Offenen Gesellschaft der Autobranche

Kampf der Kompakten. Sowohl Audi als auch BMW setzen auf Stoff­verdecke. Beim Antrieb wird der Audi von den Vorderrädern bewegt, der BMW von den hinteren.

Meteorologisch gesehen hat der Frühling bereits Anfang März begonnen. Doch Freunde des offenen Verdecks messen dem keinerlei Bedeutung bei. Für sie beginnt die Jahreszeit, in der man sich endlich wieder offener geben kann, jetzt. Denn nach BMW startet in diesen Tagen auch Audi mit dem Verkauf seiner neuen Cabriomodelle. Damit buhlen auf dem Cabriomarkt zwei echte Big Shots mit einem Einsteigermodell um Neukundschaft. „Wir bieten beim Audi A3 erstmals ein Cabrio in der Kompaktwagenklasse an“, so Audi-Technikexperte Hermann Prax. Auch BMW stößt erstmals in diese Nische vor.

Gib Stoff. Das augenfälligste Erken­nungs­merkmal der beiden ist ihr Verdeck: Denn ganz gegen den Trend lassen beide die Hüllen auf durchaus konventionelle Art fallen und präsentieren sich in klas­sischer Stoffbedeckung. Für Stoff statt Stahl gibt es vielerlei Gründe: „Die ­Haube wiegt weniger und faltet sich schneller“, argumentiert Michael Ebner, Pressechef von BMW Austria. Auch optisch sind Cabrios mit einem sogenannten Softtop meist ansprechender. „Mit einem Platz sparenden Dach lässt sich ein knackigeres Heck konstruieren“, erklärt Audi-Technikprofi Prax.

Die Oben-ohne-Versionen der beiden Viersitzer sind nicht nur ansehnlich,
sie sind auch für das praktische Leben bestens geeignet. Mit einem Füllvolumen von mindestens 260 Litern ist der Kofferraum bei den beiden Modellen für weit mehr geeignet als für einen Wochenendtrip mit größerem Handgepäck. Bei Audi kann der Kofferraum dank umklappbarer Rückenlehne sogar auf bis zu 674 Liter erweitert werden. BMW bietet eine Durchladeöffnung an, bei der etwa Ski locker durchpassen. Prax: „Durch ein Stoffverdeck hat man im Kofferraum um rund die Hälfte mehr Platz als bei der Hardtop-Version.“ Cabrios mit sportlichem Verdeck sind auch längst nicht mehr nur für Fahrer mit besonders robuster Gesundheit geeignet. „Die Stoffdächer sind mehrlagig gearbeitet und bieten aufgrund einer speziellen Wärmeisolation heute einen viel besseren Schutz vor Kälte als früher“, so BMW-Mann Ebner.

Gib Gas. Wer frei nach Sir Karl Popper (dessen bekanntestes Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ war sicher nicht auf Cabrio­fahrer bezogen) die größtmögliche Freiheit des Individuums auf vier Rädern aus­kosten möchte, kann bei BMW im besten Fall in 5,6 Sekunden auf hundert Kilometer pro Stunde be­schleunigen. Um zu dieser Höchstleis­tung aufzulaufen, hat der BMW 135i stattliche 306 PS unter der Haube und fährt bis zu 250 km/h. Au­di gestattet temperamentvollen Fahrern mit seinem Spitzenmodell, in 7,3 Sekunden auf hundert zu sein. Die elegante Schaltweise muss beim Beschleunigen dennoch nicht leiden. Bei dem Hightechgetriebe S-tronic, das bei Audi in den beiden Modellen mit der stärkeren Motorisierung eingebaut ist, wechseln die Gänge extrem schnell. Bei diesem Antrieb kann man je nach Laune zwischen Automatik und Handschaltung wählen. Bei BMW sind die beiden Topmodelle serienmäßig mit einem Sechsgang-Automatikgetriebe aus­­gestattet. So viel Spaß kostet allerdings auch eine Stange Geld. Der 360-PS-Kracher von BMW kostet in der Minimalausstattung 49.900 Euro, das 200-PS-Cabrio von Audi ist ab 40.780 Euro erhältlich.

Gib Geld. Wer eher zu den Cruisern zählt und seine Frisur ohnehin nicht für ein paar PS mehr ruinieren möchte, wird auch mit einer günstigeren Version das Auslangen finden. Diese ist bei Audi mit dem 1,9 Liter großen Diesel und 105 PS ab 29.600 erhältlich. BMW verlangt für sein 143 PS starkes Einsteigermodell, den 118i, um rund 2.300 Euro mehr. ­Insgesamt kann man beim bayerischen Hersteller zwischen fünf Motoren wäh­len, bei den Wolfsburgern sind es vier. So stel­len sich damit zwei gelungene Innovationen vor – deren offene Gesellschaft sicher keine Feinde hat. Konkurrenten allerdings schon.

Von Anneliese Proissl

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