Pensionen in der Krise - Vorsorge im Kursgewitter

Die staatliche Pension sichert nur noch die Basisversorgung. Doch wegen der Börsenkrise zahlen jetzt auch die privaten Lebensversicherungen zwanzig Prozent weniger aus als ursprünglich versprochen. Auch Betriebspensionen werden gekürzt.

Vorsorge zu treffen ist das Kerngeschäft jeder Versicherung. Was jedoch Gabriele Hoffmann, Sprecherin des deutschen Versicherungsverbandes vergangene Woche als „reine Vorsorgemaßnahme“ bezeichnete, sorgte für helle Aufregung weit über die Branche hinaus: Die deutschen Lebensversicherer gründen eine Auffanggesellschaft, die einspringen soll, falls eine Gesellschaft zahlungsunfähig wird. Der erste Kandidat ist ausgerechnet die kirchennahe Familienfürsorge Lebensversicherung aus Detmold, die wegen finanzieller Schieflage nach Fehlspekulationen an der Börse unter Zwangsverwaltung gestellt werden mußte. Auch sonst ist in der Branche Feuer am Dach: Die deutsche Versicherungsaufsicht verlangt ultimativ detaillierte Auskünfte über die Auswirkungen der Börsenkrise auf die Stabilität aller Assekuranzen. Und für die Wirtschaftsmagazine in Deutschland sind die notleidenden Lebensversicherer derzeit das heißeste Coverthema.

Felix Austria
Die Lage in Österreich stellt sich allerdings weniger dramatisch dar. Kein Versicherungssparer muß um seine eingezahlten Prämien zittern. Andreas Grünbichler, Chef der neuen österreichischen Finanzaufsicht FMA: „Die Verhältnisse sind nicht übertragbar. In Österreich ist nämlich der Aktienanteil der Lebensversicherungen deutlich geringer als in Deutschland. Was in den letzten Jahren ein Nachteil war, wurde jetzt zum Vorteil.“ Dementsprechend, so Grünbichler, besteht zumindest derzeit noch keine Notwendigkeit einer Auffanglösung wie in Deutschland.

Doch auch in Österreich verlieren Versicherungsnehmer wegen der Börsenschwäche voraussichtlich einiges Geld. So bringt etwa ein 1987 abgeschlossener Er- und Ablebensvertrag um 19 Prozent weniger als prognostiziert.

FORMAT zeigt, mit welchen Lücken Sie nicht nur bei der staatlichen, sondern auch bei den privaten und betrieblichen Vorsorgesystemen rechnen müssen und wie gut Ihre Assekuranz derzeit dasteht.

Lückenschluss notwendig
Eines steht fest: So notleidend alle Vorsorgeformen mit Aktienkomponenten derzeit auch sein mögen, die Eigenvorsorge bleibt unverzichtbar. Das staatliche Pensionssystem wird nämlich in Zukunft vor allem für Besserverdiener nur noch eine Basisabsicherung bieten. Für die Butter aufs Brot muß man mittels privater Vorsorge selbst aufkommen. Die Pensionslücke wächst mit zunehmendem Einkommen kräftig: So muß ein heute 35jähriger Mann mit einem aktuellen Bruttoeinkommen von 2.500 Euro bei Pensionsantritt in 30 Jahren monatlich auf 662 Euro netto verzichten. Wer heute 5.000 Euro verdient, dem fehlen in der Pension dagegen schon 2.348 Euro pro Monat, und mit derzeit 7.000 Euro brutto beträgt das Manko zu Pensionsantritt schon fast 4.000 Euro – netto, wohlgemerkt.

Die Kosten, um diese Lücke privat zu stopfen, sind erheblich – und steigen durch die absehbaren Kürzungen der Auszahlungen bei den Lebensversicherungen weiter. So muß ein heute 30jähriger Mann für 500 Euro monatliche Zusatzpension ab 65 bereits rund 1.000 Euro im Jahr einzahlen. Das ist etwa ein Fünftel mehr als noch vor drei Jahren prognostiziert.

Weniger staatliche Pension
Außerdem basieren Kalkulationen über die Rentenlücke noch auf dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter von 65 Jahren. In der Praxis treten Männer in Österreich aber derzeit schon mit 58,5 Jahren in den Ruhestand – und müssen mit empfindlichen Abschlägen rechnen. Wer vor dem Regelpensionsalter (65 Jahre für Männer, 60 für Frauen) aus dem Erwerbsleben ausscheidet, verliert pro Jahr drei Prozentpunkte seines Pensionsanspruchs. Außerdem wird ab dem 1. 1. 2003 die Bemessungsgrundlage für die Pensionshöhe stufenweise von 180 auf 216 Monate angehoben. Das heißt, daß künftig nicht mehr die besten 15, sondern die besten 18 Jahre für die Berechnung der Pensionshöhe zählen.

Autoren: Martin Kwauka, Michael Schmid

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