Osterweiterung: Das Siemens-Netzwerk

Siemens-Österreich-Chef Albert Hochleitner führt jetzt schon die profitabelste Tochter des deutschen Elektronikriesen. Mit der EU-Erweiterung nächste Woche wird sein Einflussgebiet noch größer.

Am 1. Mai werden Österreichs östliche Nachbarländer mit der EU-Osterweiterung auch politisch zu einem Teil des gemeinsamen Europa. Für Siemens Österreich geht die Vergrößerung ihres Verantwortungsbereichs hingegen schon weit über die nächste EU-Erweiterungsrunde hinaus. Zur Alleinverantwortung für die sechs Ostmärkte Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien-Montenegro und Rumänien wird der heimischen Tochter des deutschen Elektronikkonzerns demnächst auch die Zuständigkeit für Bulgarien übertragen. Für Albert Hochleitner, 63, ist damit die Oststrategie, die er bei seinem Antritt als Vorstandschef von Siemens Österreich vor zehn Jahren in die Wege leitete, voll aufgegangen. Er ist heute für ein Geschäftsgebiet mit 56 Millionen Einwohnern verantwortlich. „Unser Stammhaus in München war damals stark mit der Expansion in Ostasien und Nordamerika beschäftigt. Wir haben uns daher um die Kompetenz für diese Länder beworben und 1994 zunächst die Verantwortung für Kroatien, Slowenien und die Slowakei bekommen“, erinnert sich Hochleitner an die historische Weichenstellung.

Unter der Führung des gebürtigen Salzburgers, der als Präsident der Wiener Industriellenvereinigung und des TU-Absolventenverbandes über eines der exzellentesten Beziehungsnetzwerke in der heimischen Wirtschaft verfügt, stieg der Siemens-Umsatz in den von Österreich aus betreuten Märkten von 70 Millionen Euro im Jahr 1994 auf über 750 Millionen im abgelaufenen Geschäftsjahr. Allein im letzten Jahr wuchsen Umsatz und Auftragseingang in dieser Region um 23 Prozent, das operative Ergebnis sogar um 59 Prozent. Und im Geschäftsjahr 2002/03 waren die Österreicher bereits zum vierten Mal in Folge die weltweit profitabelste Tochter im Siemens-Konzern.

Siemens-Konzern will von den Österreichern noch höhere Gewinne sehen. Die Austro-Tochter genießt deshalb innerhalb der Gruppe großes Ansehen – und so manche Freiheit, von der andere Landesgesellschaften nur träumen können. „Siemens Österreich hat im Konzern eine gute Stellung, keine Sonderstellung“, relativiert Hochleitner, freilich mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein: „Mit 20 Prozent Marktanteil liegen wir konzernweit mit Abstand an der Spitze.“ Die 17.200 heimischen Siemensianer erwirtschafteten im Vorjahr 3,7 Milliarden Euro Umsatz – immerhin ein Plus von 1,4 Prozent, während der Gesamtkonzern um zwölf Prozent weniger verkaufte.

Konzernchef Heinrich von Pierer reicht das aber nicht: Im Vorfeld der am 28. April anstehenden Halbjahresbilanz möchte er aus Österreich „noch bessere Ergebnisse“. Im Vergleich zu Deutschland ist die Lage der Österreicher aber dennoch einigermaßen komfortabel.

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