Österreich sucht den Topmanager

Österreich sucht den Topmanager

FORMAT-Redakteurin Angelika Kramer.

Internationale Spitzenmanager sind in Österreichs Chefetagen rar gesät. Das kommt nicht von ungefähr.

Es ist ein bisschen wie bei "Germany 's next Topmodel". Die angehenden Topmodels werden öffentlich gedemütigt, diskreditiert, dafür winkt am Ende ein Traumjob. Allerdings nicht für lange. Die Topmodels von Heidi Klums Gnaden verschwinden meist ebenso rasch in der Versenkung, wie sie aufgetaucht sind.

Internationalen Managern, die es in die Chefetagen österreichischer staatsnaher Unternehmen geschafft haben, droht meist ein ähnliches Schicksal.Rüdiger vorm Walde? Wer war das noch einmal? Abgesehen von seinem etwas altertümlichen Namen ist der deutsche Manager, der bloß dreieinhalb Jahre die Geschicke der ÖBB lenken durfte, vor allem durch hochdotierte Beraterverträge und hölzerne Unbeholfenheit im Gedächtnis geblieben. Große Weichenstellungen für die Bahn oder gar die Befriedung der Gewerkschaft sind dem früheren Chef der Berliner Verkehrsbetriebe freilich nicht gelungen. Aber die schwarz-blaue Regierung konnte sich damals mit dieser Bestellung die Abkehr vom Proporz und eine Prise Internationalität auf die Fahnen heften. Immerhin!

Wird es Rainer Seele, dem designierten OMV-Chef, ähnlich ergehen, wie einige böse Stimmen in Online-Foren vermuten? Ist er der beste Mann an der Spitze von Österreichs größtem Industriekonzern? Oder aber: Hat die Regierung gezielt nach einem internationalen Experten gesucht, um die Proporzbesetzung bei der staatlichen Beteiligungsgesellschaft ÖBIB - jeweils ein schwarzer und ein roter Politiker und ein dazu farblich passender Manager -vergessen zu machen? Ist der Wintershall-Manager also nichts anderes als ein Feigenblatt?

Gemeinsam ist beiden Herren - so unterschiedlich ihre Persönlichkeiten sein mögen -, dass sie aus jeweils deutlich kleineren Unternehmen in viel größere österreichische wechselten. Von den Berliner Verkehrsbetrieben an die Spitze der ÖBB - alle Achtung! Und die OMV, immerhin Österreichs größtes Industrieunternehmen, ist umsatzmäßig doppelt so groß und von der Mitarbeiterzahl das Zehnfache von Seeles früherem Arbeitgeber, Wintershall, und überdies auch noch börsennotiert.
Warum nur, fragt man sich, finden sich für Österreichs Topunternehmen nicht auch internationale Topshots mit Kapitalmarkterfahrung? Wieso drängen die BP-oder Royal-Dutch-Manager nicht scharenweise nach Österreich, um einen der verantwortungsvollsten und bestdotierten Jobs, die dieses Land zu bieten hat, zu übernehmen? Schließlich zählt Wien ja zu den lebenswertesten Städten dieser Welt?

Der unglückliche ÖBB-Manager vorm Walde ist unter anderem daran gescheitert, dass er es nicht ausreichend verstanden hat, wie wichtig Netzwerke in diesem Land noch immer sind. Und diese Netzwerke werden umso wichtiger, je näher der Vorstandsposten an der Politik ist. Spitzenpositionen im österreichischen staatsnahen Bereich ohne Beziehungen zu Vertretern der Regierungsparteien? Undenkbar! Ballbesuche, Jagdgesellschaften, gelegentliche Verabredungen zum Golf oder ein Abend beim Heurigen gehören zur Job Description eines heimischen Spitzenmanagers eben dazu. Das musste auch der scheidende OMV-Chef Gerhard Roiss leidvoll erfahren, der eine einsame Marathonstrecke einem Schwatz mit maßgeblichen Entscheidungsträgern stets vorgezogen hat.

Die Genese zu Roiss' Abgang wird das Interesse an dem CEO-Posten sicher auch nicht explodieren haben lassen. Ein Eigentümervertreter, der den Eigentümer eigentlich gar nicht vertritt, und ein Eigentümer, der dem Eigentümervertreter machtlos gegenübersteht, sind nicht gerade eine angenehme Konstellation. Dies hat man zwar durch die Schaffung der ÖBIB zu entschärfen versucht, bewähren muss sich dieses politiknähere Modell aber auch erst. Ob die Entsendung von Arbeiterkammer-Vertretern durch die ÖBIB in den Verbund-Aufsichtsrat hier wirklich gute Signale an internationale Topmanager sind?

Doch lassen wir die Politik beiseite und wenden wir uns handfesten Dingen zu: Der Shell-Chef bekam letztes Jahr 5,6 Millionen Euro ausgezahlt. Davon alleine 3,3 Millionen Euro Bonus. Verglichen damit nimmt sich der Vorstandsbezug von Gerhard Roiss -ohne seine Beendigungsansprüche - von 1,5 Millionen Euro fast bescheiden aus.
Aber vielleicht wurde mit Seele ja wirklich der absolut beste Mann für den anspruchsvollen Job gefunden. Schließlich findet sich ja auch unter Heidi Klums Kandidatinnen manchmal ein richtiges Topmodel.

Artikel aus FORMAT Nr. 14/2015
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