Parmalat-Skandal: Die Österreich-Connection

Von Österreich aus hatte der italienische Skandalkonzern Parmalat ein gewaltiges Netzwerk dubioser Briefkastenfirmen aufgebaut und äußerst diskret verwaltet.

Das Büro des Finanzexperten Alexander Walther, 34, befindet sich in Wipplingerstraße 30, dem ehemaligen Domizil des österreichischen Milchwirtschaftsfonds. Das Thema Milch stößt Walther derzeit allerdings sauer auf. Er ist unter anderem Geschäftsführer von Parmalat Austria und damit in einen Skandal involviert, der von Italien aus immer weitere Kreise zieht.

Im Dezember war der Konzern unter einer Schuldenlast von 13,5 Millionen Euro zusammengebrochen. Firmenchef Calisto Tanzi, Finanzchef Fausto Tonna sowie weitere Manager und Wirtschaftsprüfer wurden wegen Verdachts auf betrügerischen Bankrott, Bilanzfälschung und Veruntreuung verhaftet. Inzwischen liegt der auch gesundheitlich angeschlagene Tanzi im Spital, während die Staatsanwaltschaften in Mailand und Parma auf Hochtouren ermitteln.

Auch der Wiener Staatsanwalt Erich Müller ist umtriebig. Er vermutet eine wichtige Rolle von Parmalat Österreich in der Betrugsaffäre. Müller: „Die Kriminalpolizei ist mit Ermittlungen beauftragt. Auf ein offizielles Rechtshilfeansuchen aus Italien warten wir noch.“

Staatsanwaltschaft Wien ermittelt. Diese Ermittlungen konzentrieren sich auf das dubiose Beteiligungsnetz von Parmalat Österreich, einer reinen Briefkastenfirma, die Walther verwaltet. Der zweite Österreich-Geschäftsführer, Claudio Pessina, sitzt wegen seiner Funktion in der Finanzabteilung der Parmalat-Zentrale schon in Haft. Walther, in der Branche als „Offshore-Spezialist“ bekannt, zu seiner Funktion: „Ich bin Geschäftsführer der Firma TMF. Zu deren Serviceleistungen gehört es, nichtoperative Geschäftsführer für Mantelgesellschaften zu stellen.“

Die Österreich-Tochter des Milchriesen kam auf Umwegen zu ihrem Firmennetzwerk. 1998 wollte Parmalat Netherlands bei der heimischen Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG eine leere Firmenhülle kaufen. „So eine Abtretung ist üblich. Parmalat hatte eine einwandfreie Reputation“, erinnert sich KPMG-Partner Hans Zöchling. Die KPMG verkaufte im Dezember 1998 die nie operativ tätige Grömig Beteiligungs GmbH an die Holländer.

Noch im gleichen Monat transferierte der Parmalat-Konzern alle bis dahin über die Niederlande gehaltenen Auslandsbeteiligungen wegen einer Reform der Unternehmensbesteuerung in Holland in die Grömig und benannte diese in Parmalat Austria um. Dazu kam als wichtigste Gesellschaft die Curcastle Corporation mit Sitz auf den niederländischen Antillen. An ihr hängen Beteiligungen in Afrika, Mittelamerika und der Karibik – aber direkt und indirekt auch zahlreiche Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen wie Isle of Man, Malta oder Cayman Islands. Sie sollen als zentrale Schaltstellen für die mutmaßlichen Milliarden-Finanzbetrügereien bei Parmalat fungiert haben.

Auch die Bonlat Financing Corp. mit Sitz auf Grand Cayman steht im Einflussbereich von Parmalat Österreich. Via Bonlat wurde ein Bankguthaben von 3,9 Milliarden Euro bei der Bank of America gefälscht. Diese Machenschaft brachte den Skandal im Dezember ins Rollen.

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