Öffnung des Börse-Pakets

Die Post-Bosse haben die Börsenstory im Projekt „Wachstum 2008 plus“ verpackt. Die ÖIAG will 2006 gleich 49 Prozent der Post verkaufen. Die Personalvertreter leisten aber erbittert Widerstand.

Der Rahmen ist gediegen, von ausgesuchter Noblesse geradezu. Für die Aufsichtsratsklausur am 1. und 2. September bat der Post-Vorstand in die Villa Bulfon in Velden am Wörthersee. Das 500 Jahre alte Herrenhaus – Zimmerpreise zwischen 150 und 200 Euro pro Person – umgibt ein Ambiente, das auch dem Meeting von Privatbankern einen würdigen Rahmen böte, samt Anlegeplätzen fürs private Boot. Der 35.000 Quadratmeter große Park direkt am See bietet Raum für diskrete Gespräche abseits des offiziellen Programms.
Dass auch die Gattinnen der Klausurteilnehmer geladen wurden, um eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, sorgte bei den Belegschaftsvertretern im Aufsichtsrat schon im Vorfeld für Unbehagen. Gewerkschaftsboss Gerhard Fritz meint: „Ich finde es dekadent. Alle Herren hier bekommen für ihre Arbeit genug bezahlt.“ Christgewerkschafter Manfred Wiedner ergänzt: „So romantisch wie die Umgebung ist die Stimmung bei weitem nicht.“ Die Betriebsräte glauben, dass sie für eine Zustimmung zum Post-Börsengang eingekocht werden sollten.

Wohl nicht zu Unrecht. Denn für Post-General Anton Wais und die Staatsholding ÖIAG, 100-Prozent-Eigentümerin des Briefkonzerns, geht es um viel. Die Tagung in Velden dient nur einem Zweck: eine Börsenstory glaubhaft darzustellen. Fast alle Akteure sind sich über ein Going Public (IPO) einig. Infrastrukturminister Hubert Gorbach bestätigte erst jetzt wieder den beabsichtigten Teilverkauf im Frühjahr 2006. Finanzminister Karl-Heinz Grasser macht Druck, der Vorstand zieht mit. Ein Okay der ÖIAG-Kontrollore am 9. September gilt als ausgemacht. Die Kapitalvertreter im Post-Aufsichtsrat können, so ist man sicher, überzeugt werden. Nur die Betriebsräte leisten hartnäckig Widerstand.

Börsengang erfordert neue Strategie des Vorstands.
Das Papier, in dem Anton Wais die Zukunftspläne niederschreiben ließ, trägt den Titel „Wachstum 2008 plus“. Es enthält die Story, mit der die Post Anleger gewinnen will. „Bisher haben wir umstrukturiert, jetzt ist die Basis für Investitionen geschaffen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. „Zuerst mussten wir beweisen, dass wir stand-alone überlebensfähig sind. Für einen Börsengang reicht das nicht. Dessen Ankündigung hat die Notwendigkeit neuer Strategien beschleunigt.“

Ein Pfeiler der Börsenstrategie ist der Einstieg ins B2B-Geschäft (business to business) bei Paketen, wo die Ware beim Absender abgeholt und direkt beim Empfänger zugestellt wird. Die Post, die derzeit 24.000 Mitarbeiter beschäftigt, beendet ihre Kooperation mit der privaten DPD, laut Wais „ein Knebelvertrag“. Sie verkauft ihre 30-prozentigen Anteile an den Speditionen Lagermax, Schachinger und Gebrüder Weiss, die gemeinsam die DPD betreiben. Um im B2B-Bereich selbst tätig werden zu können, investierte der Staatskonzern 44 Millionen Euro in einen neuen Verteilprozess: unter anderem für eine komplette Verlagerung von der Schiene auf die Straße. Wais: „Wir werden kein Frächter, der Sand auf Baustellen liefert, bieten aber Speziallogistik an.“ Zum Beispiel den Transport von Autoteilen und IT-Komponenten.

Post will Internethändler als Großkunden angeln.
Außerdem setzt das Projekt auf Firmen als Partner, bei denen der Konsument Waren direkt bestellt. Gedacht ist an die Internet-Auktionshäuser eBay und Onetwosold, an den Onlinehändler Amazon, an die Kaffeeproduzenten Tchibo und nespresso.com oder an Elektro-Filialisten wie Hartlauer und Conrad. Die Post-Führung forciert für solche Unternehmen Gesamtkonzepte inklusive Verpackung, Lösungen für retournierte Artikel und das Kassieren per Nachname. Sogar Reparatur-Logistik soll aufgebaut werden: etwa die Abgabe eines kaputten Handys bei der Post, die sich dann um den weiteren Prozess kümmert.
Wais zählt auch Shopping-TV-Kanäle wie QVC oder HOT, „die an Bedeutung gewinnen“, zu möglichen Großkunden. Allerdings gibt es noch mit keinem Partner Verträge, nur Gespräche.
Als zweite Säule soll nach den Vorstellungen der Post-Spitze die Expansion nach Südosteuropa das „Wachstum 2008 plus“ abstützen. Auch dafür ist die Trennung von der DPD Voraussetzung, weil die französische Post als Eigentümerin der deutschen DPD durch Verträge die Internationalisierung der Österreicher behinderte. „Jetzt stoßen wir das Tor in den Osten erst richtig auf“, freut sich Wais. Auf der Liste stehen Ungarn, Tschechien, Bulgarien und Rumänien. Dort sollen bestehende Paketdienstleister gekauft werden. Daneben will die heimische Post AG – wie nach der Feibra-Übernahme
in Ungarn – auch bei Infomails und Prospektzustellung mitmischen.

Andreas Lampl
Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT

Geld

8 Forderungen des Raiffeisen-Chefanalyst an die neue Regierung

Wirtschaft

Whistleblower: „Die Cayman Islands sind ein gefährlicher Ort“

Raiffeisen übernimmt Modelleisenbahn-Hersteller Roco und Fleischmann.

Wirtschaft

Raiffeisen übernimmt Roco und Fleischmann Modelleisenbahnen