Patienten erster Klasse

Österreichs Krankenversicherer wollen mit zahlreichen neuen und kostengünstigen Tarifen sowie Prämien-Sonderkonditionen den Markt für die private Kranken-Zusatzversicherung beleben. Freie Arzt- und Krankenhauswahl sowie komfortable Krankenzimmer sind die Vorteile einer privaten Versicherung.

Die Wünsche sind durchaus verständlich: Viele Österreicher wollen im Krankheitsfall nicht in einem kargen Spitals-Mehrbettzimmer liegen und von hektischen Stationsärzten versorgt werden. Aber die Unterbringung in der Privatklinik im schönen Ambiente und die persönliche Betreuung als Privatpatient durch den Professor ist nicht umsonst. Die Prämien für eine Spitals-Sonderklasseversicherung können je nach Einstiegsalter monatlich zwischen 60 und 200 Euro kosten. Nach einer jüngsten Umfrage des Gallup Instituts und der Karmasin Marktforschung sind deshalb 76 Prozent der Befragten der Ansicht, dass eine Krankenzusatzversicherung „nur etwas für Besserverdiener“ ist.

Mit diesem Hochpreis-Image wollen die österreichischen Krankenversicherer jetzt aufräumen und mit attraktiven Einsteiger- und Sondertarifen zu leistbaren Prämien den Markt beleben. Der wuchs in den letzten Jahren nur bescheiden. Das Prämienaufkommen steigerte sich 2005 im Vergleich zu 2004 um vier Prozent auf einen Gesamtbetrag von 1,4 Milliarden Euro. Ab einem monatlichen Nettoeinkommen von 2.000 Euro haben laut Umfrage 36 Prozent der Österreicher eine Zusatzversicherung. Mit 1.500 Euro netto sind ein Fünftel versichert. Bei Selbständigen und Freiberuflern hat jeder Zweite privat vorgesorgt. In Summe haben derzeit mehr als eine Million Kunden eine Sonderklasseversicherung. Als deren wichtigster Vorteil wird der Zugang zu besten und modernsten Behandlungsmethoden genannt, die freie Arzt- und Krankenhauswahl ist wichtiger als schönere Krankenzimmer.
Auch bei Neuabschlüssen spielt das medizinische Motiv eine entscheidende Rolle, verbunden mit der Sorge, dass, ähnlich wie beim Pensionssystem, das staatliche Gesundheitssystem in Zukunft immer mehr Abstriche bei den Leistungen vornehmen wird und deshalb privat vorgesorgt werden muss.

Ausgehend vom Umfrageresultat, dass 60 Prozent eine Privatversicherung abschließen würden, wenn die Preise stimmen, positionieren die heimischen Assekuranzen neue Angebote.

Frauen zahlen weniger. Noch taufrisch sind die seit Mai gültigen Tarife der Wiener Städtischen, die unter anderem die Kosten für eine zweite Arztmeinung vor Operationen übernimmt, um die Diagnose abzusichern, und ihre Sonderklassetarife in der Krankenversicherung umfassend erneuerte. Dabei hat man auch als erstes Unternehmen Unisexprämien eingeführt. Hintergrund: Bisher zahlten Frauen stets höhere Prämien, um das so genannte Geburtsrisiko abzudecken. Eine EU-Gleichbehandlungsrichtlinie, die mit Dezember 2007 wirksam wird, legt fest, dass diese Zusatzkosten auf beide Geschlechter aufzuteilen sind.

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