssel die bösen Buben der Finanzwelt regulieren wollen.

Es kann nicht sein, dass man dem Agieren der Hedgefonds international taten- und willenlos zusieht“, schmetterte der Redner ins Publikum. „Ich stelle das aus ordnungspolitischer Sicht infrage.“ Ganz kurz hätte man glauben können, man befinde sich auf einer Veranstaltung von Attac oder von Oskar Lafontaines neuer Links-Partei, auf der das Publikum mit bewährten globalisierungskritischen Ansagen versorgt wird. Aber nein: Der Redner war VP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, und er präsentierte gerade den Wirtschaftsbericht der österreichischen Bundesregierung.

Schüssel stieg mit seinem finanzmarktkritischen Side-Step am vergangenen Montag, dem er den Ruf nach EU-weiten Regulierungen folgen ließ, in eine heiß laufende internationale Debatte um die Macht der Hedgefonds ein – und um die Ohnmacht von Politik und alteingesessenen Unternehmen gegenüber diesen hochspekulativen Fonds, die mittlerweile über 1.000 Milliarden Dollar verfügen und diese ohne jegliche Regulierung kurzfristig um den Globus bewegen.

Begonnen hatte die Debatte der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, der damit der innerparteilichen Linken ein „Zuckerstückchen“ bot, wie es deutsche Medien formulieren. Im Mai hatte der britische Hedgefonds TCI die Deutsche Börse-AG gehörig aufgemischt, an der er mit rund acht Prozent beteiligt ist: Erst musste Börse-Chef Werner Seifert seinen Lebenstraum vom Kauf der Londoner Börse begraben – die Investition passte nicht in die kurzfristig ausgelegten Gewinnpläne von TCI-Boss Christopher Hohn. Stattdessen schüttete Seifert, wie von TCI gefordert, die angehäuften Barmittel in dreistelliger Millionenhöhe an die Aktionäre aus. Dann zwang TCI Seifert Ende Mai zum Rücktritt. Andere deutsche Unternehmen zittern nun vor der Macht der Zocker: An 16 der 30 Dax-Unternehmen sind Hedgefonds beteiligt, weitere sieben vermuten eine Beteiligung, ergab eine Umfrage der „Financial Times“.

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