Ötsch: "Sind ohne Lufthansa besser dran"

Finale AUA-Vorstandschef Alfred Ötsch ist fast am Ziel: Am Mittwoch hat sein Aufsichtsrat den Einstieg des saudischen Investors Scheich Al Jaber genehmigt. Im Interview mit FORMAT sprach er über seine neue Strategie.

Format: Herr Ötsch, sind Sie erleichtert, dass die Aufsichtsräte von ÖIAG und AUA den Einstieg von Scheich Al Jaber letztlich abgesegnet haben?
Alfred Ötsch: Mir geht es gut, es hat alles ge­klappt. Wir haben es Schritt für Schritt geschafft, um nun im Mai den entsprechenden Antrag an die Hauptversammlung stellen zu können.

Format: Es herrschten aber auch einige Widerstände. Es war doch eine recht schwere Geburt für Sie …
Ötsch: Es gab einige Diskussionen. Aber es ist uns gelungen, die Gremien davon zu überzeugen, dass es sehr viel Sinn macht, diesen Investor an Bord zu holen.

Format: Wie sind Sie denn eigentlich zum Kontakt mit dem Scheich gekommen?
Ötsch: Ich kenne Herrn Al Jaber seit Herbst 2006. Er hat sich interessiert gezeigt, schon an der damals geplanten Kapitalerhöhung teilzunehmen. Das war aber eine öffentliche Ausschreibung, außerdem gab es einen gewissen Druck von terminlicher Seite. Deshalb kam das noch nicht zustande.

Format: Aber Sie haben die Verbindung aufrechterhalten?
Ötsch: Wir haben uns öfters getroffen, wenn Al Jaber in Wien war. Er hatte großes Interesse an der Entwicklung der AUA. Und wie er gesehen hat, dass unsere Restrukturierungsmaßnahmen gut greifen, erklärte er sich bereit, zu in­vestieren – um unser wachsendes Geschäft in den Nahen und Mittleren Osten noch zu beschleunigen.

Format: Die AUA wird von Al Jaber rund 150 Millionen Euro erhalten. Ist er ein reiner Finanzinvestor oder ein strategischer Partner?
Ötsch: In der Mitte. Es kommt auf die Definition an. Manche verstehen unter einem strategischen Partner ausschließlich einen, der in der gleichen Branche tätig ist. Das ist er nicht. Reiner Finanzinvestor ist Al Jaber aber auch nicht, weil er unsere Strategie durch seine Kontakte und seine Marktkenntnisse im arabischen Raum sehr gut unterstützen wird.

Format: Also kein ausschließlicher Finanz­investor, wie einige Aufsichtsräte meinen?
Ötsch: Wie er genannt wird, ist mir egal. Er unterstützt uns jedenfalls nicht nur mit Geld. Auch, aber nicht nur.

Format: Sich einen Investmentfonds anzu­lachen hätte nicht den gleichen Effekt gehabt?
Ötsch: Nein, weil bei einem solchen die marktmäßigen Impulse gefehlt hätten.

Format: Was heißt das? Hilft Ihnen Al Jaber zum Beispiel bei den Strecken nach Saudi-Arabien, woher er stammt?
Ötsch: Das ist ein gutes Beispiel. Wir fliegen ab Sommer nach Riad und Jeddah. Das wäre ohne ihn nie so glatt und so schnell über die Bühne gegangen. Geschafft hätten wir es auch so, aber es wäre mühsamer gewesen. Außerdem ist der Abschluss von Firmenkontrakten in Saudi-Arabien ein Thema.

Format: Waren Sie über die Widerstände eigentlich überrascht, oder haben Sie damit ge­rechnet, dass diese Sache doch sehr erklä­rungsbedürftig sein wird?
Ötsch: Erklärungsbedürftig nicht, weil sie eigentlich ganz einfach ist. Ich war aber auch nicht überrascht. Es gibt leider Kreise, die an einer Stärkung der Eigenständigkeit der AUA nicht interessiert sind, die uns lieber heute als morgen als Teil der Lufthansa sehen. Aus dieser Ecke sind auch die Querschüsse gekommen. Und da meine ich nicht nur unsere Wettbewerber, bei denen kann ich es ja noch verstehen.

Format: Die strategischen Vorteile, die der Scheich der AUA bringt, klingen noch vage. Auch die ÖIAG hat in der Vorwoche eine Konkretisierung der Investmentstory eingefordert. Sie wollen mit dem frischen Kapital drei neue Flieger kaufen und Richtung Mittlerer Osten einsetzen. Haben Sie schon Berechnungen, wie viel Ihre Airline dadurch mehr verdienen wird?
Ötsch: Wir veröffentlichen keine Strecken- und Gebietsergebnisse. Aber gehen Sie davon aus, dass es sich gut rechnen wird. ÖIAG und Aufsichtsrat konnten wir überzeugen, dass die Beteiligung von Al Jaber Sinn macht und zur Strategie passt. Wir können schneller wachsen.

Format: Wie werden Sie das Geld, das vom Scheich kommt, einsetzen?
Ötsch: Wir fliegen heute schon in den Nahen und Mittleren Osten und stellen Mittelstrecken-Jets dafür auf unser neues Premium-Service um: mit einem Business-Komfort wie in der First Class. Künftig könnten bis zu neun Flugzeuge in dieser Region zum Einsatz kommen. Vier werden bis Herbst umgebaut, zwei weitere sind in Planung, und drei zusätzliche wären dann noch angedacht. Ab Sommer werden die AUA-Passagiere das neue Premium-Produkt genießen können.

Format: Aber wenn sich der Business-Case rechnet, hätten Sie die Anschaffung von Flugzeugen doch auch mit Bank­krediten finanzieren können. Brauchen Sie dafür gleich einen neuen Großaktionär?
Ötsch: Wir verwenden ja nicht das ganze Geld für drei zusätzliche Flieger. Es dient auch der Stärkung unserer Eigenkapitalbasis und versetzt uns in die Lage, Chancen kurzfristig nutzen zu können. Außerdem sind wir besser auf die schwierigen Zeiten gerüstet, die auf die Branche zukommen.

Format: Sie rechnen in den nächsten Monaten mit Turbulenzen?
Ötsch: Es wird nicht leicht. Das Jahr 2008 hat schon schwierig begonnen. Wir konnten uns zwar gut behaupten. Die AUA spürt aber die Konkurrenz von Low-Cost-Airlines, die in Wien beinhart geworden ist – mit zum Teil sehr unnatürlichen Preisgestaltungen.

Format: Sie haben öfters betont, die AUA braucht jetzt kein frisches Kapital. Stimmt das jetzt oder nicht?
Ötsch: Das ist ein typisches Problem, das entsteht, wenn Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen werden. Wir brauchen kein Geld für den normalen Betrieb. Ich wurde ja gefragt, ob wir vielleicht die Mittel aus der letzten Kapital­erhöhung schon wieder verbrannt haben. Nein. Wir brauchen kein Geld, um zu überleben. Aber Geld, das wir in zusätzliche Expansionsmöglichkeiten investieren können, das unser Eigenkapital stärkt, ist uns natürlich willkommen.

Format: Sie haben diese Woche das Jahresergebnis 2007 präsentiert, eine schwarze Null …
Ötsch: Keine schwarze Null, sondern 3,3 Millionen Euro Gewinn. Das ist eine Trendwende nach zwei Verlustjahren. Wir freuen uns, dürfen uns aber darauf nicht ausruhen.

Format: Würden Sie sagen, dass die AUA nachhaltig saniert ist?
Ötsch: Wir sind auf dem richtigen Weg, aber die Nachhaltigkeit müssen wir erst beweisen. In unserer Branche muss man immer mit Rückschlägen rechnen.

Format: Können Sie ausschließen, heuer wieder in die roten Zahlen zu rutschen?
Ötsch: Ich gebe keine Prognose ab. 2008 hat, wie gesagt, nicht so gut begonnen. Der Kerosinpreis ist enorm hoch, der liegt bei über 1.000 Dollar pro Tonne. Im Vorjahr haben wir im Schnitt 706 Dollar gezahlt.

Format: In den Diskussionen der letzten Wochen tauchten öfters Zweifel auf, ob es die AUA alleine schaffen kann.
Ötsch: Zweifel gibt es immer. Aber ich bitte, die objektiven Kennzahlen anzuschauen, die haben sich deutlich ver­bessert. Wir sind gegen marktseitige Rückschläge heute viel besser gewappnet und können auch großflächig angreifen.

Format: Dennoch gibt es Stimmen, die einen Zusammenschluss mit der Lufthansa zumindest für überlegenswert halten.
Ötsch: Die Lufthansa-Option ist ja nicht vom Tisch. Durch die bilateralen Vereinbarungen mit Herrn Al Jaber hat sich die ÖIAG ja für den Fall der Fälle alles offen gehalten.

Format: Was halten Sie von der An­sicht, die AUA hätte als Teil der Luft­hansa weniger Konkurrenz zu fürchten als in der aktuellen Situation? Oft wird das Beispiel Swiss genannt.
Ötsch: Das ist absurd. Die Swiss hatte einmal 160 Flugzeuge und wurde im Konkurs mehr als halbiert. Jetzt hat sie wieder 80. Nach einem Konkurs im Schutz der großen Mutter wieder zu wachsen ist keine Kunst.

Format: Der AUA geht es mit der Stand-alone-Strategie besser?
Ötsch: Natürlich. Wir würden sonst das gleiche Schicksal wie die Swiss erleiden, mit einer massiven Reduktion. Wir haben die Langstrecke bereinigt und bauen die Stärken aus. Ein übergeordneter Eigen­tümer würde weiter optimieren.

Format: Aber ist es sinnvoll, den Allianzpartner Lufthansa vor den Kopf zu stoßen, indem immer von der drohenden Übernahme gesprochen wird?
Ötsch: Das ist nicht meine Wortwahl. Aber es ist auch nicht meine Managementaufgabe, mich um die Geschäfte eines Wettbewerbers zu kümmern. Wir sind ein guter Allianzpartner, verfolgen aber ansonsten eigene Interessen.

Format: Der Deal mit Al Jaber muss noch von der Hauptversammlung abgesegnet werden, Kleinaktionärsvertreter drohen schon mit Protesten …
Ötsch: Und zwar ohne die Details zu kennen. Da wird reflexartig sofort Widerstand geleistet, bis hin zu Klagsdrohungen.

Format: Den angekündigten Ausschluss der Be­zugsrechte bei der Kapital­erhöhung wird es nun doch nicht geben.
Ötsch: Im Gegenteil. Wir werden ein Incentive-Programm mit Rabatten für die Kleinaktionäre machen.

Format: Und der Vorwurf, es werde zu billig an den Scheich verkauft?
Ötsch: Wer das sagt, den lade ich ein, die elegante Möglichkeit zu nutzen, sich jetzt an der Börse für etwa 5,30 Euro pro Stück mit AUA-Aktien einzudecken. Ich habe den Eindruck, nicht die Kleinanleger protestieren, sondern nur ihre Vertreter, darunter auch selbst ernannte. Und noch etwas will ich betonen: Eine Kapitalgarantie für Al Jaber gibt es nicht. Nur wenn ihn die ÖIAG bei einer weiteren Privatisierung zwingt, die AUA-Anteile gegen seinen Willen zu verkaufen, hat er die Garantie, dass er zumindest seinen Einsatz zurückbekommt.

Format: Letzte Frage: Ist ein Einstieg beim maroden Billigflieger SkyEurope für Sie ein Thema?
Ötsch: Nein. Von der großspurig an­gekündigten Expansion ist dort keine Rede mehr. Unsere Gegenwehr zeigt bereits Wirkung.

Interview: Andreas Lampl

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