ORF geht in eine strategische Sackgasse

Quotenschwund, Zuschauerproteste, die Werbewirtschaft will weniger bezahlen: Ist der ORF trotz (wegen) der Programmreform am Ende?

Die aktuelle Situation des ORF gibt Anlass zur Sorge und nicht zur Polemik. Worum geht es? Es geht nicht um die Befindlichkeiten von Einzelpersonen und deren Inszenierungsstrategien. Das läuft auf Selbstgefährdung hinaus. Es geht um viel, viel mehr: um die Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Was hält die zunehmend segmentierte Gesellschaft zusammen? Wo gibt es Raum für Diskurs, für Öffentlichkeit? Welche Plattformen für österreichische Identität im europäischen Kontext stehen uns zur Bildung von Zukunft zur Verfügung?

Ein Teil der Antworten auf diese Fragen liegt in einem Mediensystem, das in einem klugen Mix aus freiem Wettbewerb und gesetzlicher Regelung das schafft, wovon meist nur die Rede ist: öffentlich-rechtlichen Mehrwert. Nutzen für unsere Gesellschaft, ihre Kultur und ihre Demokratie zu stiften: Das ist die Herausforderung für unseren ORF. Das ist die Grundlage für seine Legitimation. Und darauf hat er Antworten zu geben.

Fest steht: Bewährte Formate wie „Willkommen Österreich“ wurden leichtfertig entsorgt. Ein zeitgemäßer Relaunch ohne versteckte Werbebotschaften wäre sinnvoll gewesen.

Anstatt dessen wurde „Mitten im Achten“ zum unglückseligen Kernstück der Programmreform. Mit der „Mitten im Achten“-Strategie geht der ORF in eine programmstrategische Sackgasse. Davon hat niemand etwas, nicht einmal die Werbewirtschaft, und schon gar nicht die 14- bis 29-Jährigen. Dafür brauchen auch keine Österreicherin und kein Österreicher noch mehr ORF-Gebühren zu zahlen. Fest steht: Eine Erhöhung der Programmentgelte wird es auf Basis des bisherigen Reform-Torsos mit der ÖVP nicht geben.

Was der ORF jetzt mehr denn je braucht: unternehmerisches und gestalterisches Engagement, um die öffentlich-rechtliche Perspektive weiterzuentwickeln. Sicher keine Erhöhung der Gebühren auf Kosten der Hörer und Seher. Kreatives und kluges Potenzial vonseiten der Mitarbeiter ist mehr als genug vorhanden.

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