Peking unterzieht sich radikalem Relaunch

Verbotene Stadt, Kaiserpalast und Tor des Himmlischen Friedens sind immer noch eine Reise wert. Peking hat inzwischen jedoch mehr zu bieten. Die besten Architekten der Welt haben anlässlich der Olympischen Spiele das Bild der Metropole radikal verändert.

Wenn am 08. 08. 08 um 08.08 Uhr die Olympischen Sommerspiele eröffnet werden, dann werden die besten Sportler der Welt in Peking versammelt sein. Die besten Architekten und Designer sind dann längst schon hier gewesen und haben die chinesische Hauptstadt einem radikalen Stilwandel unterzogen.

Selbstverständlich beeindruckt Peking nach wie vor mit seinen historischen Sehenswürdigkeiten: Verbotene Stadt samt Kaiserpalast, Platz des Tores des Himmlischen Friedens, Himmelstempel, Sommerpalast, Trommelturm und etwas außerhalb der Stadt die Chinesische Mauer. Lange Zeit galt ja Shanghai, die Metropole im Süden, als das Symbol für das neue China, das den Spagat zwischen parteigesteuertem Kommunismus und hemmungslosem Kapitalismus versucht. In dieser Wirtschaftswunderstadt wurden eilig neue Stadtteile aus dem Boden gestampft, wurde Wolkenkratzer nach Wolkenkratzer hochgezogen, jeder mit dem Ehrgeiz, noch höher, noch spektakulärer, noch beeindruckender zu sein als der Vorgänger. Die großen Hotelketten errichteten Vorzeigehäuser, die wichtigs­ten Luxusmarken zogen in die alten Prachtbauten am Bund ein, und Starköche aus aller Welt eröffneten schicke Restaurants.

Und Peking? Peking galt als die hässliche Schwester. Düster, bürokratisch, nüchtern, nördlich, unsexy. Shanghai stand für den bunten Schein des Kapitalismus, Peking für graue Bürokratie. Schön ist Peking immer noch nicht. Aber die „Nord-Hauptstadt“ hat sich einem radikalen Relaunch unterzogen und gilt plötzlich als der Ort, an dem man den aktuellen Zeitgeist Chinas entdecken kann – oder zumindest das, was westliche Besucher gern da­für halten wollen. Ein Aufenthalt in Peking kann dann so aussehen: Ankunft auf dem fulminanten neuen Flughafen, der nach Plänen des Stararchitekten Sir Norman Foster in unglaublicher Rekordzeit errichtet wurde und der den Besucher mit seinen gigan­tischen Dimensionen schwer beeindruckt und gut einstimmt auf das, was noch kommen wird. Dann Einchecken in eines der zahlreichen nagelneuen Superhotels, die in Erwartung der Olympischen Spiele errichtet wurden. Nicht nur große Hotelketten wie Raffles, Grand Hyatt oder St. Regis haben jüngst sehr schöne Häuser eröffnet, auch inter­essante und empfehlenswerte Boutique­hotels wie das Kapok oder das Côté Cour sind entstanden.

Ein guter Ort , um sich einen ersten Überblick über das neue Peking zu verschaffen, ist das Museum für Stadtentwicklung. Hier spaziert man auf Glasplatten über ein aktuelles Modell der Stadt mit jenen beeindruckenden Bauten, die einige der bedeutendsten zeitgenössischen Architekten in den letzten Jahren hinterlassen haben. Rem Koolhaas, der niederländisch-britische Visionär, hat mit seinem Entwurf für den CCTV Tower, das Hauptquartier des chinesischen Staatsfernsehens, einen wagemutigen Bau hingesetzt, der das Zeug hat, das neue Wahrzeichen der Stadt zu werden, der Amerikaner Steven Holl errichtet gerade einen gigantischen, kühnen Apartmentkomplex namens „Linked Hybrid“, und der Franzose Paul Andreu hat das Große Nationaltheater entworfen, das wie ein halbiertes Ei aussieht.

Höher. Schneller. Weiter. Klar, dass in Vorbereitung zu den Olympischen Spielen neue Sportstätten gebaut wurden und dass man auch hier nicht nur darauf Wert gelegt hat, dass sie allen Ansprüchen an moderne Wettkampfstätten entsprechen, sondern auch darauf, dass sie Architekturgeschichte schreiben. Zu den herausragenden Werken zählt das Nationalstadion der beiden Schweizer Stararchitekten Herzog und de Meuron, das wegen des Stahlgeflechts, das es umgibt, „Vogelnest“ genannt wird. Gleich nebenan ist das Nationale Schwimmzentrum des australischen Architektenteams PTW, das von einem Wasserschaummantel aus 3.000 Luftkissen umhüllt ist, der in der Nacht strahlend blau leuchtet.

Aber nicht nur coole Hotels wurden eröffnet , plötzlich gibt es auch hippe Bars, lässige Cafés und Teehäuser und hervorragende Restaurants. Und die ehrgeizigen Flagship-Stores der Luxuswarenhersteller sind auch schon da.
Auch in Sachen Kunst hat Peking gegenüber Shanghai gewaltig aufgeholt. Die Szene ist im Dashanzi Art District versammelt. Eine ehemalige Elektronikfabrik wurde das Epizentrum der modernen chinesischen Kunst. Hier finden sich Galerien, Künstlerateliers, Cafés, Boutiquen und Buchhandlungen. Bemerkenswert ist vor allem das Ullens Center for Contemporary Art, das die belgischen Kunstsammler Guy und Myriam Ullens errichtet haben.

Und am Abend? Da heißen die angesagten Adressen Song Music Bar & Kitchen, dessen kurvige Innengestaltung allein schon einen Besuch wert ist und wo sich vor allem Menschen aus der Kreativszene treffen. Oder Block 8, ein Konglomerat von Restaurant, Bar, Club und einer tollen Dachterrasse, die im Sommer Pekings In-Location ist. Oder der Lan Club, den kein Geringerer als der französische Designer Philippe Starck sehr eigenwillig zu einem neobarocken Erlebnisraum gestaltet hat. So beeindruckend diese neuen Bauten auch sind, seine Attraktivität bezieht Peking vor allem aus dem Nebeneinander von kaiserlicher Pracht, nüchterner Architektur aus Maos Tagen und jenem hippen, wilden, bunten Glamour, den die neue Zeit in die Stadt gebracht hat.

Von Gerald Sturz

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