ÖGB in akuten Finanznöten

Exklusiv: Die neue ÖGB-Bilanz. Der Gewerkschaftsbund baute 2004 den größten operativen Verlust seiner Geschichte. Das exorbitante Millionenminus konnte nur durch Bawag-Dividenden ausgeglichen werden.

Fritz Verzetnitsch hat es nicht leicht. Der sechzigjährige Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbunds (ÖGB) steht vor einer schwierigen Aufgabe, die ihm in den nächsten Wochen und Monaten enorme Kraft abringen wird. Immerhin muss er ein ÖGB-internes Problem lösen, das nur durch einen Tabubruch der Sonderklasse erreicht werden kann: den teilweisen Lohnverzicht auf allen Ebenen.

Der Grund für Verzetnitschs akuten Handlungsbedarf: Der ÖGB verbuchte laut dem FORMAT exklusiv vorliegenden „Jahresabschluss des ÖGB“ im Jahr 2004 einen operativen Rekordverlust (Betriebsergebnis) von 43,3 Millionen Euro  – in alter Währung: 596 Millionen Schilling (siehe Faksimile). Das gab es in der turbulenten Vereinsgeschichte noch nie. Der FORMAT ebenfalls vorliegende „Bericht der Zentralen Kontrollkommission“ (ZKK) – der obersten ÖGB-Prüfbehörde – vom Oktober 2005 bringt die Dramatik auf den Punkt: „Der Jahresabschluss 2004 (…) ist Anlass zur Besorgnis, da ein positiver Abschluss nur durch die Kapitalerträge erreicht werden konnte“ (siehe Faksimile im neuen FORMAT). Das Bilanzergebnis 2004 weist ein Plus von 30.833 Euro aus.

Die Ursachen für das eklatante Finanzloch sind vor allem rückläufige Mitgliederzahlen und rasant steigende Personalkosten. Registrierte der ÖGB vor zehn Jahren noch 1,6 Millionen zahlende Mitglieder, so sind es heute deutlich weniger als 1,4 Millionen. „Auch 2004 ist ein Mitgliederrückgang zu verzeichnen“, stellen die ZKK-Prüfer Eleonore Hostasch und Manfred Wiedner in ihrem Bericht nüchtern fest: „Das Einnahmenvolumen aus Mitgliedsbeiträgen ist etwas geringer als 2003 und deckt nicht zur Gänze das Ausgabenvolumen, obwohl bei den Ausgaben Einsparungsbemühungen erkennbar sind.“ Der anhaltende finanzielle Druck zwang die Genossen etwa, nach Käufern für ÖGB-Immobilien zu suchen. Außerdem wurde heuer die Druckerei Elbemühl verhökert. „Es sind weitere Schritte unverzichtbar, um ein ‚Leben von der Substanz‘ zu vermeiden“ (ZKK-Bericht).

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