Operation Adlerauge

Augenchirurgie: Pro Jahr lassen sich rund dreitausend Österreicher per Laseroperation von ihrer Fehlsichtigkeit befreien und können auf Brille und Kontaktlinsen verzichten. Doch der Eingriff birgt auch Risiken.

Bildschirmfüllend glotzt das weit aufgerissene Auge aus dem Kontrollmonitor in den Operationsraum. Von links schiebt der Chirurg einen Metallbügel ins Bild, das mit Klammern fixierte Auge starrt weiterhin geradeaus. Was dann passiert, ist nur noch für nervenstarke Laien zu verdauen: Mit geübter Hand hebt der Operateur ein hauchdünnes, transparentes Läppchen von der Hornhaut und klappt diese äußerste Schicht des Auges zur Seite. Jetzt hat ein sogenannter „kalter Excimer-Laser“ freie Schußbahn auf das entblößte, immer noch starr geradeaus blickende Sehorgan. Dutzende Male feuert der Laser eine genau berechnete Dosis aufs Auge, bei jedem Treffer verdampft ein 0,25 Mikrometer dünnes Stückchen Hornhaut. „Das dauert ungefähr eine Minute“, erklärt der Wiener Augenchirurg Hans Gnad von der Wiener Augenlaserklinik. Danach wird der Hautlappen wieder auf das behandelte Auge zurückgeklappt. Seine Wirkung entfaltet der insgesamt nur rund zwanzig Minuten dauernde, Lasik genannte Eingriff nach ungefähr einer Woche. Die modellierte Hornhaut kann jetzt gemeinsam mit der Linse ein scharfes Bild auf die Netzhaut des Auges werfen. Mit anderen Worten: Der Patient sieht scharf. „Wenn beim Eingriff alles gutgeht, dann kann der Patient jetzt auf Brille oder Kontaktlinsen verzichten“, so Gnad.

Mundpropaganda für Augen-OP
Ein Privileg, das immer mehr Menschen zum spektakulären Eingriff bewegt. In den USA grassiert seit Jahren ein regelrechtes Lasik-Fieber, dort blickten nach Schätzungen von Experten bereits eine Million Patienten ins Mündungsrohr eines Excimer-Lasers. Selbst Golf-As Tiger Woods ließ sich auf diese Art die von Berufs wegen notwendige Scharfsichtigkeit wiederherstellen. Auch in Österreich, wo immerhin vier Millionen Menschen zumindest zeitweise eine Brille tragen müssen, findet die Lasik-Methode regen Anklang. „Wahrscheinlich bis zu dreitausend Patienten pro Jahr“, schätzt der Augenchirurg Michael Radda vom Wiener Sozialmedizinischen Zentrum Ost, lassen sich in Ordinationen und Kliniken schärfere Augen machen. „Das läuft meist über Mundpropaganda“, so Radda. „Nach einem erfolgreichen Eingriff stehen bald die Bürokollegen des Patienten vor der Tür und wollen wissen, ob Lasik auch für sie in Frage kommt.“

Die Beantwortung genau dieser Frage ist jedoch schwierig. Denn neben den nicht unerheblichen Kosten von 1.700 bis 3.000 Euro pro Auge müssen die Patienten auch noch Risiken von Nebenwirkungen in Kauf nehmen. Wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, daß bei dem Eingriff am lichtempfindlichen Gesichtssinn etwas schiefgeht, darüber streiten sich die Experten. Sicher, so Hans Gnad, sei nur eines: „Wenn ein Operateur behauptet, daß er null Prozent Komplikationen hat, dann ist das nicht seriös.“

Feiner Laser
Vor Jahren berichtete etwa die strenge US-Arzneimittelbehörde FDA, daß bei immerhin zehn Prozent aller Lasik-Patienten Nachbehandlungen notwendig waren. Heute, so der Innsbrucker Lasik-Arzt Mathias Zirm, würde lediglich ein „minimaler Anteil, sicher weniger als ein Prozent“ seiner Patienten mit Nebenwirkungen zu kämpfen haben. Möglich geworden seien diese Verbesserungen durch die stetige Weiterentwicklung der Gerätschaften: Anstatt mit einem breiten Laser wird die Hornhaut heute mit einem nur ein bis zwei Millimeter breiten Strahl bearbeitet. Während des Eingriffs kontrolliert eine Hochgeschwindigkeitskamera, ob das Auge auch noch in der richtigen Position ist, und justiert gegebenenfalls das Visier des Lasers nach.

Autor: Gottfried Derka

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