ÖIAG-Privatisierungen: Mit dem Rücken zur Wand

Die ÖIAG braucht schnelle Erfolge. Aber die sind schwer zu feiern. Bei der Telekom soll statt der Swisscom eine Wandelanleihe kommen. Und Stronach will wegen der Voest die Republik klagen.

Ein kleines Erfolgserlebnis gab es diese Woche für die ÖIAG. Sie bekam ein Gutachten zugestellt, das dem Kartellgericht für seine Entscheidung am 15. August empfiehlt, die Übernahme der Postbus AG durch die ÖBB zu genehmigen. Wenigstens dieses leidige Thema ist abgehakt.

Ansonsten regiert das Chaos. Die Nerven liegen nach dem Debakel um die Voest-Gespräche mit Frank Stronachs Magna blank. Etliche Vorstände in den ÖIAG-Beteiligungen kritisieren, dass Verkaufsszenarien, die früher gemeinsam besprochen wurden, heute geheim ablaufen. Voest-General Franz Struzl wünscht sich „eine rasche Totalprivatisierung, um aus der politischen Diskussion zu kommen“. Claus Raidl, Chef von Böhler Uddeholm, will „nur schnell weg vom Staat“. Und auch VA-Tech-Boss Erich Becker fühlt sich von der ÖIAG wenig pfleglich behandelt.

ÖIAG-Präsident Alfred Heinzel reagiert schon ziemlich gereizt: Vorwürfe aus den Vorständen der ÖIAG-Beteiligungen sind ihm „keine bekannt“. Von Reibereien mit Grasser wegen Umgehung des Aufsichtsrats will er nichts mehr wissen: „Würde die Entscheidungsdisziplin nicht eingehalten, wäre ich für diese Funktion nicht der richtige Mann.“

Swisscom-Deal vorerst gescheitert, jetzt Telekom-Wandelanleihe. Doch Heinzel weiß, dass die Staatsholding mit dem Rücken zur Wand steht und rasche Erfolge gefordert sind. Runde vier Milliarden Euro an Verkaufserlösen sind bei Telekom Austria (TA), Voestalpine, Böhler Uddeholm und VA Tech geplant. Wie dieser Geldsegen eingefahren werden soll, ist auch nach der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag nur schemenhaft erkennbar.

Zu gern hätte Peter Michaelis ein fixfertiges Übernahmeangebot der Swisscom für die Telekom Austria präsentiert. Die Gespräche waren weit gediehen, sind aber vorerst an den unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Die ÖIAG wollte 13 Euro pro Aktie. Das hätte ihr 3,1 Milliarden Euro gebracht – zu viel für die Schweizer. Selbst eine Kaufabsichtserklärung der Swisscom in den nächsten Wochen ist nicht wahrscheinlich.

Den ganzen Artikel lesen Sie im neuen FORMAT
Plus: Interview mit Frank Stronach: "Wenn die Voest-Privatisierung nicht korrekt abläuft, werde ich klagen"

Österreichs Unternehmen ohne Panik in die Digitalisierung

Bonität

Österreichs Unternehmen ohne Panik in die Digitalisierung

Novelle: Ab Ende 2017 sollen für PKWs EU-weit Abgastests angewandt werden, die realistische Messwerte liefern.

Auto & Mobilität

Abgastests: EU verschärft die Vorschriften

Wirtschaft

Kreditvergabe an Firmen mit stärkstem Anstieg seit 2009